Zelensky fliegt zu Trump | Vitaly Portnikov. 26.12.2025.

Volodymyr Zelensky könnte Donald Trump bereits am 28. Dezember treffen, sofern sich die Verhandlungen zwischen den amerikanischen und ukrainischen Delegationen über die endgültige Abstimmung des sogenannten Trump-Friedensplans planmäßig entwickeln.

Die Tatsache, dass die amerikanische Führung dem Prozess der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges große Aufmerksamkeit widmet, zeigte sich an den Gesprächen zwischen Volodymyr Zelensky einerseits und den Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und Jared Kushner andererseits.

Diese Gespräche fanden buchstäblich in der Weihnachtsnacht statt, was für die amerikanische Politik absolut beispiellos ist. Nach Volodymyr Zelensky setzte auch der Sekretär des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung, Rustem Umerov, die Gespräche mit den amerikanischen Vertretern fort.

Obwohl es keine konkreten Angaben zu diesen Gesprächen gibt, kann man davon ausgehen, dass die amerikanischen und ukrainischen Vertreter vor allem über die schwierigsten Punkte des Trump-Friedensplans sprechen, die bislang vor allem zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine nicht abgestimmt sind. Dabei geht es um die Formulierung der sogenannten territorialen Frage.

Wir wissen, dass die Ukraine, die Vereinigten Staaten und – offensichtlich – auch Russland hierzu unterschiedliche Ansätze haben. Ebenso kann es um die sogenannten Sicherheitsgarantien für die Ukraine gehen, denn sowohl in Kyiv als auch in Washington bestehen unterschiedliche Auffassungen darüber, was tatsächlich in einem Friedensabkommen festgeschrieben werden soll und ob dieses Abkommen rechtlich bindend sein wird – vor allem für die Vereinigten Staaten.

Natürlich bleibt noch ein weiteres schwieriges Thema: die Frage des Kernkraftwerks Saporischschja, also wer dieses Atomkraftwerk kontrollieren wird und wie die Energie im Rahmen der Vereinbarungen verteilt werden soll, die den russisch-ukrainischen Krieg beenden sollen.

Auch in Moskau werden diese Friedensverhandlungen mit offensichtlichem Interesse verfolgt. Journalisten berichten, dass Wladimir Putin während seines traditionellen Treffens mit russischen Unternehmern vom Russischen Verband der Industriellen und Unternehmer den größten Teil der Gespräche gerade der Beilegung des Krieges und der Frage gewidmet habe, wie das Kernkraftwerk Saporischschja kontrolliert werden soll. Aus Sicht des russischen Präsidenten geht es dabei allerdings ausschließlich um eine gemeinsame amerikanisch-russische Kontrolle ohne Berücksichtigung der ukrainischen Rolle.

Doch die Tatsache, dass Putin mit den Unternehmern ebenfalls über Verhandlungen zur Beendigung des Krieges spricht, deutet weniger auf seine eigenen Wünsche hin als darauf, dass er erkennt, dass ein Kriegsende eine reale Forderung der russischen Oligarchen ist, die in vier Jahren des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine bereits viel verloren haben und noch mehr verlieren könnten.

Doch es stellt sich stets eine entscheidende Frage. Nehmen wir an, Trump und Zelensky hätten tatsächlich die schwierigsten Punkte des sogenannten Friedensplans abgestimmt. In welchem Maße hat der amerikanische Präsident die Möglichkeit, Putin so zu beeinflussen, dass er den mit Zelensky bereits vereinbarten Vorschlägen zustimmt? Oder wird Putin eigene Vorschläge unterbreiten, die den gesamten Verhandlungsprozess sprengen können, während Trump versuchen wird, diese Vorschläge in die weiteren Gespräche mit Zelensky zu integrieren? Oder wird es einen endlosen Prozess von Delegationsverhandlungen geben, bei dem die Vereinigten Staaten vor allem als Vermittler auftreten?

Dies ist in Wirklichkeit eine der zentralen Fragen dieses Friedensprozesses: Inwieweit können wir von einem echten Willen zu einer Friedenslösung sprechen? Und inwieweit beobachten wir derzeit ein Hinauszögern durch den russischen Präsidenten? Wie lange kann dieser Prozess der Verzögerung durch Wladimir Putin andauern, und in welchem Maße wird Donald Trump bereit sein, ein solches Hinauszögern zu akzeptieren?

Wird das Ergebnis der derzeit laufenden Verhandlungen die Bereitschaft der Vereinigten Staaten sein, schärfere Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhängen? Oder wird Trump im Gegenteil der Ansicht sein, dass jeder neue Druck auf Putin nur die Wahrscheinlichkeit einer Einigung verringert – so wie es in diesen Tagen der Fall war, als im Wesentlichen gerade der amerikanische Druck und der Druck derjenigen, die Amerika in Europa unterstützen, die Europäer dazu zwang, von der Idee abzurücken, die eingefrorenen russischen Vermögenswerte zugunsten der Ukraine zu konfiszieren, wie es noch vor dem Gipfel der Europäischen Union vorgesehen war.

Es schien, als seien alle notwendigen Schritte unternommen worden, damit eine solche Entscheidung mit qualifizierter Mehrheit verabschiedet werden konnte. Doch das geschah nicht – genau deshalb, weil man in Washington der Ansicht war, dass eine solche Entscheidung den Trump-Friedensplan torpedieren könnte.

So können aus Sicht der amerikanischen Administration sämtliche Elemente neuen Drucks ihren Friedensplan gefährden. In dieser Situation kann Putin daran interessiert sein, die Friedensverhandlungen so lange fortzusetzen, wie es nötig ist, um neue Sanktionen zu verhindern – genau wie es im Kreml vorhergesehen wurde, als man seinen eigenen Entwurf eines Friedensplans vorschlug.

Und dennoch zeigt trotz aller Befürchtungen, dass es sich nur um ein Hinauszögern handeln könnte, allein die Tatsache, dass die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine unmittelbar vor den Neujahrsfeiertagen zusammentreffen – also in einer Ruhe- und Ferienzeit in den USA –, wie groß das Interesse Donald Trumps ist, möglichst schnell ein reales Ergebnis der Verhandlungen zu erzielen.

Wie der Präsident der Vereinigten Staaten selbst sagte, könnte er ruhig Weihnachten feiern, doch dafür habe er keine Zeit, weil er sich mit dem russisch-ukrainischen Krieg befassen müsse – wie er es formulierte: mit Russland, der Ukraine und China. Übrigens eine treffende Formulierung, wenn man die Rolle Pekings in diesem Konflikt berücksichtigt.

Das bedeutet, dass derjenige, der Donald Trump daran hindert, tatsächlich zu einer schnellen Lösung zu gelangen, bei ihm – milde gesagt – eine negative Reaktion hervorrufen wird. Und es liegt im Interesse der Ukraine, dass genau das Land, das diese negative Reaktion auslöst und unter neuen starken Druck der Vereinigten Staaten gerät, die Russische Föderation ist. 


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський летить до Трампа | Віталій Портников. 26.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 26.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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