Kosten des Menschenlebens. Nadija Bila. 04.10.2025.

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„Nadja, ich konnte ihn nicht retten. Ich konnte einfach nicht…“ – Das sind die schlimmsten Worte, die ich manchmal von meinen Kampf-Sanitätern höre.

Nicht, weil es ihnen an Wissen oder Fähigkeiten mangelt – meine Sanitäter können unglaublich viel, und ihre Erfahrung in der Notfallversorgung übertrifft in vielen Fällen sogar die mancher medizinischer Fachkräfte.

Nein – sie konnten ihn nicht retten, weil er zu spät gebracht wurde, weil er verblutet oder erfroren war.

Oder weil es einfach an Ressourcen fehlte…

Und genau über diese Ressourcen möchte ich schreiben.

Zunächst möchte ich klarstellen: Der Staat gibt uns etwas!

Aber bei weitem nicht alles – und nicht so schnell, wie es nötig wäre.

Ein konkretes Beispiel: intraossärer Zugang.

Das ist ein Gerät, mit dem man innerhalb von Sekunden eine Nadel direkt in den Knochen einführen kann, um Flüssigkeiten und Medikamente schnell und sicher zu verabreichen, wenn beim Verwundeten keine Venen mehr auffindbar sind und eine normale Infusion nicht mehr gelegt werden kann.

Genau das ist in dem Fall passiert, den ich ganz am Anfang meines Beitrags erwähnt habe.

Aber wir hatten keinen intraossären Zugang. Sie werden uns nicht ausgegeben.

Der Grund ist banal: Sie sind sehr teuer – etwa 6.000 Hrywnja – und sie sind Einwegartikel.

(Es gibt auch wiederverwendbare Geräte, aber diese sind komplizierter in der Handhabung und es dauert länger.)

Selbst hier in meinem improvisierten Stabilisierungszentrum habe ich nur ein einziges Exemplar – das, was ich mir selbst von meinem eigenen Geld gekauft habe.

Ich habe es gekauft, um eines Tages das Leben eines Ehemannes oder eines Sohnes von jemandem zu retten… Denn genau deshalb bin ich hierhergekommen.

Aber ich kann nicht von meinen Untergebenen verlangen, dass sie – wie ich – Kredite aufnehmen, um alles Nötige aus eigener Tasche zu kaufen!

Und doch tun sie es oft trotzdem.

Doch ich habe ja euch alle.

Und dank euch hat nun einer meiner Kampf-Sanitäter ein solches Gerät – dort, wo inzwischen weit mehr Menschen gefallen sind als in Bachmut.

Ja, dieses Gerät ist einmalig verwendbar.

Aber wenn damit ein einziges Menschenleben gerettet werden kann – sind diese 6.000 Hrywnja dann wirklich so viel?

Sind nicht jene Menschen, die um den Preis ihres eigenen Lebens und ihrer Gesundheit jeden Meter unseres Landes verteidigen, für euch unbezahlbar?

Das ist nur ein Beispiel. Ein anderes ereignete sich vor drei Tagen.

Unsere Position wurde beschossen. Alles verbrannte – einschließlich des medizinischen Rucksacks unseres Sanitäters Dmytro Belakh.

Ich rufe ihn an und frage:

„Kamerad, bist du völlig ohne Ausrüstung? Oder hast du noch etwas, sodass wir einen Antrag an die Brigade stellen und von dort Material bekommen können?“

Dmytro antwortet ruhig:

„Keine Eile, ich habe den Rucksack von ‚Aibolit‘ genommen, wir können also warten.“

Puh! (Einen Sanitäter-Rucksack von Grund auf neu zusammenzustellen, kostet etwa 100.000 Hrywnja.) Ich konnte erstmal aufatmen – für einen Tag.

Denn einen Tag später wurde auch Aibolit selbst dringend dorthin geschickt, wo die Hölle tobt…

Er ruft mich an und sagt:

„Ich habe zwei Stunden Zeit zum Packen. Was soll ich tun?“

Wäre ich auf dem Hauptstützpunkt, hätte ich das Problem sofort gelöst, im schlimmsten Fall hätte ich meinen eigenen Rucksack abgegeben. Aber wie ihr wisst, sitze ich seit einem Monat in diesem verdammten Keller – in unserem Stabi-Zentrum.

Und wieder einmal hat uns eure finanzielle Hilfe gerettet.

Wie meine Tochter durch alle Apotheken und Lager rannte, um diesen Rucksack zusammenzustellen, ist eine eigene Geschichte. Aber das Wichtigste ist: Sie hat es rechtzeitig geschafft!

Und wieder einmal dank euch und euren Spenden.

Und all das ist buchstäblich in den letzten drei Tagen passiert.

Und so ist es sehr oft:

Ihr öffnet einfach eure PrivatBank-App, überweist eine Spende, und ein paar Stunden später wird daraus eine Ampulle Blutstillungsmittel oder Schmerzmittel…

Und das bedeutet:

👉 Es ist ein Menschenleben.

Paypal von Nadija Bila:

nadya11071982@gmail.com

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