Arestowytsch wirft sich Sobtschak zu Füßen | Vitaly Portnikov. 07.10.2025.

Oleksij Arestowytsch ist wieder auf Computerbildschirmen aufgetaucht – diesmal an der Seite der russischen Propagandistin Xenija Sobtschak, die der Kreml in der Regel mit besonders heiklen und wichtigen Missionen betraut.

Man könnte sich natürlich die Zeit nehmen, mit dem ehemaligen Berater des ukrainischen Präsidialamtes eine ideologische Debatte zu führen. Doch all jene Thesen, die Arestowytsch in diesem Interview äußert, sind seit Jahrhunderten bekannt und werden von Moskau seit jeher genutzt, um bei den Ukrainern ein Minderwertigkeitsgefühl zu erzeugen – mit dem Ziel, über die Ukraine zu herrschen.

Um also keine Zeit mit dieser klassischen Form der Unterwerfung vor dem Kreml zu verschwenden, will ich nur eines sagen: Wäre es nicht der „kollektive Arestowytsch“ gewesen, der in Russland die Illusion eines schnellen Sieges über die Ukraine geschaffen hat – die Illusion, dass Ukrainer russische Soldaten mit Blumen empfangen und Panzer küssen würden –, dann hätte es diesen Krieg überhaupt nicht gegeben. Es gäbe keine tausenden Toten, keine Bombardierungen, kein Leid, keine Millionen Geflüchteten.

Dieser Krieg ist das Werk dieses „kollektiven Arestowytsch“, der weiterhin jene beschuldigt, die den Russen immer wieder klar gemacht haben, dass die Ukraine eine eigenständige Zivilisation ist, die man nicht mit bloßer Gewalt bezwingen kann. Und nachdem Arystowytsch bereits an der Seite des Ideologen des russischen Faschismus, Alexander Dugin, aufgetreten ist, kann es aus meiner Sicht keine offenen Fragen mehr zu seinen Ansichten geben.

Die einzigen Fragen, die bleiben, richten sich an jene, die ihm einst einen offiziellen Status verliehen haben – und ihm damit ermöglichten, im Namen des ukrainischen Staates und der ukrainischen Regierung aufzutreten. Sie haben damit die Bürger eingelullt und in ihnen unrealistische Illusionen geweckt, die – wenn sie an der Realität zerschellen – selbstverständlich zu gesellschaftlicher Destabilisierung, Enttäuschung und Resignation führen.

Und hier kommen wir zum Kernpunkt: Warum braucht der Kreml Arestowytsch gerade jetzt? Und warum so sehr, dass Xenija Sobtschak persönlich gekommen ist, um mit dem ehemaligen Berater zu sprechen?

Die Antwort ist recht einfach. In Moskau werden derzeit zwei mögliche Szenarien für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges diskutiert:

1. Szenario eins: Moskau gelingt es, die ukrainische Staatlichkeit zu zerstören. Ein Teil dieses Plans ist die Destabilisierung der ukrainischen Gesellschaft. In der Präsidialverwaltung der Russischen Föderation ist man überzeugt, dass die Ukrainer ihren Staat während eines Abnutzungskrieges selbst zerstören sollen, um der russischen Armee die Aufgabe zu erleichtern.

Damit dies gelingt, muss das gesellschaftliche Klima weiter destabilisiert werden: Spaltung, Chaos, ein tiefer Graben zwischen Staat und Gesellschaft, Krisen innerhalb der ukrainischen Armee.

Die gesellschaftliche und staatliche Erosion der Ukraine soll schließlich zur Kapitulation führen – und damit zur Annexion ukrainischer Gebiete durch die Russische Föderation. Genau das, was Putin schon 2022 wollte. Und genau dazu soll Arestowytsch – so hofft man im Kreml – mit seinen Äußerungen beitragen.

2. Szenario zwei: Moskau gelingt es nicht, die gesamte Ukraine zu besetzen. Dann muss man sich mit jenen Gebieten zufriedengeben, die bereits unter der Kontrolle der Besatzungsarmee stehen. Doch auf dem Teil des Territoriums, der unter der Kontrolle einer legitimen ukrainischen Regierung bleibt, werden früher oder später Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattfinden.

Und aus Moskauer Sicht sollen bei diesen Wahlen jene Kräfte gewinnen, die die Ukraine wieder in den russischen Einflussbereich zurückführen und alle Opfer des ukrainischen Volkes in diesem brutalen Krieg vergeblich machen. Hier ist vom sogenannten „georgischen Szenario“ die Rede.

Damit ein solches Szenario Wirklichkeit werden kann, braucht es Politiker, die zu solchen Kompromissen bereit sind. Und über ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung muss man schon heute nachdenken, damit jene Ukrainer, die ihr Land weiterhin als Teil der „russischen Welt“ betrachten und nach einem Kriegsende auf eine Annäherung an Russland hoffen, nicht ohne politische Führungsfiguren und Idole dastehen.

In Moskau ist man sich offenbar bewusst, dass die alten pro-russischen Politiker und Agenten, die über Jahrzehnte die ukrainische Staatlichkeit untergraben und den Boden für ihre Vernichtung bereitet haben, nicht mehr das Vertrauen einer ausreichenden Zahl von Ukrainern genießen, um durch Wahlen an die Macht zu kommen. Deshalb sucht Moskau nach neuen Kollaborateuren. Deshalb versucht man dort, diese Kollaborateure „heranzuziehen“ und sie dem künftigen Wählerpotential pro-russischer, anti-ukrainischer Kräfte zu präsentieren.

Aus dieser Perspektive könnte Oleksij Arestowytsch durchaus einer der Kandidaten für dieses Lager der ukrainischen „Quislinge“ werden. Zumal er selbst alles dafür tut, dass man ihn im Kreml für den „besten Schüler des russischen Drachen“ hält.

Und wenn jemand ein so starkes Verlangen hat, dann kann ihm Xenija Sobtschak mit ihrer Präsenz in einem Interview mit dem ehemaligen Berater des ukrainischen Präsidenten helfen, die passenden Narrative zu formen.

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