Saida wird als Nachfolgerin vorbereitet |Vitaly Portnikov. 11.06.2025. 

Saida Mirsijajeva, die erste Assistentin und Tochter des usbekischen Präsidenten Schavkat Mirsijajev, traf sich nur wenige Tage nach ihrem Besuch in Moskau und Gesprächen mit dem russischen Premierminister Michail Mischustin und anderen Beamten in Taschkent mit einer Delegation des amerikanischen Außenministeriums.  Dies zeigte erneut, dass Präsident Schavkat Mirsijajev seiner Tochter die Kontrolle über die sensibelsten Themen der usbekischen Außenpolitik anvertraut.

Unabhängige usbekische Medien berichten sogar, dass Schavkat Mirsijajev seine Tochter auf die Präsidentschaft Usbekistans vorbereitet, auf die Nachfolge. Und sollte sich diese Information, die weitgehend durch die schwindelerregende politische Karriere von Saida Mirsijajeva bestätigt wird, jemals bewahrheiten, würde dies bedeuten, dass das erste Projekt, in dem die Tochter des Präsidenten tatsächlich seine Nachfolgerin werden könnte, nach zwei recht misslungenen Versuchen verwirklicht würde.

Wir erinnern uns gut daran, wie in Kasachstan über eine mögliche Nachfolge der Tochter von Nursultan Nasarbajew, Dariga, gesprochen wurde. Darigas Nasarbajewas Ambitionen wurden auch von Präsident Nasarbajew selbst gefördert, der bereits Anfang der neunziger Jahre zusammen mit seiner Tochter in die russische Hauptstadt kam und von den großen Möglichkeiten und Perspektiven Darigas sprach.

Nachdem sich Nursultan Nasarbajew jedoch für den derzeitigen kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew entschieden hatte, musste Dariga Nasarbajewa ihr Amt als Sprecherin der oberen Kammer des kasachischen Parlaments niederlegen und die Politik ganz verlassen.  Ganz zu schweigen davon, dass die Familie Darigas einen Großteil ihres Vermögens verlor, das in den Jahren erworben wurde, in denen Nursultan Nasarbajew Kasachstan leitete.  

Noch trauriger ist das Schicksal einer anderen Präsidententochter, Gulnara Karimova. Ja, sie bekleidete nie solche Ämter wie Dariga Nasarbajewa oder Saida Mirsijajeva, war aber dennoch Diplomatin und engagierte sich aktiv in der Öffentlichkeit.  In diesen Jahren wurde auch über die Tochter Karimows als seine mögliche Nachfolgerin gesprochen. Doch der Streit mit ihrem Vater führte dazu, dass Gulnara Karimova ihren Einfluss rapide verlor und über ihre Machtansprüche überhaupt nicht mehr gesprochen wurde.  Karimows Tochter musste ihren Staatsdienst aufgeben und alle öffentlichen Projekte aufgeben.  Nach dem Tod ihres Vaters wurde Gulnara Karimova, wie bekannt, inhaftiert und verbüßt ihre Strafe weiterhin in einer Strafkolonie in Usbekistan.

Wenn Saida Mirsijajeva also tatsächlich die Nachfolgerin ihres Vaters wird, würde dies bedeuten, dass sie weder das politische Scheitern von Dariga Nasarbajewa noch den Lebenszusammenbruch von Gulnara Karimova erlitten hat. Schon ein ziemlich gutes Ergebnis. Aber die Frage ist, wann das überhaupt passieren könnte? Letztendlich hat Schavkat Mirsijajev offensichtlich nicht die Absicht, die Macht abzugeben. Mehr noch, die jüngsten Verfassungsänderungen in Usbekistan haben gezeigt, dass der amtierende Präsident noch mindestens vierzehn Jahre an der Macht bleiben kann. Und danach ist Schavkat Mirsijajev natürlich in der Lage die Verfassung noch mehrmals an seine politischen Bedürfnisse anzupassen.

