NABU kam in die Werchowna Rada | Vitaly Portnikov. 27.12.2025.

In der Ukraine gibt es einen weiteren Antikorruptionsskandal. Diesmal ist er angeblich nicht mit dem sogenannten „Mindychgate“ verbunden, aber dennoch mit den obersten Ebenen der ukrainischen Staatsmacht.

Das Nationale Antikorruptionsbüro und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft haben über die Aufdeckung einer weiteren kriminellen Gruppe berichtet, die aus Abgeordneten der Ukraine bestand. Diese Abgeordneten erhielten unrechtmäßige Vorteile für ihre Abstimmungen in der Werchowna Rada, das heißt, sie betrieben Lobbyarbeit für fremde Interessen oder führten fremde Anweisungen aus.

Bisher gibt es keine Namen derjenigen, die in der Machtelite an dieser kriminellen Gruppierung beteiligt sind. Allerdings tauchen Berichte auf, dass unter den Verdächtigen der ukrainische Abgeordnete Yurii Koriavchenkov ist, der durch seine Star-Karriere im Studio „Kvartal 95“ bekannt wurde, bevor der Frontmann dieses Studios, Volodymyr Zelensky, der sechste Präsident der Ukraine wurde.

Ein Antikorruptionsskandal kommt bei uns, wie so oft, nicht ohne einen Konflikt zwischen den Sicherheitsstrukturen aus. So versuchen Mitarbeiter der Staatlichen Schutzverwaltung, die NABU-Detektive daran zu hindern, Durchsuchungen in den zuständigen Ausschüssen der Werchowna Rada der Ukraine durchzuführen. Und sie schaffen damit offensichtlich Möglichkeiten zur Vernichtung von Informationen, die für die Beschuldigten der Ermittlungen gefährlich sein könnten. Oder sie sind einfach der Ansicht, dass ihre Dienstpflichten es ihnen erlauben, Mitarbeiter der Antikorruptionsbehörden nicht an die Arbeitsplätze der Abgeordneten der Ukraine zu lassen.

In jedem Fall kann ich mir gut vorstellen, wie die Wähler der betroffenen Abgeordneten jetzt auf diesen neuen Antikorruptionsskandal reagieren werden: Einige werden sich darüber wundern, was aus ihren Volksvertretern geworden ist, andere werden im Gegenteil sagen, dass sie dort in der Macht ohnehin alle gleich seien.

Aber wir verstehen sehr gut, dass die Verantwortung für einen Abgeordneten bei dem liegt, der ihn gewählt hat. Und die überwältigende Mehrheit der Menschen, die für diejenigen gestimmt haben, die sich jetzt als Teil einer organisierten kriminellen Gruppe erweisen könnten, hat nicht einmal die Namen der Personen gekannt, für die sie bei den Parlamentswahlen 2019 gestimmt hat.

Das waren keine politischen Persönlichkeiten, zu denen man eine positive oder negative Haltung haben konnte. Das waren keine Menschen, die – wie 2014 – die Bewährungsprobe des Maidan durchlaufen hatten. Das waren Avatare, deren einziger Verdienst gegenüber den Wählern ausschließlich darin bestand, dass diese Wähler dem neuen ukrainischen Präsidenten vertrauten und bereit waren, für jede beliebige Person aus dem gerade erst geschaffenen Projekt zu stimmen, das, wie wir wissen, sogar den Namen einer Fernsehserie erhielt, die auf dem Sender 1+1 lief: „Diener des Volkes“.

Ich erinnere daran, dass sich genau so – als „Diener des Volkes“ – auch die Führer der bolschewistischen Partei bezeichneten, die sehr schnell genau diese Entwicklung durchliefen: von selbsternannten Dienern des Volkes zu Herren, die ganz anders lebten als diejenigen, die an die bolschewistischen Parolen und Ideale glaubten, selbst als bereits klar war, dass sie zu Opfern einer der gefährlichsten Ideologien des 20. Jahrhunderts geworden waren.

Hier ist die Situation natürlich nicht direkt vergleichbar, schon deshalb, weil die Partei „Diener des Volkes“ überhaupt keine Ideologie hatte. Und so wurden die Abgeordneten der Werchowna Rada gewissermaßen wie bei einer Lotterie bestimmt. Manche verstanden, dass die Arbeit eines Abgeordneten mit Gesetzgebung zu tun hat. Andere hingegen hatten überhaupt keine klare Vorstellung davon, wozu sie ins ukrainische Parlament gingen, wussten aber sehr wohl, dass frühere Abgeordnete riesige Summen für ihre Beteiligung an Korruptionsschemata und für ihre Abstimmungen erhalten hatten.

Und was ist, wenn ein Mensch überhaupt keine politischen Überzeugungen hat, wenn er nicht einmal im Entferntesten versteht, wie man ein Land entwickelt, und nie in diese Richtung gedacht hat, sondern ausschließlich an seine eigenen Interessen und seine eigene Karriere, die nichts mit professioneller politischer Tätigkeit zu tun hatte?

