Heute habe ich beschlossen, mit Ihnen über die Diskussion zu sprechen, die begann, nachdem Papst Franziskus Aussagen über die Geschichte gemacht hatte, die selbst nach ihrer Veröffentlichung vielen einfach alles andere als plausibel erschienen.
Nachdem also die Nachricht erschien, dass der römischer Papst sein Treffen mit der katholischen Jugend Russlands mit der Erwähnung des Erbes des Russischen Reiches, Katharina II. Und Peter I. beendete, begannen alle zu behaupten, dass es sich um eine Fälschung handele, dass die russische Propaganda dieses Treffen ausnutzte. Es wurde darauf hingewiesen, dass der vom Vatikan veröffentlichte offizielle Text keine derartigen Aussagen enthält. Und erst als die offiziellen Zitate auf der Website der Konferenz der katholischen Bischöfe der Russischen Föderation erschienen und wir die Aussagen von Papst Franziskus in mehr oder weniger guter Qualität anhören konnten, begann hier eine regelrechte Welle der Entsetzung und, ich würde sogar sagen, Wut, bis hin zu den offiziellen Äußerungen von Vertretern des Außenministeriums der Ukraine, bis hin zu Äußerungen des Oberhaupts der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, Metropolit Schewtschuk, und Erklärung der Konferenz der katholischen Bischöfe der Ukraine. Und es ist absolut offensichtlich, warum es eine solche Empörung gibt, warum es eine solche Wut gibt. Denn zu selbiger Zeit geht Russlands Krieg gegen die Ukraine unter diesen imperialen Flaggen weiter,
Russland zerstört die Zivilbevölkerung unseres Landes, zerstört die kritische Infrastruktur der Ukraine und bereitet sich auf Monate oder vielleicht Jahre eines zermürbenden Krieges vor, der durch die politische Realität der Russischen Föderation, den aufrichtigen Wunsch ihres Präsidenten, ihrer Führung und ihres Volkes mit der Ukraine zu kämpfen bestimmt wird. Und das alles erklärt sich vor allem aus der imperialen Vergangenheit, dem russischen imperialen Erbe. Wie können wir nicht überrascht sein, wenn der Papst, der für Hunderte Millionen Katholiken auf der ganzen Welt eine große Autorität darstellt, solche Erklärungen abgibt und sich mit diesen Erklärungen an die Bürger der Russischen Föderation wendet? Aus unserer Sicht ist offensichtlich, dass wichtigste Aufruf der katholischen Kirche an die Bürger der Russischen Föderation, die dem katholischen Glauben angehört, ein Appell zur Reue und einer fairen Einschätzung ihrer Geschichte sein sollte. Zumal wir verstehen, dass Menschen, die in der Russischen Föderation Anhänger des katholischen Glaubens sind, für eine faire Einschätzung der eigenen Geschichte fähiger sind, als diejenige, die der Russisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats treu sind, denn die Russisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats hat sich zu einer echten Kriegskirche entwickelt, einer Kirche, die die Bemühungen des russischen Präsidenten Vladimir Putin unterstützt die ukrainische Staatlichkeit zu zerstören. Das ist alles völlig klar. Und ich würde sagen, dass es nicht nötig wäre, dazu einen Kommentar abzugeben, wenn Sie und ich nicht in den gleichen Informationsrealität existieren würden, in der Papst Franziskus viele Jahrzehnte lebt. Für Sie und mich ist es ganz einfach, das zu verurteilen, was der römische Papst 2022, 2023, in diesen Kriegsjahren, gesagt hat. Und jetzt versuchen wir, in die Zeit zurückzugehen, fünf bis zehn Jahre bevor der Papst eine solche Aussage machte. Stellen Sie sich vor, wir wären im Jahr 1997 oder 2007. Dann lesen Sie diese Worte des Papstes und erfahren Sie, dass der Papst sich mit dem russischen jungen Katholiken getroffen hat und diese Worte sprach. Würde es uns wundern, würde irgendein ukrainischer Bürger empörte Worte über den Papst äußern? Wir sprechen über historische Bewertungen. Und Peter und Katharina II. waren bereits dieselben Figuren, ihre Aktivitäten haben sich in den letzten Jahren nicht geändert, sie sind beide vor langer Zeit gestorben, nur Denkmäler blieben übrig. Ich habe nicht zufällig das