Andererseits kann der usbekische Präsident die Erfahrungen seiner Kollegen aufmerksam verfolgen.  Nursultan Nasarbajew beispielsweise beschloss, das Präsidentenamt an einen Mitstreiter zu übergeben, und verlor dadurch alle wirklichen Befugnisse und sogar einen Teil des Familienvermögens, wie wir bereits erwähnt haben. Und niemand nennt Nursultan Nasarbajew noch einen nationalen Führer.  Der turkmenische Präsident, jetzt ehemaliger, Gurbanguly Berdimuhamedow, gab das Amt des Staatsoberhauptes an seinen Sohn weiter.  Und er blieb sowohl nationaler Führer als auch faktischer Staatschef, obwohl er nur noch den Posten des Sprechers des turkmenischen Parlaments innehat.

Es ist also ganz offensichtlich, dass, wenn man an reale Nachfolger denkt, die einen nicht im Stich lassen und die Möglichkeiten der eigenen Familie erhalten können, die Tochter des Präsidenten eine viel attraktivere Figur ist als jeder potenzielle Mitstreiter.  Aber stellen Sie sich vor, wie leicht es in Usbekistan sein wird, eine Frau zur Präsidentin zu machen?  Ich glaube, das sollte man noch nicht tun.  

Bis heute gab es nur in einem zentralasiatischen Land eine Präsidentin – in Kirgisistan, die Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa. Aber in Kirgisistan war es immer anders als in Usbekistan oder Kasachstan. Es ist schließlich das einzige Land in Zentralasien, in dem man die Präsidenten nicht an den Fingern einer Hand abzählen kann. Und der kirgisische Premierminister ist eindeutig kein Vorbild für Usbekistan oder Kasachstan.  

Dass in Zentralasien das familiäre Regierungsart Einzug hält, ist ein gutes Argument für die Ambitionen von Saida Mirsijajeva. Dass man aber politische Traditionen überwinden und viele Mitstreiter des Vaters umgehen muss, ist eine ganz andere Situation.  

Ich sage nicht einmal, dass man die Macht aus den Händen des Vaters erhalten kann. Die Frage ist, wie und unter welchen Umständen sie sie behalten kann. Solche Prognosen erscheinen jedoch noch recht vorläufig, denn wie wir gesehen haben, waren die Väter in Zentralasien, als sie Präsidenten waren, stolz auf ihre Töchter, um dann die Enttäuschung zu erleben und sie in den Hintergrund zu drängen, einfach weil ganz andere politische und, ich würde sogar sagen, wirtschaftliche Prioritäten auftraten.  

Präsident in einem Land wie Usbekistan zu sein, ist nicht einfach, selbst wenn man die ganze Macht in seinen Händen konzentriert.  Und man muss sich auch daran erinnern, dass der familiäre Einfluss natürlich eine weit verbreitete Tradition ist, aber bis jetzt nur einer Familie gelungen ist, ihren Einfluss nach dem Ausscheiden des amtierenden Staatsoberhaupts aus dem Amt zu erhalten.  Im Turkmenistan, wo Vater und Sohn Berdimuhamedow die Macht teilen, weiß niemand, wie das Land funktionieren wird, nachdem Berdimuhamedow senior endgültig nicht mehr an der Spitze steht. 

Die Nasarbajews haben die Macht nicht gehalten.  Emomali Rachmon behält noch die Macht in seinem eigenen Land und sichert so die Interessen seiner Familie. Den Karimows gelang es, wie wir sehen, nicht, als Familie an der Macht zu bleiben.  

Es gibt zu viele Beispiele, die dafür sprechen, dass die Macht in den zentralasiatischen Staaten doch nicht auf der Familie, sondern auf der Persönlichkeit beruht. Und das muss Saida Mirsijajeva berücksichtigen, wenn die Idee ihres Vaters, seine Tochter in das höchste Amt des Staates zu befördern, nicht ein Hirngespinst der oppositionellen Journalisten, sondern eine reale politische Absicht ist.  

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