Nadia Sukhorukova 10.08.23
Alles, was übrig blieb, passt auf eine Handfläche.
Die Schlüssel zu unserer Wohnung. Von der Metalltür, die der Mann schloss, als er zum Luftschutzraum ging. Ich weinte über die Schlüssel wie über einen Toten. Und konnte nicht aufhören.
Ich versteckte mich im Badezimmer, drückte meine Hände mit den Schlüsseln an meine Brust und biss mir auf die Lippen, damit mein Schluchzen das Geräusch des Wassers nicht übertönte.
Man erzählt von den verschiedenen Phasen der menschlichen Trauer. Wann kommt die Phase der Akzeptanz??? Ich steckte in den Phasen der Verleugnung und Wut fest.
Manchmal vergesse ich die Trauer und es kommt mir vor, als sei mein Mariupol irgendwo in der Nähe.
„Sie werden nicht mit uns auf demselben Planeten leben können!“
In unserem Zugabteil fuhr ein Junge aus Cherson. Er ist vor der russischen Welt davongelaufen. Er erzählte fast nichts darüber, was in seiner Stadt geschah.
Sein Gesicht veränderte sich, als er erfuhr, dass wir aus Mariupol kamen.
Dann sagte er dies über die russischen Besatzer.
Orks werden auf dieser Erde wirklich nicht mehr leben können. Sie werden es auch nicht im Himmel schaffen, und sie werden es auch nicht unter Wasser schaffen.
Die Fische werden sie da rausdrängen, weil sie sich ekeln werden, sich neben Mördern zu befinden.
Der passendste Aufenthaltsort der Besatzer ist die Hölle. Sie schaffen sie immer um sich herum, weil es ihnen dort vertraut und bequem ist.
Ich habe eine Frau getroffen, deren Sohn mit ihnen kämpft.
Sie wartet auf ihn und betet für den Sieg. Sie glaubt, dass Gott viele Engel gesandt hat, um ihm und seinen Brüdern zu helfen.
Die Engel bedecken sie mit ihren Flügeln, damit die Orks ihnen nichts anhaben können.
Die Mutter des Verteidigers ist klein und traurig, ihr Blick ist wirr.
Früher wog sie fünfzig Kilogramm, jetzt weniger.
Die macht sich Sorgen um ihren Sohn und isst kaum etwas.
Ich habe Angst, sie zu berühren. Sie ist so zerbrechlich, wie eine Porzellanpuppe.
Mariupol ist ein Codewort für sie und für mich. Es lässt meine Brust brennen.
Wir sind Tränen nah, schämen uns aber, wir schauen weg und flüstern. Unsere Stimme bricht.
Wir sind stumm vor unserem gemeinsamen Schmerz.
Ich habe von einer Kuppel über der Stadt geträumt, als die Russen uns bombardierten. Ich stellte ihn mir im Kopf vor.
Er bewahrte uns vor dem Tod.
Die Kuppel wurde regelmäßig durch Bomben und Minen zerrissen, aber ich habe sie sorgfältig mit transparenten Fäden zusammengenäht.
Es gab keine Sirene. Ich dachte: Höchstwahrscheinlich wurde der Alarm Anfang März ausgerufen und wurde nie aufgehoben.
Was bringt es, den Luftalarm aufzuheben, wenn in fünf Minuten wieder ein russischer Pilot über die Stadt fliegt und sieht nach, wo die Bombe abgeworfen werden kann?
Auf Häuser? Auf ein Krankenhaus oder einen Theater? Auf einen Schwimmbad mit dem Luftschutzbunker?
Genau dorthin, wo mehr Menschen gibt, wo es am schmerzhaftesten sein wird.
Nach Mariupol lebten wir einige Zeit in Tschornomorsk.
Auch er wird jetzt vom Feind angegriffen.
Das Leben im Krieg ist wie ein endloser Tunnel.
Ich bin einmal in einem Auto durchgefahren. Man freuet sich, wenn das Licht vorne erscheint.
Und dann stellt sich heraus, dass das entgegenkommende Auto mit seinen Scheinwerfern leuchtet. Und die Sonne ist noch weit weg.
Es leben wundervolle Menschen in Tschornomorsk. Sie lächelten. Selbst als mein Gesicht in der Dunkelheit des Tunnels versank.
Dank ihnen begann ich auch zu lächeln.
In Mariupol war ich während der Blockade immer überrascht, wenn mich jemand mit einem Lächeln ansprach.
