
Volodymyr Zelensky und Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Schweiz, 22. Januar 2026.
Foto: Volodymyr Zelensky / X / East News
Nach dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten und der Ukraine blieb die wichtigste Frage unbeantwortet: Warum musste Trump so dringend ein Treffen mit Zelensky initiieren und behaupten, der russische Präsident wolle den Krieg beenden, obwohl von Putin selbst keinerlei eindeutige Signale in diese Richtung gekommen sind?
Teilweise hat Trump diese Frage dennoch selbst beantwortet, als er nach dem Rendezvous mit Zelensky das Geschehen als einen „langwierigen Prozess“ bezeichnete. Möglicherweise ist es für ihn tatsächlich notwendig, die Illusion eines solchen Prozesses aufrechtzuerhalten, um keine Zweifel an seiner eigenen Einbindung in die Regelung des russisch-ukrainischen Konflikts aufkommen zu lassen.
Und in diesem Wunsch, das Feuer im Herd nicht erlöschen zu lassen, ähnelt er Putin, der ebenfalls bemüht ist, Trump seine Friedfertigkeit und Verhandlungsbereitschaft zu demonstrieren – um eine Verschärfung des Sanktionsdrucks seitens der USA zu vermeiden oder zumindest neue Waffenlieferungen an die Ukraine zu verhindern.
Die Tricks des Kremls
Für mich bleibt in diesem Zusammenhang die zentrale Frage: Reichen Putins Tricks aus, um Zeit bis Januar 2029 zu schinden, wenn Trump das Weiße Haus verlassen wird? Denn in Wirklichkeit sind fast alle Methoden, die Putin kennt, bereits eingesetzt worden: schmeichelhafte Telefongespräche mit dem amerikanischen Präsidenten, die demonstrierte Bereitschaft zu persönlichen Kontakten und sogar ein „Entwurf eines Friedensplans“, der von Kirill Dmitrijew dienstbeflissen an Steve Witkoff übergeben wurde.
Als Trump und Zelenskyl gemeinsame Vorschläge abstimmten, auf die Putin reagieren sollte, erfand dieser „plötzlich“ einen angeblichen Beschuss seiner Residenz in Waldai durch ukrainische Drohnen – um noch etwas Zeit zu gewinnen. Und was nun?
Nun findet vor dem Hintergrund der anhaltenden Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur und des offensichtlichen Bestrebens des Kremls, die Ukraine in diesem Winter „einzufrieren“, in Abu Dhabi das erste trilaterale Treffen auf Delegationsebene zwischen Russland, der Ukraine und den USA statt. Nach außen mag dies wie eine gewisse Wende im Friedensprozess wirken, in Wirklichkeit ist es jedoch nur ein weiterer Weg, Putin Zeit zu verschaffen.
Denn niemand behauptet ernsthaft, dass solche trilateralen Gespräche mehr Ergebnisse bringen werden als die bisherigen bilateralen – sei es mit den Amerikanern während der Besuche Witkoffs und Kushners in Moskau oder mit den Ukrainern, deren Gespräche seit 2014 bis 2025 geführt wurden und nichts erbracht haben. Doch sie schaffen den Anschein eines Prozesses. Und Trump erhält seinerseits die Möglichkeit, allen zu versichern, „der Frieden sei nahe“, während alle anderen von der „letzten Meile“ und von „fruchtbaren Anstrengungen“ sprechen, um den amerikanischen Präsidenten nicht zu verärgern oder zu enttäuschen.
Doch betrachtet man die realen Fakten, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Auf dem Forum in Davos war die Unterzeichnung von Dokumenten über Sicherheitsgarantien für die Ukraine und über ihren Wiederaufbau geplant. Weder das eine noch das andere ist geschehen – und es ist auch klar, warum.
Epherme Sicherheitsgarantien
Die Grönland-Krise hat grundsätzlich infrage gestellt, ob die USA, die Europäer und die Ukrainer überhaupt in der Lage sind, irgendwelche wirksamen Sicherheitsgarantien zu erarbeiten. Schon zuvor wirkten solche Garantien utopisch, da es meiner Ansicht nach keine realen Sicherheitsgarantien geben kann, wenn es um eine Konfrontation mit einer Atommacht geht.
Solche Garantien sind nur dann möglich, wenn eine andere Atommacht bereit ist, eine direkte Konfrontation einzugehen – und genau das ist derzeit nicht zu erkennen. Doch jetzt, da die USA – ein Land, das nach Artikel 5 des NATO-Vertrags verpflichtet ist, die territoriale Integrität Dänemarks zu verteidigen – selbst diese Integrität infrage stellen (im Zusammenhang mit Grönland), ist völlig unklar, was sie der Ukraine überhaupt versprechen können. Und erst recht, wie europäische Verbündete solche Versprechen stützen könnten.
Somit kann ein Dialog über Sicherheitsgarantien schlicht nicht stattfinden, solange die Grönland-Krise nicht beigelegt ist oder zumindest bis zu dem Moment, in dem Trump die Insel erneut „vergisst“.
Was die Garantien für Wohlstand betrifft, ist ebenfalls unklar, warum man von „Milliarden an Investitionen“ sprechen sollte, wenn niemand erklären kann, wie die Sicherheitsgarantien für Investoren aussehen sollen. Es wird angenommen, dass genau über diese Milliarden Witkoff mit Putin sprechen wird.
Putin hat bereits mit Ironie vorgeschlagen, für den Wiederaufbau der vom Krieg betroffenen Gebiete eingefrorene russische Vermögenswerte zu verwenden. Dabei hat er jedoch nicht präzisiert, ob es sich um die besetzten Gebiete handelt oder um jene, die er gar nicht erobern konnte.
Selbst wenn Trump und Zelensky in Davos ein Investitionsabkommen unterzeichnet hätten, wäre das Papier mit den Unterschriften der Präsidenten vermutlich wertvoller gewesen als der Inhalt des Dokuments selbst.
Denn Krieg ist keine Show. Er ist Konkretheit. Er ist die Bereitschaft, auch Menschenleben zu riskieren. Und entweder wird man in Washington unter Trump dazu bereit sein – oder diese realen Entscheidungen werden bis zum Amtsantritt seines Nachfolgers aufgeschoben.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Иллюзия продолжения мирных переговоров. Колонка Виталия Портникова. 22.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.