Jahr 2007 erwähnt. Im Jahr 2007 wurde in der ukrainischen Stadt Odessa ein Denkmal für die russische Kaiserin Katharina II., ein Denkmal für die sogenannten Gründerin von Odessa, wiedereröffnet. Die erst jetzt während des Krieges abgebaut wurde, und zwar unter dem großen Widerstands vieler Vertreter der Odessaer Öffentlichkeit. Zu sagen, dass wir die Geschichte nur aus der Perspektive unserer eigenen Erfahrung und Rückschau beurteilen können, ist respektlos. Das heißt, dass wir, damit wir die russische Kaisergeschichte objektiv beurteilen können, Raketen brauchen, die in unseren Häusern fliegen, dass wir um etwas zu verstehen getötet, vergewaltigt und ausgeraubt werden müssen. Und wenn es keine Raketen gibt, wenn niemand jemanden beraubt oder vergewaltigt, betrachten wir die russische Geschichte fast als unsere eigene, wir sind stolz auf die russische Kaiserin, wir sind stolz auf das, was das russische Reich für die Ukraine getan hat. Ich spreche schon gar nicht von der Sowjetunion. Ich möchte Sie daran erinnern, dass vor kurzem, als während der Präsidentschaft von Viktor Juschtschenko Entscheidung getroffen wurd, den Holodomor zum Völkermord am ukrainischen Volk zu erklären, und jetzt eine solche Entscheidung nach und nach von den Parlamenten vieler Länder der Welt angenommen wird, Fast die Hälfte der Abgeordneten dieses Parlaments, angeführt vom künftigen Präsidenten der Ukraine Viktor Janukowitsch, gegen eine solche Entscheidung stimmte. Warum rede ich darüber? Man muss sich darüber im Klaren sein, dass wir unsere historischen Vorstellungen geändert haben, die wir Jahrzehnten unseres Lebens und Jahrzehnten der Existenz der unabhängigen Ukraine geteilt haben, und dass ein großer Teil der Menschheit ihre Vorstellungen nicht geändert hat. Das, was der Papst gesagt hat, ist eine banale Phrase, die die Haltung der überwiegenden Mehrheit der Menschen zur russischen Geschichte widerspiegelt, der Menschen, die sich nur oberflächlich für diese Geschichte interessieren. Und wir haben bis jetzt zu wenig getan, um diese Einstellung zur russischen Geschichte zu ändern, obwohl wir mehrere Jahrzehnte Zeit hatten. Wenn eine Person, die sich für die Vergangenheit Russlands und der Ukraine interessiert, sich noch vor kurzem etwas über unsere eigene Einstellung zu dieser Vergangenheit erfahren wollte, erfuhr sie, dass auf dem zentralen Platz von Odesa ein Denkmal für die Gründerin der Stadt, Katharina II., befindet, was sollte sie denken? Dasselbe, was der römische Papst denkt. Man kann natürlich sagen, dass wenn einer der Vorgänger von Franziskus, Johannes Paul II., jetzt Papst wäre, dann würde seine Einschätzung der russischen Geschichte natürlich von der Einschätzung von Papst Franziskus abweichen, denn die historischen Erfahrungen des polnischen Volkes unterscheiden sich von der historischen Erfahrungen jener Völker, die nie vom Russischen Reich unterdrückt wurden, unterscheiden sich auf gravierende Weise, weshalb Karol Wojtyla, der ehemalige Krakauer Kardinal, das wahre historische Gewicht von Peter I. oder Katharina II. genau kannte. Einen solchen Papst aus dieser Ecke Europas gab es jedoch nur einmal in der Geschichte der katholischen Kirche, und es ist nicht vorauszusehen, wann und ob so ein Fall wieder auftreten wird, da die Mehrheit der Katholiken in den globalen Süden lebt, und man muss sich darüber im Klaren sein, dass in Zukunft die angesehensten Priester der katholischen Kirche aus globalen Süden stammen werden. So sieht das religiöse Leben auf der religiösen Weltkarte aus, und Polen und die Ukraine bleiben mit ihren immer noch starken religiösen Traditionen nur eine religiöse Provinz auf globaler Ebene. Denn je westlicher, desto größer die Autorität der säkularen Welt, einer Welt, in der die Kirche keine entscheidende Rolle mehr spielt. Und wie sieht die Wahrnehmung Russlands im globalen Süden aus? Es ist eine erstaunliche Mischung aus Ahnungslosigkeit, Ignoranz und Hass auf das Imperialismus, denn das Imperialismus hat den Ländern des