Einmal gingen wir mit Natalya in der Nähe ihres neunstöckigen Gebäudes spazieren und zwei Frauen mit Hüten und Hunden fragten: „Wie geht es dir?“ – und lächelten.
Wir antworteten, dass alles normal sei. Sie sagten: „ihr seid ganz toll! Bei euch wird alles gut!“
Sie haben es nicht erraten. Mit uns ist nichts gut. Im Mariupol ist generell alles schlecht.
Natalyas Mann ist gestorben, mein Cousin auch. Ich kann meine Verwandten und Freunde nicht finden. Ich bin nicht zuhause.
Ich lebe jedoch und lächle.
Ich lächle aus den Tiefen des Tunnels. Und mein Lächeln ähnelt manchmal einer Grimasse.
So habe ich als Kind meine Tränen versteckt – mit einem angestrengten Lächeln.
In Tschornomorsk gingen wir die Allee des Friedens entlang, das ist die Hauptstraße. In Mariupol gibt es keinen Prospekt des Friedens mehr.
Die dortige Hauptstraße wurde von den Besatzern zerstört. Geistig und physisch.
Sie bombardierten sie, beschossen sie mit Raketen und überrannten sie mit Panzern. Sie haben sie vergewaltigt. Sie haben ihre Seele herausgenommen.
Dort, am Freiheitsplatz, wo die schönsten Konzerte stattfanden, befand sich ein moderner Kinderspielplatz.
Er wurde von mehreren Projektilen getroffen: Wahrscheinlich war der Spielplatz den Besatzern eine Bedrohung.
Das ukrainische Militär versteckte sich definitiv dort – irgendwo zwischen der Rutsche und dem Karussell.
Prospect des Friedens lief vorwärts und endete mit dem Theater.
Der Theaterplatz – mit Brunnen und Alleen – war äußerst schön.
Danach habe ich es auf dem Video einer sehr mutigen Frau gesehen.
Die Folgen des Luftangriffs filmte sie mit ihrem Handy.
Am 16. März 2022 wurde das Theater gnadenlos bombardiert.
Ich weiß bereits, was die Druckwelle mit den Menschen im Gebäude gemacht hat, aber ich habe nicht die Kraft, die Einzelheiten herauszufinden.
Einer der Theaterschauspieler kann es nicht erzählen. Ich kannte ihn vor dem Krieg, danach sah ich ein Interview mit ihm, als er Mariupol verließ.
Es sind zwei verschiedene Menschen.
Er und seine Frau schrieben auf dem Theaterplatz das Wort „Kinder“.
Die Buchstaben wurden sorgfältig gezeichnet, damit sie sogar vom Weltraum aus gesehen werden konnten.
Sie glaubten, dass diese Inschrift sie retten würde.
Sie fühlten sich wie Zauberer, die Menschen beschützen.
Der raschistische Flugzeug zerstörte die Hoffnung, dass alle überleben würden, und den Glauben an Gerechtigkeit.
Wie sich herausstellte, gibt es sie zur Zeit nicht auf Erden.
Sie verschwand am 24. Februar 2022.
Aber ich glaube, dass sie bald zurück kommt.
Sie kommt aus diesem endlosen Tunnel raus.
Усе, що залишилося, поміститься на долоні.
Ключі від нашої квартири.
Від металевих дверей, які зачинив чоловік, коли йшов до укриття. Я плакала над ключами, як над небіжчиком. І не могла зупинитися.
Ховалася у ванній, притискала руки з ключами до грудей і закушувала губи, щоб мої схлипи не перекривали дзюркоту води.
Хто там розповідає про різні стадії людського горя? Коли ж буде прийняття??? Я зависла на стадіях заперечення і гніву.
Іноді я забуваю про горе, і мені здається, що мій Маріуполь десь поблизу.
„Вони не зможуть жити з нами на одній землі!“
У нашому купе їхав хлопчина з Херсона. Він утік від ру*кого міра. Майже нічого не розповідав про те, що відбувалося в його місті.
Перемінився на обличчі, коли дізнався, що ми з Маріуполя.
Тоді й сказав це про ро***ських окупантів.
Орки справді не зможуть жити на цій землі. У небі теж не зможуть, і під водою у них не вийде.
Їх виштовхнуть звідти риби, бо гидуватимуть бути поряд з убивцями.
Найулюбленіше місце існування окупантів – пекло. Вони і влаштовують його довкола себе, бо там їм звично та зручно.
