Europa der kleinen Trumpfe.  Vitaly Portnikov. 07.11.24.


Orban war der erste in der EU, der Trump zu seinem Sieg gratulierte. Bild: Manuel Balce Ceneta/Associated Press/East News

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Es hat etwas Symbolisches, dass die Staats- und Regierungschefs der EU in Budapest zu einem Dringlichkeitsgipfel der Europäischen Union zusammenkommen, der dem Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen gewidmet ist. 

Gestern hätte Viktor Orban noch als Randfigur gegolten, deren EU-Präsidentschaft man einfach wie eine Erkältung abwarten sollte. Heute jedoch träumt fast jeder europäische Regierungschef davon, von Orban „angesteckt“ zu werden. Schließlich ist der ungarische Premierminister vielleicht der einzige unter ihnen, der sich regelmäßig privat mit Trump trifft. Und er ist definitiv der Einzige, von dem Trump auf Wahlveranstaltungen begeistert spricht, denn in seiner Vision von Europa muss das Gesicht Orbans enthalten sein.

Man kann dieses Bild natürlich abschätzig ignorieren, aber Trumps Präsidentschaft wird man nicht wie eine Erkältung abwarten können

Auf die Rückkehr des ehemaligen Staatschefs der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus wird man auch deshalb reagieren müssen, weil diese Rückkehr einen echten Triumph des „Trumpismus“ als neue Ideologie der amerikanischen Rechten (oder, wenn wir europäische Maßstäbe anlegen, der extremen Rechten) bedeutet. 

Und in dieser Ideologie ist nicht viel Platz für euro-atlantische Solidarität und gemeinsame demokratische Werte. Am 5. November hat die Konfrontation zwischen Demokratien und Diktaturen, die unsere Zukunft bestimmt, eine neue Dimension erhalten. Es gibt Demokratien. Es gibt Diktaturen.

Und dann gibt es Donald Trump, der von den Wählern der stärksten Demokratie der Welt zum Präsidenten gewählt wurde und der offensichtlich nicht glaubt, dass die Verteidigung der Demokratie eine wichtige Aufgabe Amerikas ist, sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik.

Die Europäer haben in dieser Situation zwei Möglichkeiten. Die erste besteht darin, die schwindende Rolle der Vereinigten Staaten als Hauptmacht in der demokratischen Welt und als Garant für die Sicherheit des Nachkriegseuropas zu erkennen und über ihre eigene Rolle nachzudenken. Viele Politiker auf dem Kontinent sprechen bereits darüber.

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski hat die Europäer aufgefordert, mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zu übernehmen. Der französische Europaminister Benjamin Haddad forderte die Europäer auf, zu erkennen, dass sie sich nicht länger von den Launen der amerikanischen Politik abhängig machen können, und rief zu einer ernsthafteren europäischen Verteidigungszusammenarbeit auf. Das „Ende der Geschichte“ sei gekommen, sagte der französische Minister sarkastisch. 

Aber es gibt noch einen anderen Weg zu überleben – „Trumpisten“ zu werden, um Trumps Aufmerksamkeit und Respekt zu behalten. Deshalb ist die Begeisterung für den Sieg des ehemaligen und künftigen US-Präsidenten auch im Umfeld der rechtsextremen Parteien in Europa zu beobachten

Und natürlich geht es nicht nur um Orban. Man muss sich nur die Posts der Führer der rechtsextremen Parteien in den sozialen Medien ansehen, um zu verstehen, was für ein Feier, was für ein Siegesgefühl derzeit in ihren Kreisen herrscht. Die Rechtsextremen haben ihre Rolle sowohl im Europäischen Parlament als auch in den nationalen Parlamenten bereits gestärkt. Genau wie in den Niederlanden, Österreich oder Italien sind es die Parteien, die Wahlen gewinnen, Regierungen bilden und Parlamente führen…

Schon vor Trumps Sieg konnte man über ihre wachsende Rolle sprechen, aber jetzt, da einer von ihnen triumphierend  und es ist ein triumphaler Sieg, die US-Wahl gewonnen hat, hoffen sie, dass die europäischen Wähler, die durch die Abspaltung von Amerika verängstigt sind, sie an die Macht tragen werden. Darüber hinaus können rechtsextreme Politiker nicht nur Trump gefallen, sondern auch Dinge tun, zu denen „traditionelle“ Liberale oder Konservative nicht mehr bereit sind. Sie können einen Deal mit Wladimir Putin eingehen. 

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