Trump will Chamenei treffen wollen | Vitaly Portnikov. 29.01.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, könnte die Möglichkeit eines Angriffs auf die Führung der Islamischen Republik Iran und auf den obersten Führer der Sicherheitsstrukturen dieses Staates in Betracht ziehen. Nach Ansicht vieler Beobachter hängt genau mit dieser Absicht des amerikanischen Präsidenten die Konzentration der US-Streitkräfte rund um Iran sowie die ständigen Drohungen Donald Trumps gegen die iranische Führung zusammen, der er rät, möglichst bald einen Deal abzuschließen.

Offensichtlich ist jedoch auch, dass all diese Drohungen vor dem Hintergrund der faktischen Niederschlagung der Proteste im Iran durch das Regime erfolgen. Als iranische Demonstranten darauf hofften, dass Donald Trump tatsächlich Schläge gegen die Stäbe der Islamischen Republik führen würde, und Trump selbst die Protestierenden dazu aufrief, Regierungsgebäude zu stürmen, geschah am Ende praktisch nichts. Trump erklärte Journalisten, dass er sich selbst umgestimmt habe. Nun werden erneut Truppen in Richtung Iran verlegt, und Trump könnte wieder die Möglichkeit von Schlägen gegen die Führung der Islamischen Republik in Betracht ziehen – diesmal jedoch in einer Situation, in der es praktisch keine Massenproteste mehr gibt.

Ja, ich halte es für möglich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten darauf setzt, dass im Falle solcher Angriffe auf die oberste Führung der Islamischen Republik die Proteste erneut aufflammen könnten. Allerdings haben auch jene recht, die betonen, dass man ein feindliches Regime nicht allein durch Raketenangriffe zerstören kann. Trump könnte im Grunde nicht einmal die Zerstörung des Regimes der Islamischen Republik anstreben, sondern vielmehr die Wiederholung dessen, was ihm seiner Ansicht nach bereits in Venezuela gelungen ist, als nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, der sich nun vor der amerikanischen Justiz verantworten soll, dessen Mitstreiter zur Zusammenarbeit mit Washington bereit waren und zu einer energiepolitischen Kooperation übergingen.

Möglicherweise glaubt Trump, dass sich etwas Ähnliches im Iran ereignen könnte: dass nach Schlägen der US-Armee, bei denen die obersten Führer der Islamischen Republik ums Leben kämen, die Verbliebenen einsehen würden, dass es notwendig sei, ein Abkommen zu schließen, das dem iranischen Atomprogramm ein Ende setzt und die Reichweite der ballistischen Raketen der iranischen Armee reduziert – was die Region tatsächlich etwas beruhigen und die Sicherheit Israels gewährleisten soll.

Allerdings wissen wir erstens nicht einmal, wie die tatsächlichen Ergebnisse der Maßnahmen des Präsidenten der Vereinigten Staaten in Venezuela aussehen. Die nach Maduro verbliebene chavistische Führung ist zwar tatsächlich nicht an einer Eskalation der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten interessiert. Doch zu behaupten, dass sich institutionell in Venezuela etwas grundlegend geändert habe und dass Russland und China künftig keinen Einfluss mehr auf dieses Land hätten, ist bislang äußerst schwierig.

Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, räumte ein, dass der Übergang Venezuelas zur Demokratie ein langfristiger Prozess sei, erklärte jedoch erneut nicht, auf welche Weise die Administration von Präsident Trump das venezolanische Führungspersonal zu ehrlichen Wahlen bewegen wolle, die tatsächlich jene an die Macht bringen könnten, die vom venezolanischen Volk unterstützt werden. Zumal auch Trump selbst bekanntlich Zweifel an der Autorität des Führers der venezolanischen Opposition geäußert hatte – bis es ihm gelang, eine fremde Nobelmedaille zu erlangen.

Mit der Islamischen Republik könnte es noch deutlich komplizierter werden. Iran genießt eine weitaus größere Unterstützung – oder besser gesagt: ein größeres Interesse – aus Moskau und Peking als Venezuela. Die Machtstrukturen Irans sind wesentlich solider ausgebildet als jene Venezuelas und verfügen über eine deutlich ausgeprägtere ideologische Komponente.

