Donald Trump ruft die Bürger der Vereinigten Staaten und der mit den USA verbündeten Länder dazu auf, das Gebiet des Iran zu verlassen, und sagt den iranischen Demonstranten, sie sollten durchhalten und sogar staatliche Institutionen besetzen. „Hilfe ist schon unterwegs“, sagt der amerikanische Präsident. Viele sind der Ansicht, dass diese Worte die Unvermeidlichkeit eines Schlages gegen das iranische Regime in den kommenden Tagen bedeuten.
Derzeit verstärken sich die Proteste im Iran mit jedem Tag, mit jeder Stunde. Es wird von schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und den iranischen Sicherheitskräften berichtet. Genaue Informationen gibt es nicht, da im Iran das Internet faktisch abgeschaltet ist. Einige Nachrichtenagenturen nennen jedoch die Zahl von bis zu 12.000 Demonstranten, die in ihrem Kampf gegen das Regime getötet worden sein sollen. Und trotz allem ebbt der Protest nicht ab.
Donald Trump hatte bereits zuvor versprochen, die Regierungsstrukturen des Iran anzugreifen, falls diese Demonstranten töten sollten. Jetzt hat er eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Ernsthaftigkeit dieser Absichten zu beweisen. Gleichzeitig ist unklar, welche Form eine Operation der Vereinigten Staaten gegen den Iran annehmen würde und zu welchen Folgen sie führen könnte.
Denn es ist offensichtlich, dass Trump – wie auch im Fall Venezuelas – nicht beabsichtigt, amerikanische Bodentruppen in einer Operation gegen das Regime der Ajatollahs einzusetzen. Es geht ausschließlich um Schläge aus der Distanz, also um Raketenangriffe auf die Islamische Republik mit dem Ziel, ihre Führung und Vertreter des höchsten Militärkommandos zu vernichten.
Allerdings wurden bereits während des zwölfwöchigen Krieges Israels gegen den Iran – an dem übrigens auch die Vereinigten Staaten beteiligt waren, indem sie Objekte der Islamischen Republik bombardierten, auf denen möglicherweise nukleares Material gelagert wurde – zahlreiche Vertreter des obersten militärischen Führungskreises des Iran getötet. Das führte jedoch nicht zum Sturz des Regimes, sondern lediglich zu einer Verschärfung der Repressionen gegen seine Gegner.
Jetzt versucht die Führung der Islamischen Republik, ihre Anhänger für den Kampf gegen die Demonstranten zu mobilisieren und provoziert damit faktisch einen Bürgerkrieg im Iran selbst. Wir haben in den Straßen von Teheran und anderen iranischen Städten bereits Tausende von Menschen gesehen, die bereit sind, das Regime zu verteidigen – ein Regime, das ein treuer Verbündeter der Volksrepublik China und der Russischen Föderation ist. Daher ist es noch zu früh, anzunehmen, dass Raketenangriffe der Vereinigten Staaten gegen den Iran tatsächlich zum Zusammenbruch des Regimes der Islamischen Republik führen werden.
Wozu sie jedoch führen könnten, ist eine Destabilisierung des Öl- und Energiemarktes. In dieser Hinsicht entspricht eine amerikanische Operation den Interessen eines anderen Akteurs dieses Spiels und zugleich eines Verbündeten des Iran – Putin. Denn ein Anstieg der Ölpreise würde dem russischen Präsidenten helfen, die Ressourcen zu erhöhen, die er zur Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges und zur Stabilisierung des russischen Staatshaushalts benötigt, der unter den jüngsten Energiesanktionen des amerikanischen Präsidenten und dem deutlichen Rückgang der Ölpreise leidet.
In dieser Situation lassen sich natürlich auch die Sorgen der Länder am Persischen Golf verstehen. Wie berichtet wird, haben die Führer einiger dieser Staaten den Präsidenten der Vereinigten Staaten bereits gewarnt, dass ein Schlag gegen den Iran die Lage destabilisieren und sich auch auf die amerikanische Wirtschaft auswirken könnte. Und der Zustand der amerikanischen Wirtschaft ist für Donald Trump vor den Kongresswahlen im November dieses Jahres tatsächlich ein äußerst ernstes Problem.
Denn sollte die Regierung in diese Wahlen mit einer deutlichen Verschlechterung des Lebensstandards der Amerikaner gehen, kann Trump sicher sein, dass die Republikaner die Wahlen zum Repräsentantenhaus verlieren und womöglich sogar den Senat einbüßen werden. Und dann müsste Donald Trump sich bereits 2027 vom Oval Office verabschieden – möglicherweise unter skandalösen, krisenhaften Umständen.
Somit kann jeder außenpolitische Fehler für Donald Trump schwerwiegende innenpolitische Konsequenzen haben. Und genau deshalb wählt der amerikanische Präsident derzeit zwischen mehreren schwierigen Optionen einer Einmischung in die iranischen Ereignisse.
Natürlich würde er gern die Demonstranten unterstützen und der Existenz eines der grausamsten autoritären Regime der heutigen Welt ein Ende setzen. Gleichzeitig kann er es sich jedoch nicht leisten, eine Destabilisierung des Ölmarktes und eine Verschlechterung der Lage der amerikanischen Wirtschaft zu riskieren – zu einem Zeitpunkt, da die große Mehrheit der Amerikaner seine außenpolitische Linie, zumindest im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg, nicht unterstützt und an der Wirksamkeit seiner innenpolitischen Erfolge zweifelt.
Was in den kommenden Tagen geschehen wird, lässt sich natürlich schwer vorhersagen. Doch eines kann man sagen: So wie in Venezuela wird es im Iran nicht laufen – schon allein deshalb, weil es sich um ein ideologisiertes Regime handelt, das nicht an eine einzelne Person gebunden ist. Und auch in Venezuela, wie wir sehen, hat das von Hugo Chávez geschaffene Regime das Verschwinden von Nicolás Maduro und seiner Frau überlebt.
Selbst wenn man sich vorstellt, dass ein Teil der Führer der Islamischen Republik bei Raketenangriffen ums Leben kommt – selbst wenn darunter der greise Ajatollah Chamenei wäre –, bedeutet das nicht, dass die Teilnehmer und Veteranen der Islamischen Revolution von 1979 sowie ihre Nachkommen freiwillig die Macht an ihre Gegner abgeben würden. Erstens, weil sie die Folgen des Zusammenbruchs ihres grausamen und repressiven Regimes sehr wohl kennen, und zweitens, weil sie möglicherweise noch über genügend Kräfte verfügen, um ihre Feinde zu beseitigen und das Regime auch nach amerikanischen Angriffen zu erhalten.
Und das Wichtigste: Der Iran verfügt noch über einen ausreichenden Bestand an ballistischen Raketen, um auf einen Schlag gegen seine Führung zu reagieren. Selbst wenn ein solcher Gegenschlag das Territorium Israels oder benachbarter Länder treffen sollte, die den Vereinigten Staaten eine solche Operation ermöglichen, würde dies die regionale Stabilität nur weiter verschlechtern und Donald Trump in einen weitaus ernsteren und längeren Krieg hineinziehen, als es die kurze Spezialoperation wäre, auf die der amerikanische Präsident heute noch hofft.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп готується вдарити по Ірану | Віталій Портников. 14.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.