Ein neuer Krieg der Atommächte | Vitaly Portnikov. 25.04.2025.

Nach dem Terroranschlag im von Indien kontrollierten Teil Kaschmirs stehen Indien und das Nachbarland Pakistan so nah wie nie zuvor vor einem neuen bewaffneten Konflikt, dessen Vorbereitungen sich buchstäblich vor unseren Augen abspielen.

Indien hat beschlossen, praktisch alle pakistanischen Staatsbürger aus seinem Hoheitsgebiet auszuweisen. Gleichzeitig wurde die Vereinbarung über die Aufteilung der Wasserressourcen zwischen den beiden Ländern ausgesetzt, die seit 1960 in Kraft ist.

In Pakistan wurde bereits betont, dass die Entscheidung zur Aussetzung dieser Vereinbarung als Akt der Kriegserklärung angesehen wird, da dies zu einer schweren Wasser- und damit humanitären Krise in Pakistan führen kann.

Die politischen Eliten beider Länder solidarisieren sich in ihren Erklärungen zur Unterstützung ihrer eigenen Position.

In Indien wird davon ausgegangen, dass der Terroranschlag von einer mit dem offiziellen Pakistan verbundenen Gruppe verübt wurde und die Verantwortung für den Tod der Touristen in Kaschmir bei der Führung des Nachbarlandes liegt.

Hier ist zu erwähnen, dass der amtierende indische Premierminister Narendra Modi, ein Vertreter politischer Kräfte, die sich stets klar zu einer hinduistischen nationalen Position bekannt haben und der Ideologie der nationalen Einheit, die seit Jahren vom oppositionellen indischen Nationalkongress propagiert wird, eher zurückhaltend gegenüberstanden. Allerdings auch in Zeiten, in denen Kongressregierungen gebildet wurden, waren indisch-pakistanische Kriege an der Tagesordnung und ein Faktum der Instabilität in der Region. Doch ungeachtet dieser harten politischen Position Modis, werden seine Aktionen gegen Pakistan auch von der Opposition unterstützt. 

Auch in Pakistan herrscht eine wahre nationale Einheit; die Politik des Landes ist der Ansicht, dass Neu-Delhi Islamabad völlig grundlos der Beteiligung an der Tragödie beschuldigt und den Terroranschlag lediglich nutzt, um die Beziehungen zu Islamabad zu verschlechtern und Druck auf Pakistan auszuüben.

Ein ziemlich gefährlicher Faktor ist das Fehlen der Vereinigten Staaten als Führungsmacht, die in der Lage wäre, entsprechende Konsultationen mit Indien und Pakistan durchzuführen und die Situation zu stabilisieren, was zu einem Krieg führen könnte. Im US-Außenministerium hieß es lediglich, Washington habe derzeit keine eigene Position zum Konflikt zwischen Indien und Pakistan. Damit wird erneut die faktische Gleichgültigkeit der Regierung Donald Trumps gegenüber einem möglichen großen neuen Krieg demonstriert, der bald in der Region ausbrechen könnte. 

Denn obwohl beide Seiten noch keine ernsthaften Kampfhandlungen aufgenommen haben, sind bereits Anzeichen ihrer Kriegsbereitschaft und nicht nur einer wirtschaftlichen Eskalation zu erkennen. Zumal es sich um einen Konflikt auf dem Gebiet des geteilten Kaschmir handelt, der bereits mehrfach Schauplatz großer indisch-pakistanischer Kriege gewesen ist.

Das Gleiche könnte jetzt auch wieder beginnen. Zumal ein Krieg unter der Führung Narendra Modis, wenn man die politische Philosophie des amtierenden indischen Premierministers versteht, viel umfassender und ernster ausfallen könnte als die Kriege, die geführt wurden, als an der Spitze Indiens Politiker der Kongresspartei standen, die zumindest in Bezug auf die muslimische Bevölkerung Indiens vorsichtiger und gemäßigter waren.

Auch eine innere Destabilisierung Indiens, die Konflikte mit Pakistan stets begleitet, ist nicht ausgeschlossen. Die Ausweisung der pakistanischen Staatsbürger könnte nur der Anfang vor dem Ausbruch von Konflikten zwischen Hindus und Muslimen sein, die auf dem Gebiet Indiens leben.

Wenn also die Regierungen beider Länder in den nächsten Tagen oder zumindest Wochen keine Schritte zur Deeskalation der Situation unternehmen, könnten wir Zeugen eines neuen großen, zerstörerischen Krieges werden, der in seinem Verlauf und seinen Folgen sicherlich den Krieg Russlands gegen die Ukraine und den Krieg im Nahen Osten in den Schatten stellen und eine neue schwere Bewährungsprobe für die Regierung Donald Trump darstellen wird, auch wenn der amtierende US-Präsident diese große Krise vorerst lieber nicht wahrnehmen möchte. 

Schon allein deshalb, weil auch China in einen solchen Konflikt verwickelt werden könnte. Schon allein deshalb, weil die Destabilisierung Indiens die Verlagerung der amerikanischen Produktion vom Gebiet der Volksrepublik China auf das Gebiet Indiens behindern könnte, was von vielen amerikanischen Firmen, darunter auch Apple, geplant war. Es könnte also viele schwerwiegende Folgen dieser Katastrophe geben, deren erste Anzeichen bereits zu beobachten sind und die scheinbar keine ernsthafte Besorgnis bei den politischen Eliten beider Länder hervorruft, die sie zur Stärkung ihrer Positionen und zur nationalen Konsolidierung nutzen.

Und natürlich, wenn dieser Krieg tatsächlich beginnt, müssen wir uns daran erinnern, dass es ein Krieg zwischen zwei Ländern mit Atomwaffen sein wird. Erstens widerlegt dies den beliebten ukrainischen Mythos, dass die bloße Existenz von Atomwaffen militärische Konflikte ausschließt. Nein. Atomwaffen ermöglichen es lediglich, sie in einem Konflikt mit einem Nachbarland einzusetzen, wenn dieses auch über Atomwaffen verfügt, und in dieser Situation schützt dies nicht so sehr vor einem Krieg, sondern schafft eine Gleichheit der Arsenale.

Könnten Atomwaffen im Krieg zwischen Indien und Pakistan eingesetzt werden? Natürlich, wenn die Eskalation gefährliche Ausmaße annimmt und wenn die Politiker beider Länder alle dafür notwendigen Fehler machen, könnten auch Atomwaffen eingesetzt werden. Zumal es im Krieg zwischen zwei Atomstaaten noch schwieriger ist, solche Absicherungen zu finden als im Krieg eines Atomstaates gegen einen Nicht-Atomstaat, wie es im russisch-ukrainischen Konflikt der Fall ist.

Wenn der Krieg also beginnt, könnte es um den Tod von zig Millionen Menschen gehen. Experten schätzen diese Zahlen und Möglichkeiten unterschiedlich ein, aber natürlich sind dies ziemlich hohe Verluste, mit denen die Welt in ihrer Geschichte noch nicht konfrontiert war.

Wir hoffen jedoch, dass der indisch-pakistanische Krieg jetzt nicht mit einem solchen Eskalationsniveau beginnt und, falls er beginnt, nicht zum Einsatz von Atomwaffen und zum Tod von 20 oder sogar 50 Millionen Einwohnern beider Länder durch den Einsatz von Waffen der letzten Chance führt.

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