globalen Südens unglaubliches Leid zugefügt, und auf der anderen Seite der Wahrnehmung steht ein antiimperialistisches Bild des Russlands, als ob Russland kein Imperium wäre, sondern ein Land, dass gegen Imperien kämpfte. Und tatsächlich versuchte die Sowjetunion alles, um sich nicht als Imperium zu positionieren, sondern als ein Land, das der nationalen Befreiungsbewegungen in allen Ländern hilft, ihre imperiale Vergangenheit zu zerstören. Geld, Kämpfer, enge Zusammenarbeit mit den Ländern des globalen Südens, all das hinterlässt in den Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas echte Nostalgie auf die Sowjetunion, die wiederum bei den meisten Vertreter politischen und wirtschaftlichen Eliten dieser Länder als Nostalgie auf Russland empfunden wird. Die Ukraine ist für die nur ein Rand der westlichen imperialistischen Welt, die Mutter Russland mit ihrer antiimperialistischen Vergangenheit zu schwächen versucht. Das würde ich als Idiotie bezeichnen. Wie man damit umgeht? Ich denke, wir müssen bestimmte Dinge erkennen, die für uns das Wichtigste werden sollten. Zunächst müssen wir unsere eigene historische Vergangenheit nüchtern bewerten. Interessant finde ich einen Trend, bei dem sogar russische Liberale ständig sagen: „Nun, wir haben alle dieses russische Imperium gemeinsam aufgebaut, und die Ukrainer haben zu verantworten, was sie aufgebaut haben, dieses schreckliche fremdenfeindliche Imperium, das sie angegriffen hat. Und die Ukrainer hatten das gleiche imperiale Bewusstsein wie die Russen und andere Völker des Reiches. Und jetzt müssen aus irgendeinem Grund nur wir für alles verantwortlich sein, obwohl es offensichtlich ist, dass die fleißigsten Erbauer des Reiches Fremde waren.“ Früher zur Blütezeiten des sovietischen Antisemitismus wurden die Erbauer des Sowjetimperiums als Juden bezeichnet, die all diesen Schrecken errichteten. Und jetzt müssten die armen Russen dafür bezahlen. Jetzt sind die Ukrainer an die Stelle der Juden getreten,
Über ihren Beitrag zum Aufbau des Russischen Reiches scheint heute nur ein sehr fauler russischer Liberaler nicht zu sprechen. Es gibt dabei zwei Unterschiedliche Positionen. Russische Chauvinisten sagen, dass die Ukrainer überhaupt keinen Beitrag zur Aufbau des russischen Imperium geleistet haben, dass sie nur Brot auf dem Land des historischen Russlands gesät haben, also sollten sie in den Stall zurückkehren, und russische Liberale sagen: „Nein, warum seid ihr ungerecht, russische Staatsinteressen werden immer mit der Ukraine verbunden sein, die Ukrainer haben das Russische Reich aufgebaut, an allen Siegen oder Verbrechen des Russischen Reiches teilgenommen, sie sind für alles verantwortlich, auch heute noch“. Lassen Sie uns also klarstellen, dass die Ukrainer, genau wie jede Nation, die von einem anderen Staat versklavt wurde, immer drei Arten von Identität hatten und immer noch haben. Es gab Menschen, die die Ukraine schon immer als ein unabhängiger souveräner Staat sehen wollten, und diese Menschen haben als in den Jahren 1918 und 1991 gesiegt, als ihre Vision, dass die Ukraine nicht Teil des russischen Staates sein sollte, zum Hauptthema der Entwicklung unseres Territoriums wurde, und es gab Menschen die immer fremde Imperien aufbauen wollten, wenn nicht russische, dann österreichische, diese Leute wollten immer russischer sein als die Russen selbst. Sie wollten chauvinistischer sein als die Russen selbst. Es stellt sich die Frage: Können wir diese Menschen als Träger der ukrainischen Idee, als Ukrainer bezeichnen? Können wir den stellvertretenden Leiter der Regierung des russischen Präsidenten Kozak, der Pläne zur Eroberung der Ukraine hegte und die ukrainische Führung in eine Gruppe von Menschen verwandelte, die Wladimir Putins Launen erfüllen würden, einen Ukrainer nennen? Können wir Valentina Matviyenko, die Vorsitzende des Rates der Föderation der Föderalen Versammlungen Russlands, die beide Treffen leitete, bei denen Wladimir Putin die Gelegenheit erhielt, Truppen in das