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Die Ukrainische Revolution auf dem Granit habe ich damals mit dem verglichen, was zur selben Zeit in der russischen Hauptstadt geschah. Moskau war damals tatsächlich ein Zentrum des Wandels – sowohl politisch als auch gesellschaftlich.
Doch das Interessante war: Die Hauptakteure dieser Veränderungen waren Menschen mittleren Alters und bereits ältere „Sechziger“ – Vertreter der Intelligenz, die in den 1960er Jahren politisch aktiv gewesen waren. Es gab keine jugendlichen Proteste wie bei der Revolution in Kyiv. Fast keine jungen Politiker – selbst Boris Nemzow war eher eine Ausnahme als die Regel. Sogar junge politische Journalisten waren dort kaum zu finden – mit meinen 23 Jahren war ich etwa zehn Jahre jünger als selbst die jüngsten Moskauer Kollegen, während ich in Kyiv mit Altersgenossen zusammenarbeitete und mich mit ihnen anfreundete.
All das hat mich schon damals beunruhigt, denn ich fragte mich: Wenn selbst in Moskau die Jugend so unpolitisch ist (und wenn es überhaupt aktive Organisationen gab, dann waren es meist nationale, wie etwa unser „Ukrainischer Jugendklub“), wer wird dann in Zukunft an Veränderungen interessiert sein?
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Die Teilnehmer der Revolution auf dem Granit wurden später aktive politische und gesellschaftliche Akteure. Man sah sie auf den Maidanen, im Kulturzentrum „Dzyga“, in der Regierung und im Parlament – und allein durch ihre anhaltende Haltung der Nicht-Gleichgültigkeit prägten und inspirierten sie die Jugend.
Die russischen Befürworter des Wandels hingegen alterten, wurden zu Randfiguren oder Emigranten – während die junge Generation der Perestroika-Zeit sich dem Geldverdienen zuwandte und betonte, dass sie „noch nie so gut gelebt“ habe wie unter Putin – ganz im Gegensatz zu ihren Eltern in den 1990er Jahren.
Und auf den Protesten der Opposition sah man immer wieder dieselben Menschen aus den 1990ern – die sogenannte „DemSchiza“ (abwertend für demokratische Oppositionelle) – und nur eine Handvoll Kinder und Schüler, die nichts gegen die allgemeine Gleichgültigkeit ihrer Eltern ausrichten konnten.
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