Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump betrachtet seine Kontakte mit seinem belarussischen Amtskollegen Alexander Lukaschenko als Teil einer breiteren Strategie, die darauf abzielt, die Beziehungen zum Kreml zu verbessern und eine Überwindung der internationalen Isolation Russlands zu ermöglichen.
Einfach gesagt prüfen amerikanische Beamte, wie Lukaschenko auf die Möglichkeit einer Aufhebung der Sanktionen gegen Belarus reagiert und zu welchen Zugeständnissen der belarussische Diktator im Austausch für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in seinem eigenen Land bereit ist.
Das Wall Street Journal berichtet, dass Trump seinen langjährigen Vertrauten John Coyle mit der Aufgabe betraut hat, Alexander Lukaschenko zu umwerben. Coyle führte mit dem belarussischen Diktator stundenlange Gespräche, bei denen es keineswegs nur um die Lockerung der Sanktionen gegen führende belarussische Unternehmen und die Freilassung politischer Gefangener aus Lukaschenkos Gefängnissen ging, sondern auch um Themen, die Lukaschenko noch weit mehr interessierten.
So versuchte John Coyle beispielsweise, den belarussischen Präsidenten mit einem Schlankheitspräparat zu verführen, das er selbst verwendete und für das Lukaschenko Interesse zeigte. Mehr noch: Coyle versuchte, eine Lieferung dieses Präparats nach Belarus zu organisieren.
Wie bekannt ist, ist Lukaschenko in den letzten Jahren sehr besorgt sowohl um sein äußeres Erscheinungsbild als auch um seinen Gesundheitszustand. Und es stellt sich heraus, dass weder die Medizin des Kremls noch die belarussische Medizin dem alternden Diktator helfen können, seine Gesundheit und damit seine ungeteilte Macht über die Belarussen zu bewahren. Deshalb muss er sich an den „verfluchten Westen“ wenden – was allerdings schon immer eines der Hauptwünsche autoritärer Machthaber war und sie ideologisch nie davon abgehalten hat, wenn es um die Verlängerung ihres eigenen Lebens und den Erhalt ihrer Gesundheit ging.
So wurde das Schlankheitspräparat zu einem der wichtigsten Argumente im Dialog zwischen Coyle und Lukaschenko. Und keinerlei moralische Erwägungen über die Art und Weise, wie Lukaschenko seit Jahrzehnten sein Land regiert, hielten den Vertrauten Donald Trumps davon ab. Er antwortete, dass es völlig egal sei, mit wem man spreche, solange dieser Mensch einem das geben könne, was man anstrebt.
Dasselbe Rezept wendet die Regierung Donald Trumps offenbar an, wenn es um eine Person geht, die beim amerikanischen Präsidenten weit mehr Bewunderung hervorruft als Alexander Lukaschenko – um Wladimir Putin. Und man kann davon ausgehen, dass das Schema, das Trump im Umgang mit dem belarussischen Diktator verwendet – wirtschaftliche Versprechungen zur Erzielung politischer Ergebnisse –, von ihm durchaus als ideal für den Dialog mit dem Kreml angesehen wird.
Zumal Freunde und enge Verwandte Donald Trumps in der Zusammenarbeit mit der Regierung des russischen Präsidenten weitaus mehr Geld verdienen können als in der Zusammenarbeit mit der Regierung des Präsidenten von Belarus.
Nun ja, die Dimensionen sind andere. Viele glaubten, Trump habe ein besonderes Verhältnis zu Lukaschenko aufgebaut, um dessen Abhängigkeit von seinem russischen Kollegen zu verändern und so den Einfluss Russlands im postsowjetischen Raum zu verringern. Doch offenbar ist genau das nicht das, was den amerikanischen Präsidenten interessiert.