Ja, verehrter Wähler, politische Tätigkeit kann nur professionell sein. Unprofessionelle politische Tätigkeit erlaubt es Betrügern, sich zu bereichern, die dann – nur weil wir auf Druck derer, die uns helfen, uns gegen Russland zu verteidigen, Antikorruptionsstrukturen schaffen mussten – irgendwann vielleicht doch in Haft landen oder, wie wir ebenfalls verstehen, auch nicht, und sich einfach auf Kosten der Wähler bereichern. Für die Wähler aber führt ein solches Abstimmungsverhalten immer in einen vorhersehbaren, klaren politischen und existenziellen Abgrund.

Und das ist keine Prognose, die man erst noch in ihrer Entwicklung beobachten müsste. Das ist unser Leben, reichlich geprägt von populistischen Stimmungen in der Mehrheit der ukrainischen Wählerschaft.

Deshalb beeile ich mich nicht, die Abgeordneten zu beschuldigen. Ich beeile mich nicht einmal, den ukrainischen Staat zu beschuldigen. Denn ich erinnere immer wieder daran: Jede Möglichkeit, die Wahrheit über die Korruption in der Ukraine zu erfahren, jede schnelle und effektive Arbeit der Antikorruptionsbehörden in unserem Land ist kein Minus, sondern ein Plus für den ukrainischen Staat. Das zeigt, dass die konsequente Arbeit gegen Korruption fortgesetzt wird und selbst diejenigen nicht verschont, die Zugang zu den höchsten Staatsämtern haben.

Und genau das fehlt vielen weiter entwickelten Demokratien, wie wir derzeit an den Vereinigten Staaten sehen. Und davon können autoritäre Regime im benachbarten Russland und Belarus nur träumen, wo ebenfalls Systeme der Alleinherrschaft bestehen, ohne jede Möglichkeit, die Korruption im engsten Umfeld von Putin oder Lukaschenko zu beeinflussen.

Die Verantwortung liegt daher in erster Linie bei denen, die für Menschen ohne jegliches politisches Programm und ohne jede Vorstellung von der Entwicklung des Landes stimmen. Ganz zu schweigen davon, dass es 2019 bereits eine klare Vorstellung hätte geben müssen, wie sich die Ukraine vor der russischen Invasion schützen und einen endlosen großen Krieg verhindern kann.

Und in dieser Situation müssen die Schlussfolgerungen natürlich nicht von denen gezogen werden, für die man gestimmt hat – mit ihnen wird sich die Ermittlungsarbeit befassen –, sondern von denen, die wählen, damit sie nicht erneut für sich und ihre Mitbürger eine neue Katastrophe schaffen, ohne jede Möglichkeit, in den nächsten Jahren oder vielleicht sogar in den kommenden schwierigen Jahrzehnten aus dieser Lage herauszukommen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: НАБУ прийшло до Верховної Ради | Віталій Портников. 27.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 27.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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NABU und SAP kamen zu Jermak | Vitaly Portnikov. 28.11.2025.

Beim Leiter des Präsidialamtes der Ukraine, Andrij Jermak, führen das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft Durchsuchungen durch. Die Durchsuchungen finden sowohl im Regierungsviertel als auch am Wohnort des Beamten statt. Dies wurde sowohl vom NAKU als auch von der SAP und auch von Andrij Jermak selbst bestätigt.

Die Durchsuchungen bei Andrij Jermak könnten mit den lautstarken Korruptionsermittlungen des NABU zusammenhängen, die bereits das engste Umfeld des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Zelensky erreicht haben und zum Rücktritt mehrerer Minister der erst kürzlich bestätigten Regierung geführt haben.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse dieser Untersuchung tauchten Gerüchte auf, dass unter den Beamten, die auf den sogenannten „Mindych-Bändern“ vorkommen, auch Andrij Jermak sei, dem das Spitzname „Ali Baba“ zugeschrieben wurde. Die Befürchtungen, dass Jermak sich unter jenen wiederfinden könnte, die in den Korruptionsfall verwickelt sind, ja sogar eine Verdachtsmitteilung vom NAKU erhalten könnte – eine Information, die jetzt aktiv in den Medien verbreitet wird – waren so ernst, dass einige Abgeordnete der Partei Diener des Volkes dem Präsidenten sowohl informell als auch während eines Treffens des Staatsoberhauptes mit der Fraktion dieser politischen Gruppierung geraten haben, Andrij Jermak zu entlassen.

Doch Volodymyr Zelensky lehnte eine solche Entscheidung kategorisch ab und ernannte Andrij Jermak später sogar zum Leiter der Delegation, die sich in Genf mit dem US-Außenminister Marco Rubio und anderen amerikanischen Regierungsvertretern traf, um mit den ukrainischen Beamten den sogenannten Trump-Plan zu besprechen.

Nun werden die Durchsuchungen bei Jermak, selbst wenn sie zu keinen erheblichen Konsequenzen führen sollten, nicht nur seinen eigenen Ruf und seine Möglichkeit beeinträchtigen, den – wenn auch nur simulierten – Verhandlungsprozess mit Washington fortzuführen, sondern auch den Ruf des ukrainischen Präsidenten selbst. Denn seit jener Zeit, in der Andrij Jermak das Präsidialamt übernahm, gilt gerade er in der öffentlichen Wahrnehmung als jene Person, die Entscheidungen trifft, angeblich ohne sich auch nur mit dem Staatsoberhaupt zu konsultieren.