Я познайомилася з жінкою, чий син з ними воює.
Вона чекає на нього і молиться за Перемогу. Вірить, що Бог послав йому та його побратимам на допомогу багато ангелів.
Ангели закривають їх крилами, щоб орки не змогли зашкодити.
Мама захисника – маленька й сумна, у неї розгублені очі.
Колись вона важила п’ятдесят кілограмів, тепер менше.
Хвилюється за сина і майже нічого не їсть.
Мені страшно до неї доторкнутися. Така вона тендітна, ніби порцелянова статуетка.
Маріуполь для неї та для мене – кодове слово. Від нього пече у грудях.
Ми ладні плакати, але соромимося, відводимо очі й говоримо пошепки. У нас зривається голос.
Ми оніміли від нашого спільного болю.
Я мріяла про купол над містом, коли рашисти нас бомбили. Я малювала його у своїй голові.
Він закривав нас від смерті.
Купол періодично розривали бомби та міни, але я його акуратно зашивала прозорими нитками.
Сирени не було. Я думала : найімовірніше, тривогу оголосили на початку березня і вже ніколи не скасують.
Який сенс оголошувати відбій, якщо через п’ять хвилин над містом знову шулікою літатиме російський льотчик і видивлятиметься, куди скинути бомбу.
На будинки? На лікарню чи театр? На басейн, у якому є укриття?
Скинути туди, де більше людей, туди, де буде болючіше.
Після Маріуполя, ми жили у Чорноморську деякий час.
Його зараз теж атакує ворог.
Життя на війні схоже на нескінченний тунель.
Я одного разу їхала в такому. Ти радієш, коли попереду з’явилося світло.
А потім виявляється, що зустрічна машина світить фарами. І до сонця ще далеко.
У Чорноморську чудові люди. Вони всміхалися. Навіть коли моє обличчя тонуло у темряві тунелю.
Я теж почала всміхатися завдяки їм.
В Маріуполі, під час блокади, завжди дивувалася, коли хтось звертався до мене з усмішкою.
Якось ми йшли з Наталею біля її дев’ятиповерхівки і дві жінки у шапочках і з собаками запитали: „Як вам ведеться?“ – і всміхнулися.
Ми відповіли, що нормально. Вони сказали: „Які ви молодчинки! Усе у вас буде добре!“
Вони не вгадали. У нас добре не все. У Маріуполі взагалі все погано.
У Наталі загинув чоловік, у мене – двоюрідний брат. Я не можу знайти родичів і друзів. Я не вдома.
Однак я жива й усміхаюся.
Посміхаюся із глибини тунелю. І моя посмішка іноді нагадує гримасу.
Я так у дитинстві приховувала сльози – натягнутою усмішкою.
У Чорноморську ми ходили проспектом Миру, це головна вулиця. У Маріуполі проспекту Миру вже нема.
Головну вулицю там знищили окупанти. Ментально та фізично.
Розбомбили її, розстріляли ракетами й переїхали танками. Вони її згвалтували. Вийняли з неї душу.
Там, на площі Свободи, де проходили найяскравіші концерти, був сучасний дитячий майданчик.
У нього влучило кілька снарядів: напевно, дитячий майданчик чимось неймовірно загрожував окупантам.
Там точно переховувалися українські військові – десь між гіркою та каруселлю.
Проспект Миру летів уперед і впирався у драмтеатр.
Театральний сквер – з фонтанами та алеями – був надзвичайно гарним.
Потім я бачила його на відео дуже сміливій жінкі.
Вона знімала на телефон наслідки авіаудару.
Театр нещадно розбомбили 16 березня 2022 року.
Я вже знаю, що вибухова хвиля зробила з людьми у будівлі, але дізнаватися подробиці нема сили.
Один із акторів театру розповісти їх не може. Я знала його до війни, потім бачила з ним інтерв’ю, коли він виїхав із Маріуполя.
Це двоє різних людей.
Він та його дружина виводили слово „Діти“ на театральній площі.
Старанно промальовували букви, щоб їх було видно і з космосу.
Вони вважали, що цей напис урятує.
Почувалися чарівниками, які захищають людей.
Рашистський літак перервав надію, що всі вціліють, і віру у справедливість.
Як виявилося, на землі її зараз немає.
Вона зникла 24 лютого 2022 року.
Але я вірю, що вона незабаром повернеться.
Вибереться з цього нескінченного тунелю.