Matwijenko schleppt sich in die Schweiz. Vitaly Portnikov. 29.07.2025.

Die Vorsitzende des Föderationsrats der Föderalen Versammlung Russlands, Walentina Matwijenko, ist in die Schweiz gereist, um an einer Reihe von Veranstaltungen teilzunehmen, die von der Interparlamentarischen Union organisiert werden.

Matwijenko hat bereits auf der Konferenz der Parlamentspräsidentinnen gesprochen – mit einer Rede, die auf zynische Weise die russische Aggression rechtfertigte. In ihrer Ansprache erklärte die Vorsitzende des Föderationsrats, Russland sei gezwungen gewesen, in die Ukraine einzumarschieren, um das Blutvergießen zu stoppen. Diese Worte fielen vor dem Hintergrund neuer terroristischer Angriffe der Russischen Föderation gegen die ukrainische Zivilbevölkerung.

Doch genau solche Aussagen von Matwijenko waren zu erwarten. Die Frage ist nicht, was sie in der Schweiz sagt – sondern dass sie überhaupt eingeladen und in ein Land reingelassen wurde, das sich bekanntermaßen den Sanktionen der zivilisierten Welt gegen das verbrecherische russische Regime angeschlossen hat.

Die Sanktionen gegen Matwijenko selbst, ebenso wie gegen eine große Delegation von Abgeordneten des Föderationsrats und der russischen Staatsduma, die gemeinsam mit ihr in die Schweiz reisten, wurden vorübergehend aufgehoben. In Bern verweist man darauf, dass dies etwa schon 2016 so gehandhabt wurde, als Matwijenko – die bereits nach der Annexion der Krim auf der Sanktionsliste stand – ebenfalls die Schweiz besuchen durfte.

Man muss jedoch daran erinnern, dass das russische Regime im Jahr 2016 noch nicht so toxisch war wie heute. Damals kompromittierte schon ein Händedruck mit einem Vertreter dieses Regimes nicht automatisch jeden Politiker oder Diplomaten, der sich auf ein Gespräch mit jemandem wie Matwijenko einließ – oder sie sogar auf seinem Staatsgebiet empfing.

Doch heute steht neben Matwijenko eine ganze Reihe von Propagandisten der russischen Kriegsaggression, echte Kriegsverbrecher und notorische Lügner – zum Beispiel der skandalöse Abgeordnete Pjotr Tolstoi.

Und Matwijenko selbst hat in den vergangenen Jahren maßgeblich bei der Verabschiedung menschenverachtender Entscheidungen Regie geführt, die das juristische Fundament des Krieges bildeten: etwa durch Abstimmungen, die – entgegen der russischen Verfassung – Präsident Putin die Entsendung von Truppen in die Ukraine sowohl 2014 als auch 2022 ermöglichten.

Deshalb ist die Frage nach der moralischen Legitimität der Teilnahme Matwijenkos an internationalen Veranstaltungen in der Schweiz nicht mehr offen – sie beantwortet sich von selbst: Einer Kriegsverbrecherin hätte die Einreise in ein zivilisiertes Land nicht erlaubt werden dürfen.

Die schweizerischen Medien hatten schon Wochen vor der Konferenz darauf hingewiesen, dass dies das erste Mal sein werde, dass Vertreter der russischen und ukrainischen Parlamente sich auf Schweizer Boden begegnen könnten.

Es wurde mit dem ukrainischen Parlamentspräsidenten gerechnet – doch nun wird die Ukraine durch die Vizepräsidentin des ukrainischen Parlaments, Olena Kondratiuk, vertreten. Sie wird sich mit der unangenehmen Situation konfrontiert sehen, gemeinsam mit Matwijenko nicht nur im gleichen politischen Rahmen, sondern sogar im gleichen Raum anwesend zu sein – während Matwijenko voraussichtlich erneut all ihre Lügen über die russische Aggression in der Sitzung der Interparlamentarischen Union wiederholen wird.

Meiner Meinung nach reicht es nicht aus, einfach Matwijenkos Reden zu boykottieren oder den Saal bei ihren Auftritten zu verlassen. Auch das bloße Widersprechen russischer Propaganda ist unzureichend, zumal Delegierte aus vielen Ländern gezwungen sein werden, sich damit auseinanderzusetzen.

Was hier gefragt ist, ist politische Hygiene. Es ist von entscheidender Bedeutung, alles zu tun, um zu verhindern, dass Vertreter des russischen Regimes von Sanktionen ausgenommen werden. Wir haben bereits gesehen, wohin die Missachtung diplomatischer Isolation Russlands führt.

Unmittelbar nachdem der US-Präsident Donald Trump damit begonnen hatte, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sprechen, stiegen die russischen Angriffe auf die Ukraine sprunghaft an.

Putin verstand die Gespräche mit Trump als eine Art Freibrief für den Luftterror gegen die Zivilbevölkerung der Ukraine – als Signal, dass er den Krieg so lange fortführen könne, wie er wolle. Und Matwijenko ist ein integraler Bestandteil dieses russischen Machtapparats.

Wenn hochrangige Vertreter der russischen Führung internationale Foren besuchen dürfen, entsteht in Moskau der Glaube, dass früher oder später auch die europäischen Länder gezwungen sein werden, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu akzeptieren – die Besetzung ukrainischer Gebiete und den Terror gegen Zivilisten – und dass der Westen den Dialog mit der russischen Führung einfach fortsetzen wird, als ob nichts geschehen wäre.vAls ob das Verhalten der russischen Machthaber eine legitime Form der internationalen Politik sei.

Wenn man sieht, dass nicht ein unbedeutender Duma-Abgeordneter oder ein pensionierter Provinzpolitiker, sondern eine ranghohe Sprecherin, ständiges Mitglied des russischen Sicherheitsrates, die alle menschenverachtenden Entscheidungen mitträgt, die Putin in seinem innersten Kreis durchsetzt,

nach Schweiz reisen darf, und dort unverhohlen ihre Lügen über den Sinn des russischen Angriffskrieges verbreitet – auf das Land, in dem sie selbst geboren wurde! – dann ist das ein Skandal.

Gefühlte Straflosigkeit und Bereitschaft zu neuen Verbrechen erzeugen Gleichgültigkeit gegenüber früheren Verbrechen – und genau das gebiert die nächsten Verbrechen. Keine Vermittlungsmission, kein Hinweis auf Regularien internationaler Organisationen kann die Einladung Matwijenkos rechtfertigen.

Wie der damalige Schweizer Präsident und heutige Außenminister Ignazio Cassis zu Beginn des großen Kriegs Russlands gegen die Ukraine sagte: „Neutralität bedeutet nicht Gleichgültigkeit“.

Die Schweizer Politiker, die Matwijenko und ihre verbrecherischen Begleiter in ihr Land gelassen haben, sollten sich an dieses Zitat erinnern.

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