Witkoff fliegt erneut zu Putin. Vitaly Portnikov. 15.01.2025.

Der Sonderbeauftragte des amerikanischen Präsidenten Steve Witkoff und Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner könnten demnächst die russische Hauptstadt besuchen, um sich mit Präsident Putin zu treffen.

Auf den ersten Blick könnte dies als Fortsetzung des Verhandlungsprozesses gelten, der vor einigen Monaten nach der Veröffentlichung des sogenannten Trump-Plans begann – der sich letztlich als ein Dokument herausstellte, das eben jenen Witkoff und Kushner vom Sondergesandten des russischen Präsidenten Kirill Dmitrijew vorgelegt worden war, offenbar in der Hoffnung, die Umsetzung neuer US-Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Lukoil und Rosneft zu verhindern.

Wie wir jedoch wissen, begann nach der Veröffentlichung dieses Plans nicht nur ein Verhandlungsprozess, sondern es wurden auch Sanktionen umgesetzt, was der Russischen Föderation offensichtlich das Interesse an echten Verhandlungen nahm, gleichzeitig aber die Notwendigkeit schuf, Konsultationen mit den amerikanischen Partnern fortzuführen, um Donald Trump von neuen scharfen Schritten gegen Russland abzuhalten.

In den letzten Wochen gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass der russische Präsident an einem realen Verhandlungsprozess interessiert wäre. Die sogenannten Friedensgespräche – wenn man die jüngsten Konsultationen überhaupt so nennen kann – finden zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine, zwischen der Ukraine und den europäischen Staaten sowie zwischen Amerikanern und Europäern statt. Es wirkt fast so, als würden wir nicht gegen die Russische Föderation Krieg führen, sondern mit den Vereinigten Staaten.

Schon für die kommende Woche erwartet man ein produktives Gespräch zwischen Präsident Volodymyr Zelensky und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos. Man hofft, dass Trump Sicherheitsgarantien für die Ukraine bestätigen oder sich zumindest auf ein Abkommen einlassen wird, das eine Beteiligung der Vereinigten Staaten am wirtschaftlichen Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg vorsieht.

Nur erklärt dabei niemand, wie Amerika Russland dazu zwingen will, den Krieg zu beenden, damit diese Garantien und wirtschaftlichen Angebote überhaupt greifen können. Und wie wollen die Vereinigten Staaten ein Abkommen mit Russland erreichen, das die Gültigkeit amerikanischer und europäischer Sicherheitsgarantien für die Ukraine anerkennt? Auf diese Fragen gibt es keine Antwort. Möglicherweise wollen Witkoff und Kushner genau diese Antwort von Präsident Putin erhalten.

Hier spielt auch Donald Trumps Haltung zur Außenpolitik eine Rolle. Er könnte glauben, dass neue US-Sanktionen gegen Russland, die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro – wodurch ernste Probleme in der weiteren Ölzusammenarbeit zwischen Russland und Venezuela entstanden – sowie die Bereitstellung europäischer Mittel für die Ukraine für die nächsten zwei Jahre Putin zu realistischeren Verhandlungen über ein Kriegsende bewegen könnten.

Meiner Meinung nach erwartet den Sondergesandten des amerikanischen Präsidenten und dessen Schwiegersohn jedoch eine weitere Enttäuschung. Putin ist bekanntermaßen kein großer Wirtschaftsexperte und wird neue US-Sanktionen kaum als Grund ansehen, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden.

Schon die Tatsache, dass über ein Friedensabkommen gesprochen wird und nicht über einen Waffenstillstand, zeigt den Wunsch Russlands, den Krieg fortzusetzen. Und dass es sich um einen echten Abnutzungskrieg handelt, erkennt heute jeder ukrainische Bürger an den Angriffen Russlands auf die Energieinfrastruktur.

Es wird immer deutlicher: Russland strebt nicht das Ende des Krieges an, sondern die Kapitulation der Ukraine und die Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit. Und Donald Trumps Vorschläge für eine produktive wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA interessieren Putin kaum – für ihn war die imperiale Eroberung von Territorien immer ein viel wichtigeres Ziel als wirtschaftlicher Wohlstand seines Landes.

Wenn Putin wirklich an wirtschaftlichem Wohlstand interessiert wäre, hätte er weder den Krieg gegen die Ukraine noch zuvor den Krieg gegen Georgien begonnen. Doch wirtschaftlicher Wohlstand ist das Letzte, was die Tschekisten interessiert. Geld – so glauben sie – müsse in den Krieg investiert werden, weil der Krieg ihrem autoritären Regime das Überleben sichert, es in einen echten Totalitarismus verwandelt und ihnen die Hoffnung gibt, eines Tages die ehemaligen Sowjetrepubliken zu bezwingen und die Aufgabe zu erfüllen, die sie sich schon in den 1990er-Jahren gestellt haben: die Rückkehr ihres Staates zu den Grenzen der Sowjetunion von 1991.

Dass diese Ideen in einem Zusammenbruch der russischen Wirtschaft und des tschekistischen Regimes selbst enden könnten, kümmert im Kreml niemanden. Tschekisten denken in der Regel nicht strategisch.

Doch allein die Tatsache, dass Witkoff und Kushner erneut nach Moskau kommen, bedeutet für Putin sehr viel. Erstens, dass seine Taktik der Verzögerung des Krieges gegen die Ukraine Wirkung zeigt und dass Trump bereit ist, mit ihm zu sprechen – trotz all der offensichtlichen Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung.

Zweitens, dass das Hinauszögern der Zeit Putin hilft, den Gegner zu erschöpfen, sodass er vielleicht eines Tages gar nicht mehr mit den Amerikanern verhandeln muss.

Drittens legitimiert jeder Besuch amerikanischer Vertreter in Russland Putin als Verhandlungspartner Trumps – umso mehr, als der amerikanische Präsident bei jeder Gelegenheit betont, wie gut seine Beziehungen zu Putin seien.

Natürlich gibt es keine guten Beziehungen. Putin verspottet Trump offen und verachtet ihn. Doch Trump sieht das entweder nicht oder will es nicht sehen, weil er nicht glauben kann, dass der russische Präsident ihm mit schlecht verborgenem Verachtung begegnet.

Der Besuch bedeutet also vor allem eines: die Verzögerung geht weiter. Entscheidend wird nicht sein, was bei diesem Treffen herauskommt, sondern ob die Vereinigten Staaten nach der nächsten Begegnung von Witkoff und Kushner mit Putin den Druck auf Russland erhöhen können, um seine wirtschaftlichen und militärischen Fähigkeiten zu schwächen.

Denn wir dürfen nicht vergessen: Putin versteht nicht die Sprache der Diplomatie, die ihn nie interessiert hat, sondern ausschließlich die Sprache der Macht und reale Bedrohungen für sein Regime. Wenn diese Bedrohungen für den tschekistischen Präsidenten spürbar werden, könnte er sich tatsächlich irgendwann mit einem Waffenstillstand befassen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Віткофф знову летить до Путіна| Віталій
Портников. 15.01.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Kommentar verfassen