Denn in Ländern wie Venezuela waren linksradikale Ansichten häufig lediglich ein Deckmantel für die Machtusurpation, die bereits Hugo Chávez vollzogen hatte. Im Iran hingegen handelt es sich um eine echte Theokratie, die nicht durch Wahlen an die Macht kam, wie es in Venezuela zur Etablierung einer linksradikalen Republik führte, sondern durch die Revolution von 1979.

Die Menschen, die heute den Iran regieren, waren bereit, für ihre Macht und ihre Vorstellung davon, wie Iran aussehen soll, Massenproteste und Opfer in Kauf zu nehmen. Zu behaupten, ein solches Regime lasse sich allein durch Raketenbombardements zerstören und würde nur deshalb einem Abkommen mit den Vereinigten Staaten zustimmen, weil eine Gruppe seiner Führer getötet wird, bedeutet, das Wesen solcher Regime nicht zu verstehen.

Und genau darauf könnten Trump unterschiedlichste Akteure hinweisen: sowohl der Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, als auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie die Monarchen des Persischen Golfs, die begreifen, welches Maß an Destabilisierung die Region erleben könnte, falls die Vereinigten Staaten die Führung Irans angreifen. Und vor allem: falls die iranische Führung beschließen sollte, auf einen solchen Schlag zu reagieren – was keineswegs ausgeschlossen ist.

Dabei stellt sich die Frage, wie diese Reaktion aussehen würde. Wäre es ein erneuter Raketenangriff auf Israel sowie auf israelische Militärstützpunkte und Städte? Oder würde das Regime der Ajatollahs diesmal versuchen, amerikanische Militärziele im Nahen Osten anzugreifen, was seinerseits zu einer noch größeren Destabilisierung führen würde?

Doch das Wichtigste ist das, was wir sowohl aus dem Beispiel Venezuela als auch aus dem Iran verstehen: Präsident Trump ist in seinem Bestreben, sich in Regionen durchzusetzen, in denen offen antiamerikanische Regime an der Macht sind, nicht bereit, die Streitkräfte in vollem Umfang einzusetzen. Er fürchtet, dass Verluste unter amerikanischen Soldaten – die im Falle eines Regimewechsels in einem feindlichen Staat unvermeidlich wären – zu Empörung in seiner Wählerbasis führen könnten.

Und das ausgerechnet im Vorfeld der Zwischenwahlen im November dieses Jahres, die zu einem Triumph der Demokraten führen könnten – wenn nicht in beiden, so doch in einer der beiden Kammern des Kongresses. Und falls in beiden, dann verstehen wir sehr gut, dass Donald Trump einem Amtsenthebungsverfahren kaum entgehen würde und seine politische Karriere deutlich früher enden könnte, als wir es uns heute vorstellen. Trump ist sich dessen sehr bewusst. Nach seiner ersten Amtszeit musste er bereits Gerichtsverfahren durchstehen. Er möchte mit 80 Jahren keinesfalls erneut auf der Anklagebank sitzen.

Deshalb will der Präsident der Vereinigten Staaten bei aller Bereitschaft zu drohen kein echtes Risiko eingehen. Das bedeutet, dass all seine außenpolitischen Kalkulationen zumindest im Jahr 2026, wenn nicht zum Scheitern verurteilt, so doch zu einer erheblichen Korrektur gezwungen sind. Und das Wichtigste: In Moskau, in Peking, in Teheran und sogar in Caracas versteht man das sehr gut. 

Man weiß genau, wo die roten Linien verlaufen, die Trump nicht zu überschreiten vermag – angesichts der Zwischenwahlen und seines Bestrebens, die republikanische Mehrheit im Kongress zu bewahren und damit die Stimmen jener amerikanischen Wähler nicht zu verlieren, die Trump gerade deshalb gewählt haben, weil sie davon ausgingen, dass die Vereinigten Staaten sich künftig nicht mehr in große internationale Konflikte einmischen würden und dass amerikanische Soldaten nirgendwo sonst eingesetzt werden sollten als auf dem eigenen Territorium.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп хочет ударить по Хаменеи | Виталий Портников. 29.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 29.01.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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