Und alle Bemühungen, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass in der Ukraine ein typisches postsowjetisches Machtmodell entstanden sei, in dem die gesamte Verantwortung für Entscheidungen bei einer einzigen Person – dem Präsidenten der Ukraine – liege und alle anderen Beamten lediglich dieser ersten Person dienen oder versuchen, im Voraus ihre Wünsche zu erraten, überzeugen vor allem jene nicht, die 2019 für Volodymyr Zelensky gestimmt haben und nicht begreifen können, welcher Typ und Stil der Macht ihrem gewählten Kandidaten eigentlich entspricht. So kann man sagen, dass Jermak nun mit Zelensky verbunden wird – und jede politische Krise des Leiters des Präsidialamtes wird auch zur politischen Krise des Staatsoberhauptes selbst.

Natürlich wird man jetzt viel darüber reden, dass der Fall Jermak vor allem mit dem amerikanischen Friedensplan zusammenhängen könnte, mit dem Wunsch der Trump-Administration, Druck auf den ukrainischen Präsidenten auszuüben und ihn zu Zugeständnissen zugunsten Russlands zu zwingen. Doch das ist eine verschwörungstheoretische Annahme aus einem einfachen Grund. Der russische Präsident Putin – wie wir aus seiner gestrigen Rede in Bischkek gesehen haben – ist zu keinerlei Friedensvereinbarungen mit der Ukraine bereit und hofft, durch sogenannte Friedensverhandlungen mit den USA oder möglicherweise auch mit unserem Land Zeit zu gewinnen, bis ein möglicher Konflikt mit dem US-Präsidenten Donald Trump entsteht.

Aber die Zerstörung der Ukraine, die Umwandlung unseres Landes in eine russische Provinz, ist für Präsident Putin eine viel wichtigere Priorität als sogar die Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten. Und daher sollte niemand, der versteht, wie sich die politischen Prozesse in der Welt in den stürmischen 2020er und 2030er Jahren des 21. Jahrhunderts entwickeln werden, auf ein umfassendes Friedensabkommen in absehbarer Zeit hoffen. Das bedeutet, dass weder Zelenskys Positionen in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten noch irgendwelche Punkte in einem möglichen Friedensabkommen mit Russland von der Situation um Andrij Jermak beeinflusst werden – denn ein solches Friedensabkommen ist in absehbarer Zukunft nicht vorgesehen, ebenso wenig wie die Möglichkeit, einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen.

Daher muss man nicht analysieren, was nicht geschehen wird, sondern das, was tatsächlich geschehen wird. Das heißt: Wie werden die politischen Positionen Volodymyr Zelenskys im ukrainischen politischen Leben aussehen, wenn selbst seine engsten Verbündeten – und derzeit heißt es, dass es nicht bei Andrij Jermak bleiben wird – von Durchsuchungen des Nationalen Antikorruptionsbüros und der Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft betroffen sind oder sogar Verdachtsmitteilungen dieser Behörden erhalten.

Natürlich war der Ausweg aus dieser Situation immer recht einfach. Und über diesen Ausweg sprachen nicht nur vernünftige Beobachter seit 2022, sondern auch Abgeordnete der eigenen Präsidentenfraktion. Die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit, eine Injektion von Professionalität und Staatsdenken in jenen Regierungsstil, der durch den Willen des ukrainischen Volkes nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2019 entstanden war, der Versuch, die Fehler sowohl jener 2019 gebildeten Regierung als auch des ukrainischen Wählers selbst zu korrigieren, der so infantil und verantwortungslos blieb, dass er bereit war, seinem eigenen Land alle Voraussetzungen für eine riskante und katastrophale Entwicklung nach seiner Stimmabgabe zu schaffen.

All das wäre eine gemeinsame Rettung – sowohl für jene, die die Gefahr des Populismus und seine korrupten Bestandteile erkennen, als auch für jene, die das nicht erkennen können und damit ihr eigenes Leben, ihre Zukunft und das Leben vernünftig denkender Mitbürger aufs Spiel setzen.

Doch ich hege keine große Hoffnung, dass solche Schlussfolgerungen in naher Zukunft gezogen werden. Und daher wird sich die Krisensituation im ukrainischen politischen und gesellschaftlichen Leben weiterentwickeln – vor dem Hintergrund der Krise rund um den sogenannten Verhandlungsprozess und den Krieg Russlands gegen die Ukraine, den der grausame Feind nicht zu beenden gedenkt und in dem er selbstverständlich gern alle Schwächen des ukrainischen politischen und gesellschaftlichen Lebens sowie das mit diesen Schwächen verbundene Korruptionsermittlungsverfahren ausnutzen wird.


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Titel des Originals: НАБУ і САП прийшли до Єрмака | Віталій Портников. 28.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.11.2025.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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