
https://www.facebook.com/share/p/1A4HgApNtj/?mibextid=wwXIfr
Die Informationskampagne rund um den Rücktritt von Dmitri Kosak aus der Verwaltung des russischen Präsidenten zeigt erneut die Verwundbarkeit nicht nur unseres, sondern auch des westlichen Medienraums gegenüber kremlgesteuerten Informationsmanipulationen.
Die Informationen über angeblich „friedliebende“ Ansichten Kosaks beruhen auf Erzählungen einiger „Kreml-Insider“. Ich bin überzeugt: Solche „Insider“ existieren nicht in einem freien Vakuum – diese Mitteilungen werden in der Präsidialverwaltung Russlands abgestimmt und anschließend westlichen Journalisten zugespielt. Wozu? Um die gewünschte Erzählung aufzudrängen.
Man versucht uns zu überzeugen, dass Kosak bei der bekannten Sitzung des Sicherheitsrates angeblich „gegen den Krieg“ auftrat und ein Teil seines Auftritts später entfernt wurde. Doch bei jener Sitzung ging es überhaupt nicht um einen Krieg mit der Ukraine – es ging um die Anerkennung der „Volksrepubliken“. Kosak war zusammen mit Naryschkin einer der Beamten, die die weitere Eingliederung dieser Gebiete in die Russische Föderation erörterten. Und selbst am Ende der Sitzung verstand niemand, in welchen konkreten Grenzen diese „Republiken“ anerkannt werden – das heißt, die Frage von Krieg oder Frieden stand dort öffentlich schlicht nicht zur Debatte.
Uns wird außerdem der Mythos aufgedrängt, Kosak habe Putin überzeugt, die Ukraine habe sich angeblich damit einverstanden erklärt, nicht der NATO beizutreten, und daher gebe es keine Gründe für den Krieg. Das ist ein typischer Kreml-Narrativ in den Händen westlicher Medien. Der NATO-Beitritt der Ukraine war niemals der Hauptgrund der Aggression – das zeigt am besten das Beispiel Finnlands. Der wahre Grund des Krieges ist das bloße Existieren einer souveränen Ukraine. Kosaks Aufgabe lag in etwas anderem: ukrainische Führungskräfte in politische Fallen zu locken, die Lage in der Ukraine zu destabilisieren und die Zerstörung ihrer Staatlichkeit mit politischen – und nicht nur militärischen – Methoden zu fördern.
Kosak versuchte tatsächlich, auf diese Weise zu arbeiten – genauso wie er es zuvor in Moldau tat – und deshalb überrascht seine Ernüchterung in den letzten Verhandlungsrunden niemanden. Er mochte glauben, er könne noch „darauf hinarbeiten“, die Ukraine ohne direkte Kampfhandlungen zu zerstören. Doch genau darin liegt der Unterschied zwischen denen, die meinen, den Feind könne man politisch vernichten, und denen, die bereit sind, „den Kopf mit Gewalt abzuschlagen“.
Die Geschichte um Kosak ist also keine private Tragödie eines Kreml-Beamten. Sie ist ein klassisches Beispiel einer Informationsspezialoperation und des Vorantreibens kremlscher Narrative. Derweil führt Putin den Krieg fort und träumt davon, die ukrainische Staatlichkeit von der politischen Weltkarte zu tilgen. Genau damit hat sich Dmitri Kosak in den letzten Jahren im Grunde befasst.