Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen rief in einer Ansprache an die Nation ihre Mitbürger dazu auf, sich auf neue hybride Angriffe vorzubereiten – Angriffe nach dem Muster derjenigen, die bereits in den letzten Tagen stattgefunden haben und zur Schließung des Luftraums über den Flughäfen von Kopenhagen, Aalborg und anderen dänischen Städten führten.
Mette Frederiksen betonte, dass wir uns am Beginn eines hybriden Krieges gegen Europa befinden und dass es auf dem Kontinent mindestens ein Land gibt, das an diesem Krieg und einer weiteren Destabilisierung interessiert ist – die Russische Föderation.
Es sei allerdings hervorzuheben, dass die dänischen Behörden Russland bislang nicht direkt beschuldigen, für die Angriffe auf den Luftraum des Landes verantwortlich zu sein. Als der Verteidigungsminister Lettlands erklärte, dass man in Kopenhagen von der Beteiligung eines „staatlichen Akteurs“ an diesen Angriffen spreche – ohne Russland namentlich zu nennen – beeilten sich die dänischen Behörden, diese Aussage zu dementieren.
Trotzdem bestehen keinerlei Zweifel daran, dass Russland höchstwahrscheinlich hinter den Angriffen auf den dänischen Luftraum steckt, wenn man sie im Kontext anderer Ereignisse der letzten Wochen betrachtet:
• Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum,
• Eindringen russischer Kampfflugzeuge in den Luftraum Estlands,
• Eindringen russischer Drohnen in den rumänischen Luftraum,
• Cyberangriffe auf die größten Flughäfen Europas,
• Auftauchen russischer Kampfflugzeuge in unmittelbarer Nähe des US-Luftraums bei Alaska – dort, wo kürzlich ein Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin stattfand,
• Auftauchen russischer Drohnen nicht nur in Dänemark, sondern auch im Luftraum Norwegens.
Und heute Morgen meldete die schwedische Polizei die Entdeckung einer Drohne im Luftraum des Landes nahe der Stadt Karlskrona, also unmittelbar an der Grenze zum dänischen Luftraum.
Das dänische Verteidigungsministerium erklärte unterdessen, dass man bereits Fotos der Drohnen und Informationen besitze, die Rückschlüsse auf deren Herkunft und den Zweck ihres Einsatzes zulassen. Dabei sei offensichtlich, dass der Start der Drohnen, deren Ziel es ist, den Luftverkehr in Dänemark zu paralysieren und die Bevölkerung zu verängstigen, von dänischem oder von benachbartem Territorium aus erfolgt sein könnte.
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Ziele der hybriden Kriegführung (wenn Russland als Urheber angenommen wird):
1️⃣ Einschüchterung der Bevölkerung europäischer Staaten und deren Überzeugung, dass die weitere Unterstützung der Ukraine gefährlich sei.
➡️ Dieses Ziel hätte bereits weitreichende Konsequenzen für den russischen Staat.
2️⃣ Reduzierung der militärischen Hilfe für die Ukraine.
➡️ In europäischen Hauptstädten könnte argumentiert werden, dass man eigene Verteidigungsbudgets erhöhen und Waffen für sich selbst horten müsse.
➡️ Geld, das derzeit für US-Waffen für die Ukraine ausgegeben wird, könne stattdessen zur Aufrüstung der eigenen Arsenale verwendet werden – besonders im Bereich der Luftverteidigungssysteme, die aus Sicht vieler Europäer für ihre Länder wichtiger seien als für die Ukraine.
3️⃣ Stärkung der Umfragewerte ultrarechter und ultralinker Parteien, die seit Langem enge Beziehungen zum Kreml pflegen.
➡️ Putin hat bereits erhebliche finanzielle und politische Ressourcen in diese Bewegungen investiert.
➡️ Beispiel: Der Anstieg der Stimmenanteile europäischer Rechtsextremer während der Migrationskrise aus Syrien.
➡️ Eine hybride russische Offensive könnte ähnliche Effekte haben und zusätzlich die Ablehnung von Flüchtlingen aus der Ukraine verstärken – was ebenfalls Putins Interessen dient.
Hinzu kommt: Heute können europäische Rechtsextreme gleichzeitig Unterstützung aus Moskau und aus Washington erhalten. Dies könnte ihren Weg an die Macht erleichtern und zu einem „wohlwollenden Dialog“ mit dem russischen Präsidenten führen – bis hin zu einer Reduzierung der Ukraine-Unterstützung während des andauernden Krieges.
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Zudem provoziert eine hybride Offensive Krisen innerhalb Europas selbst, denn schon bei der Frage, wie man auf russische Angriffe reagieren soll, sind sich die Europäer uneins.
• Einige Politiker fordern eine entschlossene Reaktion – etwa durch den Abschuss russischer Drohnen und Raketen über dem eigenen oder sogar über dem ukrainischen Luftraum.
• Andere warnen vor überhasteten Entscheidungen und davor, Moskau zu „provozieren“. Der Abschuss russischer Flugkörper über NATO-Gebiet könnte Russland einen Vorwand für einen Gegenschlag liefern und eine große Eskalation bis hin zu einem großen Krieg herbeiführen.
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Schon allein der hybride Krieg ist ein direkter Weg zur Destabilisierung in Staaten, die Russland feindlich gesinnt sind. Und es ist offensichtlich, dass genau diese Länder gemeint sind.
Dass Dänemark eines der ersten Ziele russischer Aktivitäten ist, überrascht nicht – die dänische Regierung hat sich konsequent und offen für die Ukraine eingesetzt.
Darüber hinaus kauft Dänemark derzeit offensive Waffen in den USA für die Ukraine, um deren Verteidigung gegen die russische Aggression zu unterstützen. Diese Waffenlieferungen liegen nicht im Interesse Wladimir Putins, und so könnte der Kreml versuchen, Kopenhagen für sein Engagement zu „bestrafen“.
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Technologische Wende:
Russland ist heute in der Lage, eine völlig neue Form des hybriden Krieges zu führen, die sich deutlich von früheren hybriden Operationen auf dem europäischen Kontinent unterscheidet:
• Drohnen können von russischem Territorium aus gestartet und über den ukrainischen Luftraum in Nachbarländer gelenkt werden – Moskau kann behaupten, es habe damit „nichts zu tun“.
• Man kann auch Drohnen von europäischem Boden starten – so wie es etwa bei der ukrainischen Operation „Spinnennetz“ gegen die russischen Luftstreitkräfte geschah – und trotzdem jede Beteiligung an Angriffen auf europäische Infrastruktur leugnen.
Noch wirken die russischen Drohnenflüge eher wie „Provokationen“ oder „Hooligan-Aktionen“, doch der Moment wird kommen, in dem solche Grenzverletzungen echte Konsequenzen haben: mit Zerstörung kritischer Infrastruktur und Todesopfern.
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Fazit: Früher oder später wird Europa anerkennen müssen, dass hybrider Krieg immer noch Krieg ist.