Putin benutzt Fico | Vitaly Portnikov. 06.09.2025.

Der slowakische Premierminister Robert Fico, der sich in Peking mit dem russischen Präsidenten Putin und in Uschhorod mit dem ukrainischen Präsidenten Zelensky traf, betonte, dass beide Führer bereit seien, einander zu begegnen. Dabei besteht Putin nicht auf Moskau, und Zelensky wiederum ist sich der Bedeutung eines Treffens mit dem russischen Präsidenten bewusst.

Es sei jedoch daran erinnert, dass auch der Präsident der Ukraine selbst wiederholt hervorgehoben hat, dass er zu einem solchen Treffen bereit ist. Der slowakische Premierminister betonte, dass Putin verstehe, dass sein Treffen mit Zelensky von den Russen nicht wohlwollend aufgenommen würde, ebenso wie Zelensky, der weiß, dass ihm ein solcher Kontakt in der Ukraine selbst keine politischen Punkte einbringen würde. Aber beide Präsidenten verstehen auch, dass der Krieg ohne ihr Treffen weitergehen wird.

Fico mag natürlich Wunschdenken betreiben und die politischen Signale, denen er während seines Gesprächs mit Putin begegnete, falsch deuten. Doch gleichzeitig lässt sich die Ungewöhnlichkeit der Reise des slowakischen Premierministers feststellen. Er traf sich nicht nur mit dem russischen Präsidenten, was für den Führer eines Landes, das der Europäischen Union und der NATO angehört, beispiellos ist, sondern traf sich praktisch unmittelbar nach dieser Begegnung mit Putin auch mit Zelensky.

Und dies war der erste derartige Kontakt des slowakischen Premierministers mit dem Präsidenten der Ukraine seit seiner Rückkehr an die Macht. Früher führte Robert Fico in Uschhorod ausschließlich Gespräche mit dem damaligen ukrainischen Premierminister Denys Schmyhal. Nun aber kam zur Begegnung mit dem slowakischen Premierminister in die Gebietshauptstadt persönlich Volodymyr Zelensky, übrigens zusammen mit Premierministerin Julia Swerydenko, was den Wunsch des ukrainischen Präsidenten unterstreicht, mit dem Premierminister der Slowakei nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Fragen zu erörtern. Und so wirkt es völlig logisch, dass Robert Fico wie ein Mann erschien, der imstande ist, bestimmte Signale von Putin an Zelensky zu übermitteln.

Natürlich wird auf der Ebene des Austauschs öffentlicher Erklärungen alles so bleiben, wie wir es sehen. Putin wird darauf bestehen, dass Zelensky nach Moskau kommen müsse, um sich mit ihm zu treffen. Und Zelensky, was in dieser Situation ebenfalls ein völlig richtiger propagandistischer Schritt ist, wird den russischen Präsidenten nach Kyiv einladen. Und wir alle verstehen, dass Putin nicht nach Kyiv kommen wird, ebenso wie Zelensky selbstverständlich nicht nach Moskau reisen wird.

Doch wenn im Kreml tatsächlich Interesse an Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten besteht, dann kann man dort nicht verkennen, dass ein solches Treffen nicht auf dem Territorium der Russischen Föderation stattfinden darf. Und das Signal der Bereitschaft zu einem solchen Treffen könnte der Kreml durch jene Politiker übermitteln, die gleichzeitig Kontakte zur russischen Führung pflegen und zugleich Teil des europäischen politischen Establishments sind.

Die Liste solcher Personen ist nicht sehr lang. Im Wesentlichen gehören dazu nur Robert Fico und zusätzlich der ungarische Premierminister Viktor Orbán. Letzterer eignet sich jedoch nicht besonders, da er komplizierte persönliche Beziehungen zu Volodymyr Zelensky hat und hartnäckig kurz vor den Parlamentswahlen in Ungarn die Möglichkeit der europäischen Integration der Ukraine blockiert. Und das sogar vor dem Hintergrund entsprechender Erklärungen des US-Präsidenten Donald Trump, auf den Orbán in seinem Bemühen, die Macht in Ungarn zu bewahren, offenbar ohnehin nicht mehr viel Rücksicht nimmt.