Territorium zu schicken, als Ukrainerin betrachten? Können wir einen gewissen Viktor Christenko, einen ehemaligen Minister der russischen Regierung, und viele, viele andere Menschen ukrainischer Herkunft, sowohl ethnisch als auch geografisch, die Putins Russland treu und wahrhaftig dienen, als Ukrainer betrachten? Offensichtlich nicht, und es ist offensichtlich, dass Menschen, die dem Russischen Reich treu und wahrhaftig gedient haben, aus heutiger Sicht nur schwer als Ukrainer bezeichnet werden können. Ja, diese Menschen spielten eine große Rolle beim Aufbau des russischen Staates. Möge Russland stolz auf sie sein, ihnen ein Denkmal errichten und Bücher über sie veröffentlichen. Aber wenn wir einen echten unabhängigen eigenen Staat haben wollen, sollten wir stolz auf diejenigen sein, die für die Unabhängigkeit dieses Staates gekämpft haben, auch wenn diese Menschen eine Minderheit und nicht eine Mehrheit waren, denn in der Regel überlebt die Mehrheit in Kolonien einfach und passt sich an an die Situationen, in denen die existiert, versucht einfach zu überleben, und dieses Überleben ist auch nicht immer möglich, dies wird durch die ukrainischen Erfahrungen mit Repressionen, Holodomor und der Deportation von Bewohnern der westlichen Regionen der Ukraine nach Sibirien nach 1939 belegt. Wer hat die Ukraine wirklich aufgebaut und wollte, dass sie existiert? Hetman Mazepa, der beschloss, seine besonderen politischen Beziehungen zu Peter | abzubrechen, oder die Leute, die sich ukrainische Hetmans nannten, spielte aber die Unabhängigkeit der ukrainischen Kosaken nur vor? Sollten wir stolz auf die Menschen sein, die auf russischem Territorium Grenzfestungen errichteten, um das kaukasische Volker zu unterdrücken, auch wenn sie sich selbst so Kosaken nannten? Das ist eine gute Frage. Der Wandel in der Weltoptik kann nur dann vollzogen werden, wenn wir selbst unsere eigene Optik, unsere eigene Einstellung zu unserer Vergangenheit ändern können. Für viele Ukrainer ist es eine große Demütigung, sich als kolonisiertes Volk zu betrachten, aber die Ukrainer waren genau so ein Volk wie alle anderen Völker des Russischen Reiches. Man sollte die Geschichte der Völker Russlands lesen, um dies sind dieselben Völker, die auch heute noch in der russischen Armee mobilisiert werden und im russischen Krieg gegen die Ukraine, und übrigens auch in diesem Krieg, zu Kanonenfutter verarbeitet werden. Der Krieg wird von Wladimir Putin auch dazu genutzt, die nationale Frage in Russland zu lösen, so dass es viel weniger Vertreter der nationalen Gruppen der Russischen Föderation geben wird, so dass Russland schließlich zu einem sauberen Staat im nationalen Sinne wie dem Nazi-Reich wird. Nach diesem Krieg werden wir endlich herausfinden, was mit diesen Völker passiert ist, wie schon direkt nach der Eroberung des Kasaner Khanats durch Iwan den Schrecklichen, und es war Jahrzehnte, Jahrhunderte vor der Annexion des ukrainischen Landes, wurde den Tataren verboten sich in den Städten niederzulassen. Es wurde sie alles getan, um ihr Bildungsniveau, ihre Elite, loszuwerden, sie zu Randgruppen zu machen, die aufrichtig glauben, dass nur die russische Kultur Hochkultur ist, die russische Sprache Hochsprache ist und dass in ihren eigenen Sprachen nichts Ernsthaftes geschaffen werden kann . Die Mehrheit der Vertreter der Völker Russlands lebt heute noch in diesem Paradigma. Haben wir etwa nicht in diesem Paradigma gelebt? Die Leute, die nach dieselbe Odesa gezogen sind, wo noch kein Denkmal für Katharina II gab, nach Dnipro und Charkiw, nach Donetsk und Kiew versuchten ihre ukrainische Sprache loszuwerden um als städtisch betrachtet zu werden. Dieser Minderwertigkeitskomplex verfolgt die Menschen auch heute noch nicht, nach 18 Monaten des umfassenden Krieges Russlands gegen die Ukraine. Warum gibt es Eltern, die immer noch Russisch mit ihren Kindern sprechen, als ob sie sie darauf vorbereiten würden, dass die russische Sprache auch nach dem Krieg die ukrainischen Gebiete dominieren