Von Kirow zu Kirk: Geschichte und Gegenwart politischer Morde. Vitaly Portnikov. 11.09.2025.

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Jedes politische Attentat ist nicht nur wegen des Opfers wichtig, sondern auch wegen seiner Folgen. Wegen dessen, wie es genutzt wird.

Horst Wessel, ein junger nationalsozialistischer Sturmtruppmann und Dichter, war keine Schlüsselfigur in Hitlers Partei. Doch sein Tod wurde zum Anlass für die Schaffung einer nationalsozialistischen Ikone und für eine Welle weiterer Repressionen – nicht nur gegen die Kommunisten, die des Mordes beschuldigt wurden, sondern gegen alle Andersdenkenden.

Sergei Kirow hingegen war eine prominente Figur im bolschewistischen Umfeld. Sein Aufstieg in die Führung symbolisierte den endgültigen Sieg Stalins über seine Gegner und die Verwandlung des Politbüros in eine gehorsame Schar von Anhängern. Doch das Attentat auf Kirow wurde für Massenrepressionen im Maßstab der gesamten Gesellschaft instrumentalisiert.

In diesen Geschichten war das politische Motiv nicht immer offensichtlich. Wessel zahlte seiner Vermieterin keine Miete und geriet ständig in Konflikt mit ihr. Kirow wurde von dem Mann seiner Geliebten erschossen. Doch für Diktaturen spielte das keine Rolle. Wichtig war etwas anderes: die Möglichkeit, den Tod zu instrumentalisieren, den Mord in einen Vorwand für staatlichen Terror zu verwandeln.

Das Attentat auf Kirk eröffnete Donald Trump mehrere Wege. Er könnte die Tragödie nutzen, um die Gesellschaft zu konsolidieren, für Einheit im Kampf gegen Radikalisierung. Zugleich aber hat er auch die Möglichkeit, seine eigene „Ikone“ zu schaffen – ein Symbol, das neue Angriffe auf Gegner rechtfertigt und die gesellschaftliche Diskussion von seinen politischen Misserfolgen auf die Suche nach Tätern umlenkt.

Ich habe keinerlei Zweifel: Trump wird genau den zweiten Weg wählen. Die Geschichte zeigt, dass Politiker seines Typs immer genau diesen wählen.

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