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In Moskau ist der Exekutivdirektor der MIA „Rossiya Segodnya“, Kyril Wyschynsky, gestorben – einer der Hauptorganisatoren und Akteure des russischen Informationskrieges gegen die Ukraine, treuer Gefährte des fanatischen Dmitri Kisseljow und mein ehemaliger Kommilitone an der Universität in Dnipro.
Mehr noch – ich war es, der im ersten Studienjahr der Philologischen Fakultät Kyril vorschlug, sich mit Journalismus zu beschäftigen. Gemeinsam machten wir Interviews mit bekannten Schauspielern und Sängern, die nach Dnipro kamen, und veröffentlichten sie in unserer Universitätszeitung mit großer Auflage. Wir hielten den Kontakt – schrieben uns Briefe –, als Kyril eingezogen wurde, und auch nach seiner Rückkehr aus der Armee. Doch ich wurde nach Moskau versetzt, während Wyschynsky in Dnipro blieb. Später trafen wir uns in Kyiv wieder. Ich könnte sagen, dass er inzwischen ein völlig anderer Mensch war – aber das wäre nicht ganz ehrlich. Der Unterschied war vielmehr: Als wir uns kennenlernten, spielte Politik keine Rolle. Als wir uns wiedertrafen, bestimmten politische Ansichten bereits die ganze Weltanschauung.
Darum will ich auch keinen „Moment“ suchen, an dem Kyril sich „verändert“ hat. Viele mögen glauben, das sei unter dem Einfluss von Dmitri Kisseljow geschehen, der damals in Kyjiw arbeitete. Aber ich bin sicher, dass beide „Journalisten“ schon damals nicht einfach nur Journalisten waren.
Wann genau Kyril jenen traf, die ihm eine Zusammenarbeit anboten, erfahren wir wohl nur aus Moskauer Archiven – falls überhaupt. Man könnte natürlich meinen, dies sei während seines Militärdienstes geschehen. Aber gleich neben uns – allein an der Physikfakultät – studierte Ihor Lapotjonok, der spätere Regisseur des Propagandafilms „Ukraine in Flammen“ und Produzent von Oliver Stone. Ihor diente nie in der Armee, doch übernahm er dieselben „Ansichten“. Und wenn man heute die Biographien beider Jugendfreunde von mir aufmerksam betrachtet, erkennt man weniger ideologische Verbissenheit als vielmehr fehlende Eigenständigkeit in ihren Handlungen – diese unentrinnbare, schreckliche Schattenmacht Moskaus.
Und deshalb ist das entstellte Leben und der frühe Tod Kyrylo eine Mahnung für all jene, die noch an die Wirksamkeit von Geschäften mit dem eigenen Gewissen glauben oder überzeugt sind, dass das Fehlen eines solchen Gewissens ein glückliches, erfolgreiches Leben garantiere. Nein. Agententätigkeit – unter welchem Deckmantel auch immer – garantiert dir gar nichts, besonders dann nicht, wenn der Preis der Verrat an der Heimat ist.