Doch die wichtigste Frage lautet: Will Putin tatsächlich den ukrainischen Präsidenten treffen und warum könnte der russische Führer seine Haltung zu einem solchen Treffen überdenken, das Zelensky nun auch in den Augen der russischen politischen Führung legitimieren würde? Und das nach zahlreichen Erklärungen Putins und anderer russischer Beamter, dass Zelenskys Vollmachten längst abgelaufen seien und die Ukraine überhaupt kein echter Staat sei.

Die Antwort auf diese Frage fällt ebenfalls nicht schwer. Es gibt eine wichtige Voraussetzung für ein Treffen zwischen Putin und Zelensky. Sie besteht darin, dass Putin bestimmte Schritte unternehmen muss, damit der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, sich mit der Verhängung neuer Sanktionen gegen die Russische Föderation und ihre Energiesponsoren zurückhält. Und vor allem, dass er der Ukraine nicht die große Menge an Waffen liefert, die unser Land für den weiteren Kampf gegen die Russische Föderation benötigt.

Putin hat bereits eine Reihe solcher Schritte unternommen, die Trump diese Aufgabe erleichterten. Der erste war der Vorschlag, die sogenannten Verhandlungen in Istanbul wieder aufzunehmen. Zur Erinnerung: Die ukrainische Führung war an diesen Verhandlungen nicht interessiert. Sie war sich bewusst, dass Russland sie als Dekoration vorschlug und nicht als ernsthaftes Gespräch über ein Ende des Krieges. Doch auf die Teilnahme einer ukrainischen Delegation an diesen Gesprächen bestand damals persönlich Donald Trump. Und die ukrainische Führung war unter dem Druck Trumps sowie unserer europäischen Verbündeten gezwungen, ihre Position zu ändern und eine Delegation unter der Leitung von Rustem Umjerow nach Istanbul zu entsenden, um sich den Unsinn von Wladimir Medinskij anzuhören, der Russland erneut bei diesen inhaltslosen, dekorativen Verhandlungen vertrat, die einzig dazu dienten, dass Donald Trump von den bereits vereinbarten Sanktionen der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union gegen die Russische Föderation absah.

Der nächste Schritt Putins war der Vorschlag, sich mit Trump persönlich zu treffen. Und wie wir wissen, reagierte der amerikanische Präsident wohlwollend auf diesen Vorschlag. Er verzichtete auf jegliche Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Ablauf seiner fünfzig- oder zehntägigen Ultimaten gegen die Russische Föderation, verhängte keinerlei Sanktionen gegen Russland, applaudierte dem Präsidenten der Russischen Föderation, als dieser aufgebrezelt die Gangway seines Flugzeugs in Anchorage hinabstieg. Und später sagte er auch, dass keinerlei Sanktionen gegen Russland verhängt werden sollten, um den nicht existierenden Verhandlungsprozess nicht zu unterbrechen.

Doch all das ist bereits geschehen. Und nun ist, damit Trump die Möglichkeit hat, keine Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhängen und der Ukraine keine Waffen zu liefern, irgendein außergewöhnlicher Schritt seitens des russischen Präsidenten erforderlich. Und ein solcher außergewöhnlicher Schritt könnte ein Treffen mit Volodymyr Zelensky sein, das übrigens auch völlig realistisch finalisiert werden kann – ohne irgendwelche tatsächlichen Entscheidungen oder Fortschritte, das aber Donald Trump einfach zusätzliche Zeit für die Vorbereitung dieses Treffens, für das Treffen selbst, für die Auswertung der Ergebnisse und für die Erwartung eines neuen Treffens verschafft.

Wenn Putin also die russisch-ukrainische Kriegführung bis zum Ende von Donald Trumps Amtszeit hinauszögern will, könnte ein Treffen mit Zelensky für ihn unausweichlich werden.

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