Wie man Putin stoppt. Vitaly Portnikov. 06.01.2026.

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Nach dem Treffen mit den Beratern der Staats- und Regierungschefs der Länder, die die Ukraine unterstützen, äußerte Volodymyr Zelensky die Hoffnung auf ein rasches Ende der Friedensverhandlungen. Tatsächlich finden Diskussionen statt – sowohl zwischen den ukrainischen und amerikanischen Verhandlungsteilnehmern als auch zwischen den Beratern für nationale Sicherheit der Ukraine und der europäischen Länder sowie zwischen den Chefs der Generalstäbe. Und in Kürze wird auch ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der „Koalition der Willigen“ stattfinden. Ich hoffe, dass wir bei diesem Treffen nicht nur Worte der Unterstützung für die Ukraine in den kommenden Kriegsjahren hören werden, sondern auch von konkreten Maßnahmen erfahren, die mit einer Stärkung dieser Unterstützung verbunden sind.

Gleichzeitig findet dieser gesamte Verhandlungsprozess in einem Modell statt, das ich als das „Modell des Friedensgipfels“ in der Schweiz bezeichnen würde. Damals gelang es der ukrainischen Diplomatie, auf einem der besten Bergkurorte des Alpenlandes die Spitzenvertreter dutzender Staaten der Welt zu versammeln. Volodymyr Zelensky stellte seine Friedenspläne vor, und die Gäste des luxuriösen Hotels bekundeten dem ukrainischen Präsidenten und seinem Team ihre aufrichtige Unterstützung. Das war ein echter Erfolg der ukrainischen Diplomatie.

Doch schon damals stellten sich viele die logische Frage: War das ein Gipfel über den Frieden oder doch eher über die Unterstützung der ukrainischen Standhaftigkeit? Denn über Frieden kann man nicht sprechen, ohne die Führung des Landes einzubeziehen, das diesen aggressiven Krieg begonnen hat. Russland wurde zu einem solchen Gipfel natürlich nicht eingeladen, und Präsident Putin zeigte auch keinerlei Wunsch, an einem solch repräsentativen Forum teilzunehmen. Sowohl damals wie heute war Putin auf den Krieg gegen die Ukraine fokussiert und nicht auf die Suche nach Wegen zum Frieden.

Heute ist die Situation natürlich schon allein deshalb eine andere, weil sich der amerikanische Ansatz grundlegend geändert hat. Präsident Joe Biden brach nach Beginn der großangelegten Invasion in die Ukraine alle Kontakte zu Putin ab. Präsident Donald Trump hingegen nahm diese Kontakte nicht nur wieder auf, sondern zog seinen russischen Kollegen sogar in einen Verhandlungsprozess hinein.

Und was sehen wir? Wir sehen den Wunsch des Kremls, diesen Prozess in die Länge zu ziehen. Das zeigte sich besonders deutlich nach den jüngsten Gesprächen der Präsidenten Donald Trump und Volodymyr Zelensky in Washington. Um nicht auf mögliche gemeinsame Vereinbarungen reagieren zu müssen, die von den Präsidenten hätten beschlossen werden können, erfand Putin eine ganze dramatische Geschichte über den angeblichen Beschuss seiner Residenz in Waldai. Und am Ende gab es statt einer Abstimmung der Positionen neue Prognosen und Meldungen über eine „Überprüfung der Verhandlungsposition“ des Kremls. So wissen wir jetzt nicht einmal mehr, auf welcher Ebene die russisch-amerikanischen Kontakte über Frieden weitergeführt werden – und ob sie überhaupt noch fortgesetzt werden. Und überhaupt: Man kann unendlich lange Details abstimmen. Aber welche Bedeutung haben Details, wenn wir die Antwort auf die Hauptfrage nicht kennen: Will Präsident Putin den Krieg überhaupt beenden?

Doch, genau gesagt, wir kennen die Antwort. Präsident Putin will den Krieg nicht beenden und versucht alles, um Präsident Trump davon abzuhalten, härter gegen Moskau vorzugehen. Können wir wirklich sagen, dass ihm das gar nicht gelingt?

Nein, das können wir nicht. Der aktuelle „Friedensprozess“ mit all diesen Treffen und der „Shuttle-Diplomatie“ von Witkoff und Kushner wurde vom Kreml ausschließlich aktiviert, um die Umsetzung amerikanischer Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil zu verhindern und den Europäern keine Möglichkeit zu geben, eingefrorene russische Vermögenswerte zugunsten der Ukraine zu konfiszieren. Ja, die Sanktionen wurden letztlich doch verhängt. Aber sein Geld hat Putin – nicht ohne amerikanische Unterstützung – gerettet. Denn im Weißen Haus überzeugte man die Europäer, dass die Konfiskation der Vermögenswerte den phantomhaften „Friedensplan“ von Präsident Trump zum Scheitern bringen würde.

Die Europäer haben jedoch dennoch Geld für die Ukraine gefunden – ihr eigenes. Und das war eine unangenehme Überraschung für Putin, der nicht übersehen kann, dass die ukrainische Wirtschaft in den nächsten zwei Jahren nicht „zusammenbrechen“ wird. Und die russische?

Wenn Putin sich der Risiken bewusst wäre, wäre er offensichtlich zu echten Verhandlungen über ein Ende des Krieges bereit. Doch der russische Machthaber hat der Wirtschaft nie große Aufmerksamkeit geschenkt: Was ist schon Wirtschaft im Vergleich zu seinen geopolitischen Wahnvorstellungen?

Und vielleicht liegt genau in dieser Weigerung Putins, die wirtschaftlichen Realitäten der kommenden Jahre zu begreifen, die Antwort auf die Frage nach den Möglichkeiten, den Krieg zu beenden. Ja, mit Putin lässt sich nicht verhandeln – so optimistisch auch die Erklärungen von Trump oder Zelensky über den Verhandlungsprozess klingen mögen.

Ihm aber das Geld und die Ressourcen für die Fortsetzung des Krieges zu entziehen, das kann gelingen – wenn auch nicht mit der Geschwindigkeit, die wir uns alle wünschen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Як зупинити Путіна. Віталій Портников. 06.01.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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