Die Nationale Sicherheitsagentur und die Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten haben laut der Zeitung Wall Street Journal keinerlei Bestätigung für die russischen Behauptungen gefunden, wonach ukrainische Drohnen die Residenz des russischen Präsidenten Putin in Waldai angegriffen hätten. Amerikanische Beamte, die mit den Journalisten dieser Zeitung gesprochen haben, betonten, dass die Ukraine ein anderes Ziel angegriffen habe, das sich Dutzende Kilometer von Putins Residenz entfernt befand, und dass dem russischen Staatschef somit keinerlei Gefahr gedroht habe.
Zuvor hatte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, in seinem sozialen Netzwerk einen Leitartikel der Zeitung New York Post weiterverbreitet, in dem behauptet wird, dass gerade Putin heute den Weg zur Beendigung des Krieges in der Ukraine versperrt. In einem scharf formulierten Leitartikel betont das Blatt, dass gerade der russische Diktator den amerikanischen Präsidenten Donald Trump daran hindere, Frieden in der Ukraine zu erreichen. Zugleich erinnert es daran, dass die Ukraine ihren Teil der Arbeit getan habe. Die New York Post widerlegt außerdem Putins Behauptungen über einen angeblichen Angriff ukrainischer Drohnen auf seine Residenz und ruft dazu auf, den Krokodilstränen des russischen Staatschefs keinen Glauben zu schenken.
So ist nach der emotionalen Reaktion des amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf die Meldung über einen angeblichen Angriff auf Putins Residenz – über den Putin selbst Trump in ihrem letzten Telefongespräch informiert hatte – nun der Moment der Wahrheit gekommen. Als Fachleute begannen, die Informationen des russischen Präsidenten zu überprüfen, wurde völlig offensichtlich, dass Putin blufft.
Mehr noch: Der russische Präsident war so wenig daran interessiert, seiner Geschichte Glaubwürdigkeit zu verleihen, dass er nicht einmal den Versuch unternahm, wenigstens einen Angriff eigener Drohnen auf seine Residenz zu inszenieren, um zu zeigen, dass der Vorfall tatsächlich stattgefunden habe.
Als Adolf Hitler in einer ähnlichen Situation Polen beschuldigte, den deutschen Radiosender Gleiwitz angegriffen zu haben – was den formalen Vorwand für den Beginn des Zweiten Weltkriegs lieferte –, verkleidete er seine eigenen SS-Leute in polnische Uniformen, damit die vom Reich organisierte Provokation glaubwürdig wirkte. Putin, wie man aus vielen seiner Äußerungen schließen kann, hält sich für einen treuen Schüler Hitlers – doch er ist ein Hitler in der Billigversion, der sich nicht einmal die Mühe macht, Provokationen so zu inszenieren, dass sich die von ihm in seinem Telefongespräch mit seinem amerikanischen Kollegen vorgebrachten „Fakten“ irgendwie belegen ließen.
Warum tat Putin das? Meiner Ansicht nach, um Zeit in den Friedensverhandlungen zu gewinnen. Der russische Präsident war extrem verärgert darüber, dass Donald Trump mit Volodymyr Zelensky und den Staats- und Regierungschefs Europas über einen Friedensplan verhandelt und beabsichtigt, diese Vereinbarungen mit dem ukrainischen Präsidenten und den europäischen Spitzenpolitikern als gemeinsame Vorschläge der Vereinigten Staaten, der europäischen Länder und der Ukraine zu präsentieren.
In Putins Vorstellung muss das alles ganz anders laufen, und sein Berater Juri Uschakow macht daraus keinen Hehl. Die Russen wollen ausschließlich mit den Amerikanern verhandeln und mit ihnen darüber entscheiden, wie die Landkarte Europas und das Schicksal der Ukraine aussehen sollen. Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, soll diese Entscheidungen, die von Trump und Putin getroffen werden, lediglich zur Kenntnis nehmen und ihnen per Definition zustimmen. Die Ukraine soll überhaupt kein Teilnehmer der Diskussion über ihr eigenes Schicksal sein.
Da der amerikanische Präsident einer so dreisten Position der russischen Führung, die Putin hilft, in den Verhandlungen mit Trump zu bluffen, nicht zustimmen kann, fand man im Kreml einen Weg, den Verhandlungsprozess zu verzögern, indem man die Ukraine beschuldigte, Putins Residenz angegriffen zu haben.
Erstens erlaubte es Putin, die Mitteilungen Trumps über seine Vereinbarungen mit Zelensky zu ignorieren und dem amerikanischen Präsidenten klarzumachen, dass nach einem solchen Angriff all diese Absprachen angeblich hinfällig seien und Russland nun eine andere Verhandlungsposition einnehmen könne – deren Inhalt der Kreml nicht offenlegt, weil die Russische Föderation ohnehin nie zu echten Verhandlungen über ein Ende des Krieges geneigt war.
Zweitens erhielt Putin die Möglichkeit, erneut kategorisch zu betonen, dass er nicht mit dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, in Kontakt treten werde. Möglicherweise fürchtete er, dass bei den Gesprächen zwischen Trump und Zelensky auch eine dreiseitige Begegnung mit dem russischen Präsidenten zur Sprache gekommen sein könnte. Für Putin aber würde ein Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine als gleichberechtigtem Verhandlungspartner die Anerkennung der Legitimität des ukrainischen Staates bedeuten – etwas, das nicht zu seinen Plänen der Zerschlagung der ukrainischen Staatlichkeit gehört.
Mit seiner Geschichte über angebliche Angriffe auf seine Residenz versuchte Putin also, Trump von einem anderen Verhandlungsformat zu überzeugen: eines, in dem die Amerikaner ausschließlich mit den Russen sprechen und in dem die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland unabhängig davon bestehen, wie viele Jahre der Krieg gegen die Ukraine noch dauern wird. Doch außer der ersten emotionalen Reaktion des amerikanischen Präsidenten erreichte Putin keinerlei wirkliche Erfolge.
Als sich Fachleute der Sache annahmen, stellte sich schnell heraus, dass der russische Präsident erneut gelogen hatte – wie schon so oft in seiner beschämenden und talentlosen politischen Karriere. Die Lüge ist das Fundament der politischen Kultur der russischen Geheimdienste und all jener, die sie in der Russischen Föderation unterstützen – ein wahres Reich der Täuschung.
Nun kann die amerikanische Regierung härter auf die weiteren Schritte Moskaus in Bezug auf den Friedensplan reagieren. Wichtiger ist es jedoch, darüber nachzudenken, wie sich der Druck auf die Russische Föderation in den kommenden Monaten entwickeln wird, wenn endgültig klar wird, wie sehr Putin nicht will, dass auf ukrainischem Boden die Kanonen und Raketen schweigen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: ЦРУ викрило брехню Путіна | Віталій Портников. 01.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.