Putin will „Noworossija“ besetzen | Vitaly Portnikov. 04.12.2025.

Der Präsident Russlands, Wladimir Putin, hat erneut Noworossija erwähnt. In seinem Interview am Vorabend seines Besuchs in Indien betonte Putin, dass Russland in jedem Fall den Donbass und Noworossija befreien werde – auf militärischem oder anderem Wege.

Bezeichnend ist, dass Putin inzwischen keineswegs mehr nur von der Region Donezk spricht. Und es bleibt nur zu verstehen, von welcher „Noworossija“ er spricht, wenn er die Notwendigkeit ihrer „Befreiung“ betont. Geht es dabei um die Gebiete der ukrainischen Regionen Saporischschja und Cherson? Wie bekannt ist, wurde ein Teil dieser Territorien bereits 2022 von den Russen besetzt und später innerhalb der administrativen Grenzen der ukrainischen Regionen Saporischschja und Cherson annektiert. Oder geht es um einen umfassenderen Plan – jenes politische Projekt, von dem wir Putin während der Sitzung der Föderalversammlung der Russischen Föderation anlässlich der Annexion der Krim sprechen hörten?

Gerade damals erwähnte Putin das sogenannte bolschewistische „Geschenk“ an die Ukraine, das mit den meisten östlichen und südlichen Regionen unseres Landes zusammenhänge. Und genau dieses Gebiet wurde in Moskau damals als Noworossija bezeichnet, das – wie wir heute verstehen – Teil der Russischen Föderation werden sollte.

Übrigens sprach Putin auch am 24. Februar 2022, als er sich mit der Ankündigung des Beginns der sogenannten speziellen Militäroperation an seine Landsleute wandte, davon, dass Russland die Rechte aller „Völker“ der Ukraine gewährleisten müsse.

Fragen Sie mich bitte nicht, welche Völker das sein sollen, wenn die überwältigende Mehrheit der Einwohner der Ukraine ethnische Ukrainer sind. Aber wir erinnern uns ja, wie 2014 plötzlich das „Volk des Donbass“, das „Volk der Region Donezk“ oder „der Region Luhansk“ auftauchte. Später erschienen dann das „Volk der Region Saporischschja“ oder „der Region Cherson“, und Teile der von Russland besetzten Gebiete erklärten bei Pseudoreferenden, sie seien nun unabhängige Staaten, die sich Russland anschließen wollten.

Genau auf diese Weise wollte Putin auch 2022 vorgehen. Er hoffte, dass die Marionettenregierung, die er in Kyiv nach der Einnahme der Stadt durch russische Truppen installieren wollte, einer ganzen Reihe von Referenden im Osten und Süden der Ukraine zustimmen würde. Und selbstverständlich würden die Teilnehmer dieser Fake-Referenden der Ausrufung der „Unabhängigkeit“ dieser ukrainischen Regionen mit anschließendem Anschluss an Russland zustimmen.

Und jener Teil der Ukraine, der nicht von diesem Referendumsprogramm erfasst worden wäre, sollte sich selbstverständlich in eine neue Belarus verwandeln – ein Land, das von einer putinschen Marionette geführt würde und alle Wünsche Russlands erfüllen müsste, allerdings in verkleinerter Form.

Das war übrigens genau jener Blitzkrieg-Plan, von dem wir bereits im Februar 2022 gesprochen haben. Nun kehrt Putin offenbar zu diesem Modell zurück – vor dem Hintergrund seiner Verhandlungen mit den Vertretern Trumps, Steve Witkoff und Jared Kushner.

Und das zeigt ein weiteres Mal, dass die sogenannten russischen Bedingungen in diesen Verhandlungen nichts Reales bedeuten. Wenn Ukrainer beginnen, ernsthaft darüber zu diskutieren, ob man vielleicht tatsächlich einen Teil der Region Donezk aufgeben müsse, damit der Krieg endet, und wenn Trump oder Rubio davon sprechen, dass es sich nur um ein kleines Gebiet handele, das von ukrainischen Truppen gehalten werde und ohnehin früher oder später von Russland besetzt würde – dann übersehen sie eine ganz einfache Sache.