wird? Das ist eine sehr gute Frage. Ich denke, wir sollten uns eine ehrliche Antwort geben: So war es auch mit dem ukrainischen Volk nach Perejaslaw, nach der Teilung des polnisch-litauischen Fürstentum, nachdem Peter I. Baturyn niedergebrannt hatte, die Ukrainer hörten auf, ein Volk in ihren eigenen Städten zu sein, man versuchte die Ukrainer zu marginalisieren und in die Nation der Bauern zu verwandeln. Zur Zeiten vor der Februarrevolution von 1917 gab in der Ukraine, die ein Teil des Russischen Reiches war, nur eine Stadt, in der die Ukrainer die Mehrheit stellten, nämlich Poltawa. Bedeutet das, dass in anderen Städten die Großrussen tatsächlich die Mehrheit der Bevölkerung stellten? Nein, es bedeutet, dass die Mehrheit der Menschen zu den Großrussen gehören wollte, sich als Großrussen erfassen ließ und ihrem eigenen Volk entsagten. Es begann mit der Konsolidierung der polonisierten Elite und endete damit, dass die Menschen versuchten, eine für sie fremde Sprache zu sprechen. Die berühmtesten ukrainischen Schriftsteller des späten 19. Jahrhunderts veröffentlichten ihre freiheitsliebenden Gedichte in Lemberg und nicht in Kiew, auch daran sollte man sich erinnern. Wenn wir uns die Lebensgeschichte von Lesya Ukrainka oder Pavel Hrobovsky ansehen und Dutzende solcher Beispiele nennen können, wie können wir ein solches Land nicht als Kolonie bezeichnen, wenn es ihm nicht erlaubt ist, sein eigenes kulturelles, historisches und politisches Umfeld zu entwickeln? Anders war Österreich-Ungarn. Können wir Ungarn nach dem Kossuth-Aufstand als eine Kolonie Österreichs betrachten, keineswegs. Die ungarische Sprache setzte sich durch und darüber hinaus versuchten die Ungarn selbst, diese ungarische Sprache allen anderen Völkern im ungarischen Königreich aufzuzwingen. Ungarn entwickelte seine eigene Vision von Kultur und Geschichte in allen Gebieten, das Königreich Ungarn war eher ein Miniimperium, als eine Kolonie Österreichs, und diese imperialen Qualen verfolgen ihren Regierungen und Eliten bis heute. Und wie war es auf den Land des sogenannten Kleinrusslands? Es ist völlig anders. Es wurden Sonderverordnungen erlassen, die die ukrainische Sprache verboten, alles, was mit der ukrainischen Geschichte zu tun hatte, wurde an den Rand gedrängt, und die Russen haben sogar die alte Geschichte der Ukraine gestohlen. Erst jetzt stellt sich heraus, dass das Wort Ukraine bereits vor tausend Jahren in Chroniken verwendet wurde. Die Russen erklärten immer, es sei ein einfacher Außenbezirk ihres mächtigen Staates, obwohl Wolodymyr, Susdal und Moskau in Wirklichkeit genau die Außenbezirke des Staates mit der Hauptstadt Kiew waren. Und wir haben sehr lange, jahrhundertelang in diesem historischen Paradigma gelebt. Als Taras Schewtschenko mit seiner Arbeit begann, konnte er im Gegensatz zu anderen berühmten Nationaldichtern der Völker des Russischen Reiches nicht einmal auf historische Quellen wie Mickiewicz, Donilactis, Maironi zurückgreifen. Und warum, weil die Geschichte der Ukrainer von anderen Leuten übernommen wurde, von Russen. Und unsere Aufgabe ist es, den Russen diese Geschichte wegzunehmen. Der zweite sehr wichtige Punkt, den ich ansprechen möchte, sind die Trends, die in der heutigen Welt stattfinden. Ich würde sie die Entimperialisierung des Bewusstseins nennen. Sie sehen, dass die Welt gegenüber der Realität immer toleranter wird, von der Toleranz gegenüber der Nationalität über die Toleranz gegenüber Geschlechterunterschieden, bis hin zur Toleranz gegenüber der Einstellung gegenüber anderen Ansichten. Noch gestern war es prestigeträchtig, ein Repräsentant einer imperialen Nation zu sein. Ein Repräsentant einer kolonisierter Nation zu sein, war peinlich. Manche Ukrainer schämten sich auch dafür, haben einen Minderwertigkeitskomplex. Schauen wir uns an, was heute in den ehemaligen Imperien passiert, wie viele Führungs- und Staatsmänner, Kulturschaffende und einfache Bürger sich gewissenhaft für ihre imperiale Vergangenheit entschuldigen. Wir denken, es