Fremde Medaille. Vitaly Portnikov. 18.01.2026.

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Das Foto des amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit der venezolanischen Oppositionsführerin María Corina Machado und der Medaille einer Nobelpreisträgerin wurde, so scheint es, von allen Weltmedien veröffentlicht. Und tatsächlich ist dies einer jener Fälle, in denen eine politische Anekdote zur Realität wird. Noch vor wenigen Wochen, vor dem Hintergrund von Trumps ständigen Erwähnungen des Nobelpreises, scherzte einer der amerikanischen Kommentatoren, der preisverliebte Präsident könne ja die Medaille des früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt „konfiszieren“ und sie in seinem eigenen Büro ausstellen. Aber Trump brauchte offenbar genau Machados Medaille – denn die Politikerin erhielt sie ausgerechnet in dem Jahr, in dem auch der Präsident der Vereinigten Staaten selbst auf diese Auszeichnung hoffte. Und ich schließe nicht aus, dass Trump nun versuchen wird, die Auszeichnungen aller kommenden Friedensnobelpreisträger anzusammeln – zumindest in den nächsten drei Jahren.

In Wirklichkeit ist das jedoch überhaupt nicht lustig: dieses ständige Verlangen nach Auszeichnungen, die Bereitschaft, erfundene Preise anzunehmen, der Wunsch, alles Mögliche nach sich selbst zu benennen, die aufrichtige Unzufriedenheit mit Entscheidungen unabhängiger Institutionen. Amerikaner mögen vielleicht nicht ganz verstehen, was hier geschieht, weil sie sich nie in einer solchen Situation befunden haben. Aber Menschen, die die sowjetische Erfahrung durchlebt haben, wissen genau: Der Glanz der Orden ist ein deutliches Zeichen für die schleichende Degeneration der Macht.

Ich gehöre zu der Generation, die sich noch an die zahlreichen Auszeichnungen Leonid Breschnews erinnert – viermal Held der Sowjetunion, Held der sozialistischen Arbeit, mehrfach Held fast aller vom Kreml abhängigen Länder. Dazu noch Träger des Lenin-Literaturpreises. Und natürlich Träger des Internationalen Leninpreises „Für die Festigung des Friedens zwischen den Völkern“ – eine Auszeichnung, die Trump ebenfalls hätte interessieren können, denn sie war gewissermaßen die von Stalin selbst erfundene Variante des Friedensnobelpreises (und in den ersten Jahren ihres Bestehens trug sie sogar seinen Namen).

Für diejenigen, die in der Breschnew-Ära lebten, wirkte seine Leidenschaft für Auszeichnungen wie eine altersbedingte Degeneration – nicht nur des Generalsekretärs selbst, sondern der gesamten Macht, ein echtes Symbol der Gerontokratie. Das Paradoxe daran war allerdings, dass auch Breschnews Vorgänger Nikita Chruschtschow dreimal Held der sozialistischen Arbeit und Held der Sowjetunion war. Und selbstverständlich war auch er Träger des Internationalen Leninpreises „Für die Festigung des Friedens zwischen den Völkern“. Einen Literaturpreis gab es zwar nicht, aber – so paradox es klingt – es gab den Schewtschenko-Preis, den Nikita Sergejewitsch schlicht nicht mehr entgegennehmen konnte, weil er kurz nach dieser ukrainischen Ehrung von seinen Mitstreitern entmachtet wurde.

Auch Chruschtschows Fixierung auf Auszeichnungen in der letzten Phase seiner turbulenten Herrschaft wurde als Zeichen der Degeneration wahrgenommen – und obwohl andere Funktionäre seiner Selbstverliebtheit bereitwillig schmeichelten, dachten sie gleichzeitig darüber nach, wie sie ihn loswerden könnten. Breschnew hingegen dachte in den ersten Jahren nach seiner Machtübernahme eher an Macht als an Auszeichnungen. Der Wunsch des Generalsekretärs, einen Heldenstern nach dem anderen zu erhalten, zeigte tatsächlich, dass das Regime zu verfallen begann.

