Nach den wie immer stundenlangen Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Putin gaben die amerikanischen Vertreter Steve Witkoff und Jared Kushner keinerlei Erklärungen ab und flogen weiter zu den Verhandlungen der Arbeitsgruppen der russischen, ukrainischen und amerikanischen Seite in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Konkreter äußerte sich hingegen der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow – ein Politiker, der für seine Beteiligung an der Ausarbeitung des sogenannten Friedensplans bekannt ist, den Moskau vor allem benötigt, um neue antirussische Sanktionen zu verhindern und die Kontrolle über seine derzeit im Westen eingefrorenen Vermögenswerte zu behalten. Er betonte, dass es ohne eine Lösung der Territorialfragen keinerlei reale Fortschritte im sogenannten Friedensprozess geben werde.
Damit lässt sich feststellen, dass auch Monate nach Beginn einer neuen Etappe der Suche von Präsident Donald Trump nach Wegen aus dem russisch-ukrainischen Krieg – und ungeachtet der Aussagen des amerikanischen Präsidenten, Putin wolle Frieden – der Kreml an seiner Position festhält und vor allem den Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet der Oblast Donezk fordert, das derzeit von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird.
Natürlich kann dies nicht nur eine Verzögerungstaktik bedeuten, sondern auch den Versuch Moskaus, Wege zur Destabilisierung der Ukraine zu finden, um die Führung unseres Landes unter dem Druck nicht nur Putins, sondern auch Trumps zu erniedrigenden territorialen Zugeständnissen zu zwingen. Moskau hofft offenbar, dass ein solcher Schritt zumindest in Teilen der ukrainischen Gesellschaft eine scharfe Reaktion auslösen, zum Zerfall der Streitkräfte der Ukraine führen und es Russland ermöglichen würde, einen größeren Teil des ukrainischen Territoriums ohne besondere Anstrengungen zu erobern.
Das heißt, Putin hofft weiterhin auf einen Revanchismus nach dem Scheitern seines Blitzkriegs von 2022. Und da seine Armee ihm das Gewünschte nicht liefern kann, sucht er nach politischen Schritten, um einen solchen Revanchismus umzusetzen.
Gleichzeitig muss betont werden, dass sich in der Position Moskaus gewisse instrumentelle Veränderungen abzeichnen, die vor allem damit zusammenhängen, dass Putin versteht, dass er dem amerikanischen Präsidenten Trump etwas als Beweis seiner angeblichen Friedfertigkeit anbieten muss. Dazu gehören auch die Gespräche, die derzeit in Abu Dhabi stattfinden.
Wir wissen bislang nicht genau, wie realistisch bei diesen Verhandlungen ein direkter Kontakt zwischen der russischen und der ukrainischen Delegation sein kann. Auch wenn man ehrlich sagen muss, dass dies praktisch nichts entscheidet. Denn in der bisherigen Situation des russisch-ukrainischen Krieges haben Ukrainer und Russen bereits mehrfach direkt miteinander gesprochen – sowohl 2022 als auch 2025. Das führte lediglich zu Zeitverzögerungen seitens der russischen Delegation und zur Präsentation politischer Ultimaten im Namen Präsident Putins.
Jetzt könnte sich die Situation ändern, weil der Kreml zum Leiter der russischen Delegation bei diesen Arbeitsgruppengesprächen Admiral Igor Kostjukow ernannt hat, den Chef der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation. Wenn man sich die Geschichte der sowjetischen und russischen Nachrichtendienste vor Augen führt, handelt es sich dabei um das GRU – die militärische Aufklärung –, die eine der wichtigsten Rollen in der Machtvertikale spielt, wenn es um die Streitkräfte der Russischen Föderation geht. Denn Putin versucht als professioneller Tschekist im Umgang mit Generälen gerade auf solche Nachrichtendienstler zu setzen, aus deren Reihen auch er selbst stammt. Aus dieser Sicht ist die Autorität des Admirals – des ersten Vertreters der Marine an der Spitze des Militärgeheimdienstes – für den Kreml unbestreitbar.
Dass Putin ausgerechnet den Chef der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte Russlands zu den Verhandlungen entsendet, kann mit mehreren Umständen zusammenhängen. Erstens wollte Putin offenbar, dass dem Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, General Budanov, der vor seiner Ernennung die ukrainische Militäraufklärung leitete, ein Gegner gegenübersteht, der die Schritte des neuen Leiters der Administration von Volodymyr Zelensky verstehen kann. Medinski hingegen würde Budanov hier offensichtlich unterlegen sein. Deshalb entsendet man den Chef der militärischen Aufklärung.
Zweitens möchte Putin Trump damit ein erhöhtes Interesse an der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges demonstrieren. An der Spitze der Delegation, die mit Amerikanern und Ukrainern sprechen wird, steht nun nicht mehr irgendein Medinski, der in diesem Leben praktisch nichts entscheidet und eher eine Putin-Marionette ist, die lediglich zuvor in der Präsidialadministration formulierte Ultimaten verliest. Stattdessen handelt es sich um eine Person, die zumindest in der Lage ist, ein eigenes Spiel zu entwickeln und sich anschließend mit dem Präsidenten der Russischen Föderation abzustimmen – jemand aus dem Kreis derjenigen, denen man im Kreml als „Eigenen“ vertraut und nicht als bloßem Servicepersonal, zu dem all diese Berater und Assistenten des russischen Präsidenten zweifellos zählen.
Ein dritter Punkt könnte – wenn auch eher als Hoffnung – damit zusammenhängen, dass Russland tatsächlich ernsthaft Sicherheitsfragen erörtern wollte und dass Putin die ukrainischen Angriffe auf seine Raffinerien und die damit verbundenen Verluste wirklich beunruhigen. In diesem Fall könnte Russland einen gewissen Schritt in Richtung eines sogenannten Energie-Waffenstillstands unternehmen. Und nicht etwa, weil Putin plötzlich Mitgefühl für das Leid der Ukrainer entwickelt hätte, die er in diesem kalten Winter einzufrieren versucht. Sondern weil Militärs Putin berichten könnten, dass mit Blick auf die ukrainische Energieinfrastruktur bereits das meiste dessen getan wurde, was möglich war, und dass weitere Verluste nun vor allem den Öl- und Raffineriekomplex Russlands treffen würden – also genau jenen Bereich, den Putin benötigt, um den Krieg in den kommenden Jahren fortzusetzen und die Situation bis 2029 hinauszuzögern, wenn die Vereinigten Staaten einen neuen, berechenbareren Präsidenten haben werden, mit dem man über die vollständige Kontrolle Russlands über den postsowjetischen Raum verhandeln könnte.
Dass Putin trotz dieser vier Jahre Krieg weiterhin auf ein solches Szenario hofft, ist wohl die eigentliche, zentrale Veränderung im Verhandlungsprozess. Doch wir werden sehen, was in diesen zwei Tagen in Abu Dhabi tatsächlich geschieht, um zu verstehen, wie erfolgreich es Putin nun gelingt, Zeit zu schinden, um den Krieg unter dem wachsamen, aber – wie ich sagen würde – nicht besonders realistischen Blick Donald Trumps fortzusetzen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Віткофф – Путін: головне | Віталій Портников. 23.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.