Es geht überhaupt nicht um den Donbass. Es geht darum, dass Putin Bedingungen stellt, die vor allem auf die Destabilisierung der politischen Lage in unserem Land abzielen. Er will mithilfe Trumps die ukrainische politische Führung dazu zwingen, sich zumindest mit der Besetzung der Region Donezk durch russische Truppen abzufinden – mit der Aufgabe jener Festungen, die die ukrainischen Streitkräfte seit vielen Jahren verteidigen. Und sobald das geschieht – worauf Putin hofft, dass es zu einer scharfen Destabilisierung des politischen Lebens in unserem Land führen wird –, werden die Russen sofort wieder von Noworossija sprechen und vom ukrainischen Führung verlangen, auch aus den Regionen Saporischschja und Cherson die Truppen abzuziehen.

So ist auch Hitler vorgegangen. Zunächst verlangte er von der Tschechoslowakei die Übergabe der Kontrolle über das Sudetenland. Als der britische Premier Neville Chamberlain und der französische Premier Daladier diesen Forderungen Adolf Hitlers zustimmten, wurde schon wenige Monate später der Präsident der verkleinerten Tschechoslowakei nach Berlin zitiert und darüber informiert, dass er der Umwandlung seines Landes in das Protektorat Böhmen und Mähren zustimmen und noch in der Reichskanzlei seine Zustimmung zur faktischen Liquidierung der Souveränität und Unabhängigkeit seines Staates unterschreiben müsse.

Für die Ukraine hat Putin einen vollkommen identischen Plan. Gerade deshalb sollte man sich nicht selbst täuschen. Es gibt keine Bedingung eines Abzugs der ukrainischen Truppen aus der Region Donezk im Austausch für einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front und erst recht nicht für ein Ende des Krieges als solchem. Es gibt Putins klares Verständnis, dass die östlichen und südlichen Regionen der Ukraine von Russland kontrolliert werden und Teil Russlands werden müssen.

Und natürlich kann Putin nach der Salamitaktik vorgehen: Zuerst die Region Donezk fordern, dann Cherson und Saporischschja – und danach, wie wir verstehen, auch Charkiw, Mykolajiw und Odesa. Denn der Entzug des Zugangs der Ukraine zum Meer ist – selbst wenn es nicht gelingt, die staatliche Souveränität unseres Landes vollständig zu zerstören – ebenfalls eines der wichtigen Ziele der russischen Führung und, ich würde sagen, auch eines der wichtigen Ziele des russischen Volkes, das diese expansionistischen Absichten seines Präsidenten unterstützt.

Und hier bleibt nur noch zu verstehen: Verstehen die Amerikaner das eigentlich? Es scheint, sie verstehen es. Denn derselbe Donald Trump hat wiederholt gesagt, dass Putin offenbar die ganze Ukraine braucht – und nicht nur den Donbass oder die sogenannte Noworossija.

Und wenn sie das verstehen – warum verhalten sie sich dann inadäquat, warum verschließen sie die Augen vor den wahren Absichten des russischen Präsidenten, warum unternehmen sie keine Anstrengungen, die auf die Eindämmung von Putins expansiven Bestrebungen gerichtet wären? Denn es ist absolut offensichtlich: Wenn er diesen Weg weitergeht, wird er nicht bei der Ukraine haltmachen. Die Destabilisierung der Lage in Europa wird ebenfalls eines der wichtigen Elemente der weiteren russischen Politik werden.

Das logisch zu verstehen, wie auch alle anderen Handlungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, fällt mir, wie Sie verstehen, ziemlich schwer. Doch die Tatsache bleibt bestehen: Gerade vor dem Hintergrund der Verhandlungen mit Witkoff und Kushner, gerade vor dem Hintergrund des Treffens amerikanischer Vertreter mit der ukrainischen Delegation unter Leitung des Sekretärs des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates Umerow, spricht Putin völlig ruhig – als hätte es diese fast vier Jahre des großen russisch-ukrainischen Krieges nie gegeben – von Noworossija, die von den russischen Streitkräften „befreit“ werden müsse. So, als hätte es sonst überhaupt nichts gegeben. So, als hätte man nicht einmal diesen reduzierten Katalog putinscher Forderungen in Gestalt eines Teils der Region Donezk diskutiert.

Deshalb sollte man weder wir noch Trump, noch Witkoff, Kushner und Rubio, noch all jene, die die wahren Ziele der russischen expansionistischen Politik in Richtung Ukraine verstehen wollen, in Illusionen leben.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін хоче окупувати «Новоросію» | Віталій Портников. 04.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 04.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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