Seit jener Zeit ist für mich die Leidenschaft für glänzende Abzeichen ein Indikator dafür, was ein Politiker wirklich will – Macht oder Ruhm. Breschnews Nachfolger Juri Andropow, der lange um die Möglichkeit gekämpft hatte, Generalsekretär zu werden und letztlich die Grundlagen jenes Regimes legte, das heute die Ukraine angreift, starb „lediglich“ als Held der sozialistischen Arbeit. Nach ihm folgte kurz Konstantin Tschernenko, ein grauer, farbloser Bürokrat, der es noch schaffte, sich selbst den dritten Heldenstern zu verleihen – und dann starb.

Man könnte mir entgegenhalten: Trump wolle sowohl Macht als auch Ruhm – was sei daran zu vergleichen? Doch ein Herrscher, der auf die „Posaunen des Ruhms“ fixiert ist, kann seine Adäquatheit nicht bewahren, weil er nicht nur darüber nachdenkt, wie er seine Macht stärkt, sondern auch darüber, wie er seinen Anhängern gefällt. Ein Mensch, der nach Orden und Medaillen sucht, verliert gegen einen Politiker, der auf den Ausbau seiner realen Möglichkeiten fokussiert ist – und darauf, was später über ihn in Enzyklopädien und Memoiren geschrieben wird. Und natürlich wirkt sich der Wunsch, beliebt zu sein, auf Personalentscheidungen aus: Man umgibt sich mit Schmeichlern und Kriechern und verliert den Bezug zur Realität.

Und genau das beobachten wir vermutlich in jenem Büro, das nun eine fremde Nobelmedaille schmücken wird.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Чужа медаль. Віталій Портников. 18.01.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 18.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump blieb ohne Preis | Vitaly Portnikov. 10.10.2025.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, blieb erwartungsgemäß ohne den Friedensnobelpreis. Das Nobelkomitee für den Friedensnobelpreis erklärte eine der auffälligsten Vertreterinnen der venezolanischen Opposition der letzten Jahre, María Corina Machado, zur neuen Nobelpreisträgerin.

Übrigens äußerte sich Trump über María Corina Machado, die im Grunde den Widerstand gegen die widerliche Diktatur Nicolás Maduro anführte, stets mit Respekt und forderte das venezolanische Regime auf, für ihre Sicherheit zu sorgen. Daher macht es wohl das Fehlen seiner Person in der Liste der Nobelpreisträger für das Weiße Haus noch unangenehmer, dass Trumps Nichterscheinen in der Liste gerade in dem Moment stattfindet, in dem er angeblich den bedeutendsten Erfolg seiner Amtszeit als Staatsoberhaupt der USA erzielt habe — die Beendigung des Krieges im Nahen Osten. Zumindest die erste Phase der Beendigung des Konflikts und die mögliche Freilassung aller israelischen Geiseln, die noch immer von der terroristischen Organisation Hamas festgehalten werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Weiße Haus die Idee aufgibt, Donald Trump den Nobelpreis zu sichern. Schon jetzt beginnen die Nominierungen für den Preis 2026. Und genau hier könnte man in der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten der Auffassung sein, dass Donald Trump weitaus größere Chancen und viel mehr Gründe habe, Nobelpreisträger zu werden.

Aber wozu braucht Donald Trump den Nobelpreis tatsächlich? Meiner Meinung nach liegt die Sache darin, dass Trump bis heute nicht begreifen kann, warum sein Vorgänger im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama, diesen Preis erhalten hat.

Bekanntlich wurde Obama zum Nobelpreisträger praktisch in den ersten Wochen nach seinem Amtsantritt. Auch damals gab es viele Fragen. Aus welchem Anlass verlieh das Nobelkomitee einem Menschen den Preis, der gerade erst die Präsidentschaftswahl gewonnen hatte und kaum etwas in seiner Funktion als Staatsoberhaupt zu unternehmen begonnen hatte, sich nur auf die Ausübung dieses Amtes vorbereitete und keine Möglichkeit hatte zu demonstrieren, wie er seine Wahlversprechen umsetzen würde?