wäre etwas seltsam, aber was ist hier seltsam? Wenn Sie neben sich Ihren Landsmann sehen und wissen, dass Ihre Vorfahren seine Vorfahren ausgebeutet, sie zu Sklaven gemacht, unterdrückt und ihnen die Menschenwürde genommen haben, lohnt es sich vielleicht, sich dafür zu entschuldigen? Das Bewusstsein der ganzen Welt wird entimperialisiert. Es stellt sich heraus, dass es eine Schande ist, ein Imperialist zu sein, dass es eine Schande ist, ein Kriegstreiber zu sein, dass es eine Schande ist, ein Sklavenhalter zu sein, und dass die Tatsache, dass es im 15. oder 17. oder 18. oder 19. Jahrhundert war, dies nicht rechtfertigt, weil jeder schon immer alles wusste, aber die Umstände ausnutzte. Aus meiner Sicht sollten wir die russische Geschichte auf die gleiche Weise angehen, und wir sollten dies unseren Landsleuten und der ganzen Welt erklären, dass das, was Russland auf seinem Land getan hat, beschämend ist. Es gibt nichts, worauf man stolz sein kann. Katharina II. ist keine gebildete Kaiserin, egal welche Briefe sie an Voltaire schrieb. Sie ist eine Person, die die Zivilisationen zerstört hat, eine Usurpatorin des Throns, selbstzufrieden und stolz, die alles um sie herum zerstört hat: die Zivilisation des polnisch-litauischen Fürstentums mit seinen demokratischen Traditionen, die einzigartige Zivilisation des Krim-Khanats und die Zivilisation des ukrainisches Landes. Kateryna || kann in die Geschichte der Ukraine und der Welt nur mit dieser wirklichen Einschätzung ihres Beitrags zur Zukunft der Menschheit eintreten, aber es ist notwendig, darüber zu sprechen, denn das Bild der historischen Katharina II., das in Russland seit 100 Jahren propagiert wird, ist ein anderes. Und so kam es zur Aussage des Papstes über Katharina II. Das Porträt von Katharina II. stand all diese Jahrzehnte auf dem Schreibtisch von Angela Merkel, der Bundeskanzlerin Deutschlands, als Vorbild, dem man folgen sollte. Aber selbstverständlich tat er das nicht als Vorbild einer Banditin, die Kosaken Sich oder die Krim zerstörte, sondern als ein Beispiel der deutschen Prinzessin, die eine große Staatsfrau wurde. Und Peter I., es fehlen die Wörter um seine Verbrechen zu erfassen. Es wird oft gesagt, dass er für Russland ein Fenster nach Europa geöffnet hat, aber es ist andersrum, er hat dieses Fenster geschlossen. Denn wie sah die Europäisierung in Russland wirklich aus? Als Menschen, die im Wesentlichen Eigentum ihrer Herren waren, in die freien Städte kamen, gaben ihnen diese Städte die Freiheit und Schutz, du musstest nur dem Herrn auf dem Land entkommen und in die Stadt kommen und Handwerker werden, und dein Herr hatte kein Recht mehr über dich, die Stadt beschützte dich, eine freie Stadt ist die Wiege der echten Zivilisation, in der Sie und ich leben. Und was ist in Russland passiert? In Russland arbeiteten Leibeigene, die weiter Leibeigene blieben, in den Werken. Peter I. erfand das Leibeigenschaftsunternehmertum, es gab in Russland nie freie Städte, und wenn sie historisch entstanden, wie zum Beispiel das große Nowgorod, dann zerstörten die Moskauer Zaren sie zusammen mit der Bevölkerung. Denn während des Überfalls Iwans des Schrecklichen auf Nowgorod wurde etwa 40 % der Bevölkerung dieser Stadt umgebracht. Darüber muss gesprochen werden. Letztlich geht es nicht um die Einschätzungen des Papstes, der Papst ist ein älterer Mensch und wird seinen Posten früher oder später einem Erben überlassen. Es ist notwendig, die Stereotypen zu ändern, Stereotypen unserer eigenen Wahrnehmung und Stereotypen der Wahrnehmung Russlands in der Welt. Zuerst müssen wir eine einfache Sache verstehen: Es gibt nichts Gutes an der Kolonialgeschichte, es besteht keine Notwendigkeit in einem Fass voller Fäkalien nach der Sonne zu suchen. Ich sage dies aufgrund der eigenen nationalen Erfahrung, der tatsächlichen Entwicklung des jüdischen Volkes, seines Selbstbewusstseins, seiner Fähigkeit, sich zu verteidigen, seiner Fähigkeit, für sich selbst einzustehen, genau zu dem Zeitpunkt, als die