Vor dem Hintergrund des Besuchs des iranischen Außenministers Abbas Araghchi in der russischen Hauptstadt gibt es Berichte, dass Teheran mit der Rolle Moskaus im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran unzufrieden ist und vom russischen Präsidenten Putin mehr Unterstützung fordert.
Abbas Araghchi brachte einen Brief des obersten Führers des Iran, Ayatollah Chomeini, in die russische Hauptstadt, der Putin gerade dazu auffordert, Teheran stärker zu unterstützen.
Es stellt sich jedoch die Frage, was der russische Präsident tatsächlich in einer Situation tun kann, in der es um einen Austausch von Raketenschlägen zwischen dem Iran und Israel sowie um amerikanische Bombardements iranischer Nuklearanlagen geht.
Selbst bei einer hypothetischer Bodenoperation auf iranischem Gebiet würde Russland kaum eingreifen. Zumal Russland angesichts des andauernden russisch-ukrainischen Krieges keine zusätzlichen Soldaten hat. Dies zeigt sich in der Schwächung der Positionen Moskaus in afrikanischen Ländern oder in Syrien.
Es ist auch offensichtlich, dass Russland dem Iran nicht helfen kann, wenn es um Beschuss des Territoriums dieses Landes durch Israel oder die Vereinigten Staaten geht. Letztendlich hatte Russland auf iranische Drohnen und Raketen gehofft, nicht umgekehrt. Daher fehlt Moskau das zusätzliche militärisch-industrielle Potenzial, das dem Iran im Kampf gegen seine Feinde helfen könnte.
Dabei versuchen die Russen auch so zu tun, als würden sie im Rahmen von Vereinbarungen mit dem Iran selbst handeln. Die Vertreterin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa verlas im Fernsehen die entsprechenden Artikel des russisch-iranischen Abkommens über die strategische Partnerschaft. In diesem Artikel wird betont, dass, wenn einer der Vertragsstaaten Aggression erleidet, der andere sich verpflichtet, dem Aggressor keinen Sieg zu ermöglichen.
Und genau so handelt der Kreml aus der Sicht Russlands. Und dann stellt sich eine ziemlich einfache Frage, sagt Maria Sacharowa zu Journalisten. Wer sind denn diese Provokateure, die Russland auffordern, dem Iran mehr zu helfen?
Offensichtlich sind es dieselben Provokateure, die Putins und Marias Sacharowas Aussagen über die herausragende geopolitische Rolle der Russischen Föderation gehört und all diesem Geschwätz geglaubt haben. Und vielleicht war auch Ajatollah Chamenei unter denen, die all diesem Geschwätz geglaubt haben und sich nun mit entsprechenden Bitten an den russischen Präsidenten wendet.
Putin befindet sich tatsächlich in einer schwierigen Situation. Er muss zumindest ein normales Klima im Gespräch mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, aufrechterhalten, denn genau dieses normale Klima hilft Putin bei seinen Angriffen auf die Ukraine und der Hoffnung auf die Kapitulation des verhassten Landes. Auf diesen Krieg hat Putin, könnte man sagen, alle seine Karten gesetzt, die mit seiner eigenen politischen Zukunft verbunden sind.
Putin muss das Potenzial für weitere Angriffe auf die Ukraine erhalten und versucht, neue ukrainische Regionen zu besetzen.bUnd Putin muss gleichzeitig zeigen, dass sein Land ein wichtiger globaler Akteur bleibt. Aber angesichts des russisch-ukrainischen Krieges und des Unwillens, sich mit dem amerikanischen Präsidenten zu streiten, ist letzteres praktisch unmöglich zu erreichen.
Dass Putin den Iran tatsächlich im Stich gelassen hat, ist eine Fortsetzung seiner früheren geopolitischen Niederlagen. Erinnern wir uns nur daran, dass Russland für das Regime von Baschar al-Assad in Syrien praktisch nichts tun konnte. Als die syrische Opposition ihren Vormarsch auf Damaskus begann, stellten die Russen diese Ereignisse eher fest, als dass sie dem syrischen Präsidenten halfen, die Macht zu behalten.
Die Tatsache allein, dass Baschar al-Assad zusammen mit seiner Familie Asyl auf dem Territorium der Russischen Föderation erhalten hat, kann er als großen politischen Erfolg werten. Und das, obwohl Russland auf dem Territorium Syriens, im Gegensatz zum Territorium des Iran, Stützpunkte für die Logistik all seiner Operationen auf dem afrikanischen Kontinent hat.
Und wir sehen jetzt, wie sich der faktische Verlust dieser Logistik auf die Positionen Russlands in afrikanischen Staaten und auf die Möglichkeiten der afrikanischen Militärregime auswirkt, die dank russischer Unterstützung auf der politischen Landkarte Afrikas erschienen sind.
Dasselbe kann man über den postsowjetischen Raum sagen. In den letzten fast vier Jahren nimmt der Einfluss der Russischen Föderation auf die Ereignisse in den ehemaligen Sowjetrepubliken von Monat zu Monat ab.
Als letzte große Aktion des Kremls kann man den Auftritt russischer Truppen auf dem Territorium Kasachstans im Rahmen der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit im Winter 2022 betrachten. Nach Beginn des großen russisch-ukrainischen Krieges musste Moskau jedoch dieses Kontingent aus Kasachstan abziehen, ebenso wie später seine so genannten Friedenstruppen aus Berg-Karabach.
Und jetzt sehen wir, wie sich die Führer der ehemaligen Sowjetrepubliken an jeden wenden, an Xi Jinping, an Erdoğan, nur nicht an Putin, der als jemand angesehen wird, der erstens ihren Souveränität nicht respektiert und zweitens nicht in der Lage ist, mit Gewalt die politische Situation im postsowjetischen Raum zu seinen Gunsten zu ändern.
Was kann Putin also für Ajatollah Chamenei tun? Und wenn sich im Iran eine Situation ergeben sollte, in der der Ajatollah und seine Anhänger die Macht nicht mehr halten können und der Korps der Revolutionsgarden die Niederlage der theokratischen Kräfte, die die Iraner seit dem Sieg der so genannten Islamischen Revolution 1979 unterdrücken, eingestehen muss, wird Putin nur feststellen müssen, dass ein weiteres Regime, das ein wichtiger Bestandteil der so genannten Achse des Bösen war, seine Möglichkeiten zur Destabilisierung der zivilisierten Welt verloren hat.
Natürlich wird das dem russischen Präsidenten nicht gefallen, aber zum Glück kann er nichts Reales zur Unterstützung dieses kriminellen Regimes tun. Es geht also nicht einmal darum, dass Putin die iranischen Ajatollahs vor dem Hintergrund israelischer und amerikanischer Bombardierungen kaltblütig im Stich lässt.
Sondern darum, dass Putin auch keine wirklichen Anstrengungen unternehmen kann, um diesen Ajatollahs zu helfen, den Konflikt zu gewinnen und die Macht im Iran zu behalten. Die Rolle Russlands als globaler Staat der modernen Welt kann für immer vergessen werden.