Barack Obamas Nobelpreis ist für immer in die Geschichte eingegangen als Beispiel dafür, dass man eine so ernste und prestigeträchtige Auszeichnung im Voraus erhalten kann. Und natürlich ist Donald Trump überzeugt, dass ihm als verdientem Friedensstifter aller Zeiten und Völker der Nobelpreis in weit größerem Maße zustehe als Obama, der ihn damals erhielt, als er noch nichts für reale Friedensbemühungen unternommen hatte.

Und da Donald Trump sich selbst als politische Antithese zu Barack Obama betrachtet und die amerikanische Gesellschaft nach wie vor in zwei gegenüberstehende politische Lager gespalten ist — das eine orientiert sich an Persönlichkeiten wie Trump, das andere an solchen wie Obama —, ist es selbstverständlich, dass das Lager, das sich an Trump orientiert, seinen eigenen Nobelpreisträger haben möchte.

Und natürlich würde die Verleihung des Nobelpreises an Donald Trump ihn de facto in die Reihe bedeutender amerikanischer Präsidenten einordnen, die nicht nur von den Amerikanern selbst, sondern von der Weltgemeinschaft als historische Persönlichkeiten anerkannt sind.

Schließlich war nicht nur Barack Obama ein US-Präsident, der den Nobelpreis erhielt. Zu den amerikanischen Präsidenten, die Nobelpreisträger wurden, zählen auch Theodore Roosevelt, Woodrow Wilson und Jimmy Carter.

Offensichtlich ist Trump nicht jedem dieser Politiker sehr zugeneigt. Sein politisches Credo widerspricht faktisch dem politischen Erbe Woodrow Wilsons und natürlich auch dem politischen Erbe Jimmy Carters. Aber vielleicht will der amtierende US-Präsident gerade beweisen, dass eben dieses Credo die Anerkennung durch das Nobelkomitee verdient.

Und hier stoßen wir natürlich auf einen echten zivilisatorischen Widerspruch, denn Trumps Credo widerspricht nicht nur dem politischen Credo Woodrow Wilsons oder Barack Obamas, sondern auch dem politischen Credo des Nobelkomitees selbst — dem Bild seiner Mitglieder davon, wer überhaupt Friedensnobelpreise erhalten sollte.

Andererseits gab es in der Liste der Preisträger viele kontroverse Persönlichkeiten, die nach Erhalt des Nobelpreises zeigten, dass sie weit entfernt von dessen Ideal waren. Erinnern wir uns zumindest an Jassir Arafat, den Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation, der nach Erhalt des Nobelpreises durch sein weiteres Handeln faktisch den Nahost-Friedensprozess zerstörte, oder an Aung San Suu Kyi, die nach Erhalt des Nobelpreises kurzzeitig Myanmar führte und zeigte, dass sie gegenüber nationalen Minderheiten denen der dortigen Generäle in nichts nachstand.

Und Beispiele solcher Nobelpreisträger, an die man sich in Oslo lieber nicht erinnert, lassen sich noch in beträchtlicher Zahl anführen. Deshalb schließe ich keineswegs aus, dass, falls Donald Trump tatsächlich beeindruckende friedensstiftende Leistungen erbringt — wenn es ihm gelingt, den Krieg im Nahen Osten wirklich zu beenden und den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu einem Ende zu bringen — er 2026 Nobelpreisträger werden und sein Ehrgeiz befriedigt werden könnte.

Wahrscheinlicher aber ist, dass das Jahr 2026 ein Jahr wird, in dem die bereits laufenden Kriege nicht beendet, sondern neue begonnen werden — weitaus dramatischere und in ihren Folgen gefährlichere. Und deshalb wird Donald Trump auch während der nächsten Periode seiner Präsidentschaft noch genügend Handlungsspielraum haben.

Dann könnte der Nobelpreis das Finale seiner Amtszeit als Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten werden. Vorausgesetzt natürlich, dass diese Amtszeit nicht durch einen verheerenden Dritten Weltkrieg beendet wird — die Voraussetzungen dafür haben sich in den letzten Monaten bereits abgezeichnet und zeigen sich im Verlauf der Ereignisse.