
In dem amerikanischen Kultfilm Ferris Bueller’s Day Off wird die Geschichte des Lehrers über den Smoot-Hawley Act und die Große Depression zu einem der Symbole für Langeweile und Hoffnungslosigkeit. Ferris‘ Klassenkameraden sterben buchstäblich an dieser Langeweile – und wir verstehen sofort, warum er seinen Spaziergang durch Chicago so sehr genießt. Denn es gibt wirklich nichts Schrecklicheres, als an einem schönen sonnigen Tag von Smoots und Hawleys zu hören.
Der Film wurde 1986 in den USA veröffentlicht. Damals wurde das Smoot-Hawley-Gesetz noch in den High Schools unterrichtet. Heute ist diese Geschichte vielleicht ganz aus dem Lehrplan verschwunden. Aber selbst damals konnten die Kinder nicht verstehen, worum es eigentlich ging. Die hohen Zölle, die Weltwirtschaftskrise, der fehlende Freihandel – all das schien weit entfernt von der Realität des modernen Amerikas.
Diejenigen, die in ihrem Alter waren und die Große Depression miterlebt hatten, erinnerten sich mit viel mehr Sorge und viel weniger Begeisterung an diese Geschichte. Ronald Reagan zum Beispiel sagte, dass die Amerikaner nach der Verabschiedung dieses Gesetzes einen wahren Albtraum erlebten. Und das ist noch die mildeste Einschätzung. Ich werde nicht einmal demokratischen Präsidenten zitieren, denn das Gesetz wurde von dem Republikaner Herbert Hoover unterzeichnet. Aber es war Reagan, die Ikone der amerikanischen Republikaner, dessen Porträt jetzt neben Donald Trumps Schreibtisch im Weißen Haus hängt, der sich am deutlichsten zu dem Gesetz äußerte.
Was also schlugen Senator Reid Smoot und der Kongressabgeordnete Willis Hawley den Vereinigten Staaten vor? Sie haben es wahrscheinlich schon erraten. Vor fast 100 Jahren setzten sie ein Gesetz über eine erhebliche Erhöhung der Handelszölle durch – die größte in der modernen Geschichte der Vereinigten Staaten (jedenfalls bis vor kurzem). Hoover und die Mitverfasser des Gesetzes glaubten aufrichtig, dass sie damit den amerikanischen Landwirten helfen würden, die sich zu dieser Zeit in einer echten Krise befanden.
Mehr als tausend führende Wirtschaftswissenschaftler sprachen sich gegen das Gesetz aus und schickten einen offenen Brief an den Präsidenten. Henry Ford, der damalige Elon Musk, kam persönlich, um den Präsidenten davon zu überzeugen, dieses katastrophale Gesetz nicht zu unterzeichnen. Aber es war alles vergebens – Hoover blieb seinen Wahlversprechen treu, denn er verdankte seinen Sieg dem „Herzen Amerikas“ – den Agrarstaaten.
Wir wissen, was dann geschah. Die Antwort waren Spiegelzölle, ein Boykott amerikanischer Produkte, ein Zusammenbruch der Wirtschaft in den USA und in Europa, die Große Depression, die Wahlniederlage der Republikaner, der Sieg Franklin Roosevelts mit dem New Deal, der Aufstieg der extremen Rechten in Europa, der Triumph Hitlers, der Zweite Weltkrieg und schließlich die Aufgabe des Protektionismus und die Schaffung eines neuen globalen Handelssystems auf Anregung und unter der Schirmherrschaft der Vereinigten Staaten.
Und Smoot und Hawley? Smoot und Hawley wurden zu einem Begriff – die Verkörperung der wirtschaftlichen Katastrophe. Obwohl Hawley ein angesehener Wirtschaftsprofessor und Smoot der „Zuckersenator“ war, ein langjähriger Fürsprecher der Farmer in Utah, erinnern sich die Amerikaner an sie als diejenigen, die für die Verarmung der Nation verantwortlich sind. Wenn man sich an sie erinnerte – und man erinnerte sich lange Zeit an sie, wenn es um den Freihandel ging – dann nur, um uns daran zu erinnern, was passiert, wenn die Gesetze der Wirtschaft ignoriert werden. Im Laufe der Zeit gerieten sie völlig in Vergessenheit – und manche Leute haben einfach die Schule geschwänzt und nie etwas von Smoot, Hawley oder ihrem Gesetz gewusst. Ein ewiger freier Tag, versteht sich!
Aber jetzt erinnern sich alle, die sich mit Wirtschaftsgeschichte auskennen, an Smoot und Hawley, und ihre Geister sind als echte Gewinner ins Weiße Haus zurückgekehrt. Und obwohl wir alle wissen, was nach dieser Rückkehr passieren wird, hält uns niemand davon ab, ihren neuen Triumph zusammen mit Kongressabgeordneten zu genießen.