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Ein alter Post ist wieder aufgetaucht.
Ich möchte daran erinnern.
Und ja, ich habe – so gut ich konnte – versucht, euch vom Krieg zu erzählen. Davon zu erzählen, wie er sein wird. Zu erzählen, damit ihr keine Dummheiten macht, damit ihr euch im Rahmen eurer Möglichkeiten vorbereitet.
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„Russland hat die Ukraine angegriffen, Katja! Das ist Krieg!“, lese ich in irgendeiner Erzählung über den 24. Februar. Ganz ehrlich, verzeiht mir, wenn ich damit jemandem in die Seele spucke, aber es regt mich verdammt nochmal auf. Es macht mich furchtbar, aus dem Bauch heraus, unkontrollierbar wütend.
Ja, ich verstehe, dass Probleme zu vergleichen maximal dämlich ist. Ja, ich weiß, dass jeder Schmerz anders ist. Ja, ich weiß, dass niemand schuld ist. Aber es regt mich auf.
Der Krieg begann Ende Februar 2014. Als grüne Männchen ohne Hoheitsabzeichen die Krim besetzten. Als meine Stadt aufhörte, meine zu sein. Als alles in Scherben zerfiel. Der Krieg begann, als mein Mann und mein Freund an die Front gingen.
Der Krieg begann, als das Wort „es ist eingeschlagen“ eine ganz konkrete Bedeutung bekam. Und das war nicht letztes Jahr.
Mein Krieg begann mit dem Verlust von Arbeit, Zuhause, Orientierung, Freunden, Geld – von allem verdammt nochmal – und das ist fast neun Jahre her.
Wir, überall Fremde, nirgends erwünscht, standen allein vor „Wohnung finden“, wenn es heißt „an Donezker vermieten wir nicht“. Vor „Miete bezahlen“, wenn das Geld zusammen mit der Arbeit schon vor einem halben Jahr ausgegangen ist. Vor „Job finden“, wenn du fast 40 bist und „bei uns ist die Altersgrenze 35“. Mit einer einzigen Tasche. Mit „die eigenen Katzen bei fremden Menschen zurücklassen“. Nicht einmal bei null anfangen – im Minus.
Mit Kinderhysterien. Mit „Ich fahre nach Donezk zurück, Ljúdka ist dort geblieben und es geht ihr gut“. Mit „Ich will NACH HAUSE!“ 24 Stunden am Tag. Und niemand nahm uns in Polen oder Deutschland auf, niemand zahlte uns Unterstützung, niemand drehte rührselige Videos über uns.
Er begann damit, dass es keinen Helm gab, keine Schutzweste, keine Schuhe, keine Hosen – aber es gab ein Tourniquet, eines, Baujahr 1975, so alt wie ich. Mit einem Taxifahrer aus Lwiw, der mir ins Gesicht sagte, was für ein Patriot er sei – im Gegensatz zu uns, den „Separatisten“.
Mit fremden Städten. Mit billigen Wohnungen. Mit erfolglosen Versuchen, immer wieder. Mit Mindestlöhnen. Mit Tränen, die nicht flossen, sondern irgendwo innen brannten wie Sodbrennen. Mit Telefonaten:
– Wie geht’s dir?
– Beschissen.
– Brauchst du Hilfe?
– Ich halte durch.
Er geht jetzt weiter, wenn meine Freunde, die den Donbas längst verlassen haben, versuchen, ihre Eltern zu retten. Die dreimal am Tag wechseln zwischen „Hol mich hier raus, die Nachbarin wurde getötet“ und „Ich fahre nirgendwohin! Wer braucht mich denn dort?“. Wenn Tocha, ein russischsprachiger Donbas-Bewohner, das personifizierte Böse, seit neun Monaten ohne Urlaub ist. Wenn deine Alten eine Wohnung nur noch zusammen anmieten können – von einer Rente allein geht das nicht. Und dein Geld nehmen sie nicht, sie sind es gewohnt, selbst klarzukommen; sie können diese neue Daseinsdoktrin nicht ertragen.
Unser Krieg begann vor langer Zeit, riss Fleischstücke aus uns heraus, und ich habe – so gut ich konnte – versucht, euch davon zu erzählen.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Social Media
Autor: Tanja Adams
Veröffentlichung / Entstehung: 28.01.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.