Wenn es um Belarus geht, kann Belarus von der Trump-Regierung nicht nur als Testgelände betrachtet werden, das zeigen soll, wie Beziehungen zu Wladimir Putin aufgebaut werden und welche Versuchungen Donald Trump dem russischen Präsidenten anbieten wird, sondern vielmehr als eine Art Fenster zum Aufbau besonderer Beziehungen zur Russischen Föderation, falls Putin auf keine der Versuchungen Trumps eingeht, der Wunsch nach für die Trump-Regierung, seine Familie und seine Verwandten vorteilhaften Beziehungen aber bestehen bleibt.
In diesem Fall könnte Belarus, dessen Führung eigene Beziehungen zu den Vereinigten Staaten aufbaut, nicht mehr als Testgelände, sondern als russisches Fenster nach Amerika genutzt werden. Und unter Vermittlung des belarussischen Präsidenten könnten zumindest Pilotprojekte wirtschaftlicher Art umgesetzt werden, die für das Umfeld Donald Trumps und das Umfeld Wladimir Putins von Bedeutung sind.
Dabei würde der Sanktionsdruck auf Russland formal bestehen bleiben, und niemand könnte Trump vorwerfen, dass sein Land internationale Verpflichtungen verletzt oder Russland bei seinem Eroberungskrieg gegen die Ukraine unterstützt.
Schließlich kann auch die Unterstützung des belarussischen Regimes, von dessen Territorium aus 2022 der Angriff auf die Ukraine erfolgte, als Teil einer solchen Unterstützung betrachtet werden. Doch wir können erneut auf das Zitat von John Coyle zurückkommen, der überzeugt ist, dass es keinerlei Rolle spielt, mit wem man spricht, solange diese Person einem das geben kann, was man will.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum Donald Trump dann so ernste persönliche Vorwürfe gegen den Präsidenten Venezuelas, Nicolás Maduro, erhebt, der seine Macht in Venezuela nach demselben Prinzip wie Alexander Lukaschenko erhält und ein Diktator nahezu desselben Typs ist. Vielleicht liegt der Grund überhaupt nicht darin, dass Trump über die venezolanische Demokratie nachdenkt oder sich auch nur eine Minute am Tag für das Schicksal des venezolanischen Volkes interessiert. Vielleicht liegt der Grund darin, dass Nicolás Maduro zumindest bislang Donald Trump und seinem Umfeld nicht geben kann, was diese Menschen tatsächlich wollen.
Für Nicolás Maduro setzt sich übrigens Alexander Lukaschenko selbst ein, der bereit ist zu garantieren, dass der venezolanische Präsident kein Drogenabhängiger ist. Doch wir sehen, dass in diesem Fall die Meinung Alexander Lukaschenkos Donald Trump überhaupt nicht interessiert. Und der venezolanische Präsident kann kaum auf Wohlwollen des amerikanischen Präsidenten hoffen, selbst dann nicht, wenn er nach irgendeiner Form der Annäherung an Trump und seine Regierung suchen sollte.
Wenn wir also diese so unterschiedlichen Haltungen Washingtons gegenüber Minsk und Caracas beobachten, können wir zumindest für uns selbst klar feststellen, dass es hier überhaupt nicht um Werte oder um den Schutz der Demokratie geht, sondern um Interessen, die Maduro offensichtlich nicht bedienen will – oder vielleicht auch nicht mehr bedienen kann, angesichts des Zustands, in den er die venezolanische Wirtschaft gebracht hat.
Und Lukaschenko – selbst wenn er es vielleicht nicht wirklich kann – will es offensichtlich, und vor allem ist er in der Lage, diesen Willen der Trump-Regierung zu demonstrieren und jene für die Fortsetzung der Zusammenarbeit notwendige Illusion zu schaffen, die in den Beziehungen mit der heutigen Regierung immer diejenigen steuert, die ihr Bilder einer angeblichen Zusammenarbeit vorlegen können.
Und natürlich wird in diesem Fall für Alexander Lukaschenko das beste Beispiel dafür, wie man Geschäfte macht, nicht Nicolás Maduro, sondern sein langjähriger Kumpel Wladimir Putin.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп искушает Лукашенко | Виталий Портников. 24.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.