zionistische Idee sehr einfach formuliert wurde: Exil kann kein Glück sein. Suchen Sie im Exil nicht nach dem Guten. Denken Sie nicht, dass einzelne Momente, die Sie im Exil erleben, Ihr Familienglück oder Ihr Erfolg die Tatsache ersetzen, dass Ihr Volk im Exil lebt, ohne einen eigenen Staat und eine eigene Regierung, die seine Interessen schützen könnte. Und gerade weil es klar wurde, dass die Vertreibung nicht zu rechtfertigen ist, ist der Staat Israel entstanden, der sich verteidigen kann, der ein Zufluchtsort für jeden Juden bleibt, der Jude sein will. Das Gleiche gilt für das ukrainische Volk. Die Ukrainer beteiligten sich am Bau mehrerer staatlicher Projekte: Rus mit dem Staatszentrum in Kiew, Großfürstentum Galizien-Wolyn, Großfürstentum Litauen und im polnisch-litauischen Staat. Die Beziehungen waren in all diesen Formationen, einschließlich Rus, unterschiedlich, da es sich auch um eine komplexe Symbiose der Waräger-Dynastie, der Slawen, Petschenegen und Polowzen handelte. Das ukrainische Volk war jedoch am Aufbau des Staates beteiligt, für Moskau war es aber immer nur ein koloniales Material, und es muss einfach verstanden werden. Diese dreihundert Jahre Leben im Moskauer Staat als Kolonisierung zu akzeptieren. Sogar das Leben der Ukrainer unter Österreich-Ungarn war anders, denn sie konnten ukrainische Parteien gründen, sie konnten eine Delegation dieser Parteien ins Parlament schicken, sie konnten ihre eigene Sprache und Kultur in Schulen und Universitäten lernen, sie waren eines der Völker von einem multinationalen Imperium, natürlich auch nicht der beste Status, aber kein Status bewusster Unterdrückung und Substitution. Und von dem Moment an verstehen wir, dass wir kolonisierte Völker waren und es nichts gibt, worauf wir stolz sein können. Aber wir können stolz darauf sein, dass wir es geschafft haben zu überleben und es geschafft haben, den Bolschewiki das aufzuzwingen, Ukraine mindestens in einer dekorativen Pappform akzeptieren müssten und nicht komplett abschaffen konnten. Ja, das ist eine Errungenschaft, darauf kann man stolz sein, aber zu denken, dass die Teilnahme am Aufbau des Russischen Reiches, zu dem auch die Unterdrückung des eigenen Volkes gehörte, kulturell, historisch und manchmal auch nur physisch, eine Errungenschaft ist, ist ein riesiger Fehler. Erst wenn wir das verstanden haben, kommen wir zu einem weiteren, ganz wichtigen Moment, über den wir sprechen wollen. Wir müssen die Welt davon überzeugen, dass das Russische Reich ein Übel ist, ein Übel, für das die Russen verantwortlich sind, und dass sie dieses Übel bereuen müssen, so wie die Briten, die Franzosen oder die Spanier von ihnen verursachten Übel bereuen. Wenn sich nun die Briten, die Franzosen oder die Spanier für die Verbrechen ihrer alten Herrscher entschuldigen, dann müsste Russland in dieser Situation auch ein Land sein, deren Vertreter nicht stolz auf die Leistungen von Mutter Russland, ihrer großartigen Kultur, ihrer Katharina und Peter sein sollten, sondern sich für die Verbrechen des Reiches von Kasan bis Mariupol und vielleicht sogar früher entschuldigen und bereuen sollten. Wissen Sie, was die Wolodymyrosusdal-Fürsten am Vorabend der Mongoleninvasion taten, glauben Sie, dass sie sich darauf vorbereiteten? Nein, sie bereiteten sich auf die Eroberung des mordwinischen Staates vor. Es war ihre Interesse, das mordwinisches Land zu erobern, obwohl der mordwinische Herrscher der Goldenen Horde viel länger und viel ernsthafter widerstehen konnte als Wolodymyr. Erlaubnis für das Regieren haben die Herrscher aus Mordwinien, in unterschied zu Moskauischen Fürsten, bei der Goldenen Horde nicht geholt, aber wen interessiert das jetzt? Schließlich wird die Geschichte von den Siegern geschrieben, und die Russen waren die Sieger. Als Sieger schufen sie ein Imperium und zwangen allen, die sie gefangen nahmen und unterdrückten, ihre Version der Geschichte auf. Unsere Aufgabe ist es, zumindest auf unserem eigenen Land, Gewinner zu werden. Wenn wir einen