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Der Kaffee in den Straßen von Cherson schmeckt nach Verachtung für den Tod.
Der kühle Wind fegt die Reste der Hitze weg, zusammen mit den vergilbten Blättern, die noch etwas vor den räuberischen Blicken der feindlichen Drohnen schützen.
Die Musik, die um uns herum erklingt, ist trotz ihres Wohlklangs unpassend: Man hört die Artillerie vom linken Ufer nicht, die rücksichtslos und lächerlich ungenau ist.
Wie auch immer… Es sind sowieso nur sechs Sekunden. Geprüft.
Vielleicht ist das der Grund, warum niemand den Barkeeper bittet, die Musik abzustellen.
In der Nähe sind einige Kinder, sogar einige sehr junge Frsurn mit Kinderwagen. Ein älteres Ehepaar streut Leckereien für die Tauben aus, von denen die mutigsten auf ihren Händen landen, und am Nebentisch trinkt ein alter Mann Kaffee, nimmt einen langen Zug an seiner Zigarette und vertilgt ihn mit einer leuchtend gelben Banane. Unwillkürlich bleibe ich mit meinem Blick an ihm hängen. Eine ungewöhnliche Kombination, nicht wahr? Eine Zigarre wäre hier wohl angemessener.
Aus irgendeinem Grund sieht der alte Mann zu mir zurück. Spürt er mein leichtes Lächeln? Ich nicke ihm zu.
Der alte Mann steht mühsam auf und schafft es gerade noch bis zum Mülleimer, wo er die Bananenschale und den Zigarettenstummel wegwirft.
Die Gegend ist recht sauber.
Bedauernd nehme ich einen letzten Schluck von dem schon kalten Getränk und bringe Tasse und Untertasse zurück ins Haus. Der Barkeeper dankt mir und wünscht mir einen sicheren Tag!
Ich tue so, als ob den Blick der jungen Frau auf dem Hochstuhl am Fenster nicht sehen würde. Und sie versteht das. Wir versuchen alle nur, die letzte Wärme zu genießen…
Und wir trinken Kaffee – mit dem Geschmack der Verachtung für den Tod und gleichzeitig mit dem Durst nach Leben.
Grüße von Ungebrochenen!
Alles Gute für Sie!