Trump ruft Putin in den „Friedensrat“ | Vitaly Portnikov. 20.01.2026.

Donald Trump hat vor seinem Abflug in die Schweiz, wo er am Internationalen Wirtschaftsforum in Davos teilnehmen wird, seine Einladung an den russischen Diktator Putin zur Teilnahme am Friedensrat bestätigt. Dieser Rat sollte ursprünglich geschaffen werden, um die Stabilisierung der Lage im Nahen Osten, insbesondere im Gazastreifen, zu gewährleisten, wird nun aber von seinen Organisatoren auf alle Konflikte ausgeweitet, die sich in der heutigen Welt abspielen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Trump zur Teilnahme am Friedensrat nicht nur Putin selbst eingeladen hat, sondern auch dessen belarussische Marionette Alexander Lukashenko – obwohl offensichtlich ist, dass Lukashenko keinerlei reale Beziehung zur Regelung der Situation im Nahen Osten hat.

Die Tatsache, dass der amerikanische Präsident den russischen Präsidenten nahezu zeitgleich mit einer erneuten barbarischen Bombardierung der ukrainischen Energieinfrastruktur durch Russland zur Teilnahme am Friedensrat einlädt – genau zu dem Zeitpunkt, an dem Putin Frauen, Kinder und ältere Menschen in Kyiv und anderen Städten der Ukraine von Wärme-, Strom- und Wasserversorgung abschneidet  –, unterstreicht einmal mehr die Gleichgültigkeit des amerikanischen Staatschefs gegenüber Werten und gegenüber dem Verständnis des Unterschieds zwischen Aggressor und Opfer. Zugleich offenbart sie Trumps Megalomanie: Indem er Putin oder andere Staats- und Regierungschefs der Welt in einen Friedensrat einlädt, in dem er aus irgendeinem Grund lebenslanger Vorsitzender sein will, macht er sich durch eigene Ernennung faktisch zu einer Art Präsidenten des Planeten auf unbestimmte Zeit – unabhängig von den Wählern der Vereinigten Staaten. Und was die übrigen Staats- und Regierungschefs der Welt darüber denken oder was die Wähler in den Vereinigten Staaten davon halten, scheint Trump nicht zu interessieren.

Er lädt die Staats- und Regierungschefs nicht einfach in den Friedensrat ein, sondern zwingt sie faktisch zur Teilnahme. So betonte der amerikanische Präsident auf die Frage, was geschehen werde, falls der französische Präsident Emmanuel Macron die Teilnahme an dieser Trump’schen Struktur verweigere, umgehend, dass er neue Zölle auf französische Produkte verhängen werde. Außerdem müsse man mit Macron ohnehin nicht rechnen, da er bald nicht mehr Präsident Frankreichs sein werde, betonte Donald Trump – der selbst nur noch bis 2029 Präsident der Vereinigten Staaten bleiben wird. Und so stellt sich für viele eine durchaus logische Frage: Was wird mit all diesen Friedensräten und anderen Projekten geschehen, nachdem die politische Karriere des amerikanischen Präsidenten beendet ist? Und was wird aus all den Sicherheitsgarantien, die Trump im Rahmen neuer Institutionen den Ländern geben will, die in die Rolle von Opfern von Aggression geraten, nachdem der amerikanische Präsident kein reales Amt mehr innehat, das ihn in die Lage versetzen würde, auf andere Staats- und Regierungschefs Einfluss auszuüben?

Putin hat auf Trumps Einladung bislang übrigens nicht reagiert. Sein Pressesprecher Peskow erklärte lediglich, man prüfe im Kreml diese amerikanische Einladung. Denn Putin könnte befürchten, dass er im Falle einer Mitgliedschaft im Friedensrat zu einem Untergeordneten eines neuen internationalen Präsidenten würde und gezwungen wäre, dessen Anweisungen unter der Androhung neuer Sanktionen und Zölle zu befolgen – diesmal sogar nicht wegen des russisch-ukrainischen Krieges, sondern schlicht wegen einer „falschen“ Abstimmung bei einer weiteren Sitzung. Und wie wir verstehen, ist das keineswegs ein Scherz. Denn von Anfang an schien die Teilnahme am Friedensrat freiwillig zu sein, und er sollte nicht aus Staaten, sondern aus einzelnen Vertretern bestehen, die den Friedensprozess im Gazastreifen überwachen sollten – einen Prozess, der kaum vorangekommen ist, da es den Organisatoren nicht gelungen ist, die Terrororganisation Hamas zu entwaffnen und damit reale Voraussetzungen für eine Stabilisierung im Gazastreifen zu schaffen.

Nun gibt es auch diese Entwaffnung nicht. Und selbst die Zusammensetzung des Friedensrates missfällt dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, der bereits entschiedenen Protest gegen Trump eingelegt hat, nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten die Staats- und Regierungschefs der Türkei und Katars zur Teilnahme am Friedensrat eingeladen hat. Und man kann dem Friedensrat nicht fernbleiben, denn in diesem Fall würde der beleidigte Präsident der Vereinigten Staaten wirtschaftliche Zölle gegen jene Länder verhängen, deren Staats- und Regierungschefs sich weigern, an dieser erstaunlichen Konstruktion teilzunehmen.

Und das Wichtigste: In diesem Friedensrat wird Putin vertreten sein. Derselbe Putin, der mit seinen Verbrechen gegen die Ukraine und ihr Volk die Praktiken der Terrororganisation Hamas im Nahen Osten nachahmt oder den Hamas-Terroristen sogar vorführt, was echte Grausamkeit bedeutet. Und in dieser Entscheidung Trumps liegt selbstverständlich eine sehr ernste Falle für die Zukunft. Er zeigt einmal mehr, dass er Putin – ungeachtet aller Verbrechen des russischen Präsidenten und ungeachtet seines offensichtlichen Unwillens, den russisch-ukrainischen Krieg selbst unter Druck des Weißen Hauses zu beenden – weiterhin als Partner in internationalen Angelegenheiten betrachtet. Nicht in irgendeinem einzelnen Bereich, sondern als Partner im internationalen Geschehen überhaupt.

Putin, über den Trump bereits seit den ersten Tagen seiner ersten Präsidentschaft begeistert gesprochen hat und der für ihn stets eines der Beispiele dafür war, wie man Staaten führen sollte, bleibt selbst jetzt, nach vier Jahren eines grausamen russisch-ukrainischen Krieges, eine Person, die in einen Friedensrat eingeladen werden kann – in einen Rat, dessen Aufgabe gerade der Frieden sein sollte und nicht die Fortsetzung von Krieg, Tötungen, Verbrechen und Bombardierungen.

Und das ist alles, was man über die internationale Moral verstehen muss – nicht einmal über die Moral Putins selbst. Mit Putin ist, so scheint es, seit Langem alles klar. Es geht vielmehr um die internationale Moral jener, die heute Strukturen wie den Friedensrat schaffen und den größten demokratischen Staat der modernen Welt führen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп кличе Путіна до «Ради миру» | Віталій Портников. 20.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 20.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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