eigenen Staat haben, müssen wir unsere Vision von Geschichte und Kultur realistisch schreiben und nicht all den Quatsch, den die Russen jahrhundertelang verbreitet haben und den wir sogar unbewusst sehr oft assimiliert haben und nicht einmal wissen, dass dahinter keine Fakten stehen. Sie und ich lebten jahrhundertelang in einem hermetisch abgeriegelten Staat, beherrschten jahrhundertelang keine Fremdsprache und sahen nur die Welterrungenschaften, die uns geboten wurden. Insbesonders für denen, die in der Sowjetunion aufgewachsen, ist die russische Kultur das Zentrum des Universums. Man kann sich das so vorstellen: wenn man eine Person in einem Raum einsperrt, die Tür abschließt und sagt, dass alles, was sie in diesem Raum sieht, die Welt ist, wird sie nicht einmal ahnen, dass es Vögel, die Sonne, den Himmel irgendwo hinter dem Fenster gibt, sie wird glauben, dass das Schönste, was Sie in Ihrem Leben gesehen haben, ein Stuhl in diesem Raum ist. So ist die gesamte russische Zivilisation, da steht so ein Stuhl, und er ist auch schlecht gemacht, weil gerade betrunken. Und das muss erkannt werden. Und was den Papst betrifft. Wie Sie sehen, desavouiert jetzt sogar der Vatikan offiziell die Worte des Papstes, denn selbst der offizielle Vatikan möchte nicht, dass die römisch-katholische Kirche als eine Organisation wahrgenommen wird, die die imperiale Vergangenheit beschönigt. Es schien dem Papst offensichtlich, dass er, wenn er der russischen Jugend mit Stereotypen ansprechen würde, die normalerweise im Laufe der Jahrhunderte durch die russische Propaganda aufgezwungen wurden, für diese Jugend sein Eigener sein würde. Aber ich glaube, dass das ein großer Fehler ist, denn man muss ehrlich mit anderen sprechen, es ist notwendig jungen Menschen die Wahrheit über den Staat zu sagen, in dem sie leben, mit welcher historischen Belastung sie leben. Sie sollten sich ihrer Verantwortung für diese Last bewusst sein, insbesondere wenn sie die Verantwortung übernommen und beschlossen haben, den katholischen Glauben im Russland zu praktizieren, was in den Augen Moskaus, bereits ein Zeichen der Illoyalität ist, weil ein Monopol der Russisch-Orthodoxen Kirche mit allen Mitteln durchgesetzt wird. Was ist übrigens mit uns? Millionen unserer Landsleute bleiben Gläubige der Russisch-Orthodoxen Kirche
der Ukraine. Wie kann das sein? Das ist auch eine sehr gute Frage. Kein römischer Papst wird eine objektive Antwort finden, warum 18 Monate nach dem Anfang des russisch-ukrainischen Krieges auf fast der Hälfte des Territoriums der Ukraine niemand daran denkt , der russisch-orthodoxen Kirche ihr Eigentum und ihr moralisches Monopol in der Ukraine zu entziehen. Wenn es uns gelingt, alle diese Fragen zu beantworten, werden wir meiner Meinung nach in Zukunft nie wieder auf solche Einschätzungen der russischen Geschichte stoßen, und niemand wird sich mit schmeichelhaften, aber unwahren Worten an die russische Jugend wenden, und das ist harte Arbeit, harte Arbeit mit dem Westen und vor allem harte Arbeit mit dem globalen Süden,den globalen Süden davon zu überzeugen, dass hinter der antiimperialistischen Parolen die Sowjetunion sich hässliche imperiale Inhalt dieses Landes versteckt hat, wird sehr, sehr schwierig sein, aber es muss getan werden, weil sonst wird die Situation, in der wir leben, niemals ändern. Wir haben sich selbst davon überzeugt, dass die Ukraine die Isolation Russlands erreicht hat, dass Russland völlig isoliert ist. Aber Russland verfügt über hervorragende Voraussetzungen für die Zusammenarbeit mit dem größten Teil der Menschheit, dem globalen Süden. Russland hat hervorragende Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit mit China, die im Wesentlichen den gesamten westlichen Markt in Russland ersetzen kann. So lange diese Symbiose anhält und wirksam ist, wird Russland Geld für die Militarisierung der Wirtschaft, für die Mobilisierung, für neue Waffen und für neue Kriege haben. All das wird sich ändern, wenn sich die Tatsachenbewertungen ändern.